Eine Maske hängt an einem Tisch im Klassenzimmer

Schulkinder müssen schon drei Tage vor den Weihnachtsferien nicht mehr zur Schule: Die Präsenzpflicht wurde im Zuge des strengen Lockdowns aufgehoben. Doch lernen müssen sie trotzdem. Kritiker im Landtag sind erzürnt.

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Kultusminister Alexander Lorz (CDU)
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Trotz Corona-Pandemie so viel Präsenzunterricht wie nur irgend möglich – das ist seit Monaten die gleichsam gelobte wie auch stark kritisierte Strategie der Landesregierung. Eine Strategie, die dem Wunsch der Kanzlerin nach einem harten Lockdown vor Weihnachten widerspricht und deshalb geradezu salomonisch aufgelöst wurde von Ministerpräsident Volker Bouffier. "Wir schließen die Schulen nicht. Wir haben aber beschlossen, dass wir die Präsenzpflicht aufheben. Das heißt, man muss nicht kommen. Wenn Eltern aber keine Chance haben die Kinder in anderer Weise zu betreuen, dann können sie kommen", sagt der CDU-Politiker.

Eine Lösung, die vieles zulässt und Kritiker der Landesregierung weiter erzürnt. Denn die werfen dem Kultusministerium vor, in der Corona-Pandemie zu langsam, nicht eindeutig und nicht einheitlich für alle Schulen und Regionen zu entscheiden. Christoph Degen von der SPD kritisiert, dass "Kurzschlussentscheidungen nach wie vor an der Tagesordnung sind". Und Elisabeth Kula von der Linken fordert klare Vorgaben vom Land, damit überall in Hessen einheitliche Regeln gelten.

Pragmatismus und Wechselunterricht

Maskenpflicht in Klassenräumen – ja oder nein? Quarantäne – ja oder nein? Unterricht im Wechselmodell – ja oder nein? Fragen wie diese will die Landesregierung nicht übergeordnet für ganz Hessen entscheiden, sondern überlässt die Entscheidung den Gesundheitsämtern, Schulträgern und Schulleitungen vor Ort. Kultusminister Alexander Lorz will nicht alles über einen Kamm scheren. "Pragmatismus bedeutet, der jeweils konkreten Situation angemessen zu handeln. Deswegen setzen wir auf die Beurteilung der Lage und ihrer Konsequenzen vor Ort", so Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

Das reicht nicht, sagt SPD-Politiker Degen und fordert wie die Linke künftig ab einer bestimmten Inzidenz Wechselunterricht, wenn es nicht anders geht: "Unser Antrag ist kein reines Plädoyer für Wechselunterricht. Der Antrag ist ein Plädoyer dafür, Abstände einzuhalten in Schulen durch vielleicht größere Räumlichkeiten, die man finden kann."

Viel Geld ist auf dem Weg

Moritz Promny von der FDP sagt, Schule in Pandemiezeiten brauche unter anderem eine ausgearbeitete Teststrategie und einheitliche Quarantäne-Regelung für den Bildungsbereich. Außerdem prangern die Liberalen die fehlende digitale Infrastruktur an. So auch Heiko Scholz von der AfD-Frakion. "Ein Internetzugang per Glasfaser wird für viele Schulen ein frommer Wunsch bleiben und die Ausstattung der Schüler und Lehrer mit digitalen Endgeräten verläuft aufgrund struktureller Planungsdefizite nach wie vor im Schneckentempo", sagt Scholz.

Gesagt werden muss aber auch: Etwa für die digitale Infrastruktur der Schulen ist viel Geld von Bund, Land und Kommunen auf dem Weg. Digitale Endgeräte für bedürftige Schüler und jeden Lehrer sind freigegeben. Genauso wie Geld für Lüftungsgeräte für Schulklassen.

Die Opposition, Eltern- und Lehrerverbände kritisieren aber, das Land müsse sich schneller und besser aufstellen. Und am besten schon nach den Weihnachtsferien einen deutlichen Schritt weiter sein.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 16.12.20, 6-9 Uhr

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