Monteure verankern für Testreihen das Modell einer Anlage mit schwimmende Windräder im Greifswalder Bodden.

Die Wirtschaft ist durch die Corona-Pandemie eingebrochen. So sehr, dass Deutschland sein selbst gestecktes Ziel von 40 Prozent Klimagas-Reduktion nun unerwartet wohl doch schaffen wird. Aber ist das ein Einmaleffekt, der schnell verpufft? Oder hat Corona tatsächlich das Potenzial, unsere Wirtschaft dauerhaft grüner zu machen?

Seit Jahrzehnten verfolgt Manfred Fischedick die Wirtschafts- und Klimapolitik. Er forscht zu Energietechnik und Klimaschutz und ist wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Für ihn ist klar: Es hat sich etwas verändert während der Pandemie.

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Man müsse sich nur anschauen, worin in den Konjunkturprogrammen, die jetzt in der Corona-Krise in der EU und auch in Deutschland aufgelegt werden, investiert werde: "In den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur, in E-Mobilität, in Gebäudesanierung, und das in einem Maße, das wir bisher in Deutschland so nicht kannten." Das sei schon anders als das, was man vor zehn Jahren nach der Wirtschaftskrise gemacht habe, "nämlich einfach in Autos investieren, die keinen Klimaschutzbeitrag leisten".

Stabilere Wirtschaft durch Re-Regionalisierung

Gelernt also, dass Wirtschaft und Klimaschutz zusammengehen können. Frieder Rubik ist Volkswirt und forscht am Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Auch für ihn birgt der Corona-Schock Chancen für stabilere und umweltfreundlichere Wirtschaftsformen. Beispielsweise in der Gesundheitswirtschaft. Statt Masken aus China zu importieren sei auf einmal wieder in Europa produziert worden. "Was natürlich von den Standortbedingungen teurer ist, aber auch die Wirtschaft weniger abhängig von langen und energieintensiven Transportvorgängen gemacht hat."

Corona, so Rubik, habe uns die Grenzen unseres extrem globalisierten Wirtschaftssystems vor Augen geführt und gezeigt, dass die extrem ausgetüftelten Lieferwege über Straßen, Wasser, Luft sich verändern müssen. Und zwar "in Richtung einer Re-Regionalisierung, um damit Wertschöpfungsketten widerstandsfähiger gegenüber Pandemien und internationalen Krisen zu halten, um damit auch etwas resilienter, etwas vorsorgeorientierter wirtschaften zu können".

Verhaltensweisen ändern

Corona hat also das Potenzial, unser Wirtschaftssystem zu verändern. Aber nicht nur das: Für Fischedick haben die Corona-Monate auch gezeigt, wie schnell sich unsere individuellen Verhaltensweisen ändern können – wenn, wie er sagt, der Druck im Kessel hoch genug ist. "Wir haben auch gelernt, dass jeder einzelne von uns zählt, denn dass wir in Deutschland bisher gut durch die Krise gekommen sind, liegt ja auch daran, dass wir uns konsequent an bestimmte Regeln gehalten haben. Wenn uns das gelingen würde zu übertragen auf die Klimakrise, auf die Begrenzung des Klimawandels, dann würde man schon einen Schritt vorangehen können."

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Mojib Latif
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Natürlich waren längst nicht alle Verhaltensänderungen während der Corona-Krise gut fürs Klima – man denke nur an den höheren Verbrauch von Plastik-Verpackungen, oder die vielen Bestellungen im Online-Handel und die vielen Liefer-Kilometer, die sie verursachen. Aber, so Fischedick, "auf der anderen Seite haben wir auch gesehen, dass Menschen in der Nachbarschaft sich gegenseitig unterstützen, dass regionale Produkte verstärkt gekauft worden sind." Diese Tendenz gelte es aufrecht zu erhalten und zu verstärken.

Viele Ansätze also in der Corona-Krise für eine grünere, klimaverträglichere Art des Wirtschaftens. Wer sie sich Augen führt, kann daraus bewusst dauerhafte Veränderungen entstehen lassen – im Großen wie im Kleinen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.9..2020, 6 bis 9 Uhr

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