Klimaanlagen an einer Hausfassade

Klimaanlagen könnten Virenschleudern sein und das Coronavirus verbreiten. Das zeigt eine Studie von Forschern aus China. Andere Forscher sind da skeptischer. Gastwirte sind jedenfalls besorgt.

Die Klimaanlage läuft in diesem Kasseler Restaurant. Doch Gastwirt Gunter Schmidt hat kein gutes Gefühl dabei. Presseberichte über Klimaanlagen als Corona-Schleudern haben ihn aufgeschreckt. "Wir machen sie dann an, wenn keine Gäste da sind. Während der Gastzeit haben wir sie im Moment ausgelassen", sagt Schmidt. Denn seine Gäste wolle er auf keinen Fall gefährden.

Besonders der Fall aus einem Restaurant in Südchina macht ihm Sorge. Die Gesundheitsbehörden der Stadt Guangzhou haben im Januar eine Studie über einen Corona-Ausbruch in einem Restaurant veröffentlicht. Ein Infizierter hatte dort offenbar neun Gäste angesteckt. Laut der Studie hat der Luftzug aus einer Klimaanalage die Coronaviren im Raum verteilt, sodass sich auch die Gäste an Nachbartischen angesteckt haben.

"Weder hü noch hott" 

Auch die Klimaanlage in Schmidts Restaurant erzeugt einen Luftzug im Raum. "Da ist kein Stillstand, auch in den Ecken nicht. Die ist gut verteilt, damit immer und überall frische Luft ist und es nicht nach Küche riecht." Laut der Studie aus China ist das ein Risiko. Das gilt zum Beispiel auch für Klimaanlagen in Büros.

Andere Forscher sind da skeptischer. Denn viele Klimaanlagen mischen die Luft aus dem Innenraum mit frischer Luft von außen. Außerdem haben sie oft einen Aktivkohlefilter. Experten der Technischen Hochschule Aachen halten das Risiko bei solchen Anlagen für klein. Wer hat nun recht? Restaurantbesitzer Schmidt schüttelt den Kopf. "Bis jetzt konnte mir keiner was Konkretes sagen. Keiner wollte sich festlegen - weder auf Hü noch auf Hott."

Wartung ist das A und O 

Einer, der da mehr Klarheit bringen will, ist Markus Schimmelpfennig, Hygieneberater und ehemaliger Leiter des Kasseler Gesundheitsamts. "Eine gute, gepflegte Klimaanlage, die im Frischluftbetrieb läuft, ist in der Regel ungefährlich", sagt er deutlich. "Eine Klimaanlage, die sogenannte Mischluft- oder Umluft verwendet, kann in schlechtem technischen Zustand eine Gefahrenquelle sein." 

Neben der Frischluft ist für Schimmelpfennig die regelmäßige Wartung der Klimaanlage das A und O. Mindestens einmal im Jahr sollte das passieren. Auch die Filter sollten regelmäßig gereinigt werden. Mindestens einmal die Woche. In Corona-Zeiten auch öfter. Sind diese Bedingungen erfüllt, würde auch der Hygieneberater in ein klimatisiertes Restaurant gehen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.05.2020, 15-18 Uhr

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