Corona Coronavirus Sujet

Welche neuen Erkenntnisse gibt es zum Coronavirus in puncto Ansteckung und Krankheitsverlauf? Was sollte die Regierung tun, um die Gefahr möglichst gering zu halten? Wir haben die aktuellsten Informationen des RKI zusammengefasst.

Das Ziel im Zusammenhang mit dem Coronavirus könne derzeit nur eins sein, sagt Professor Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI): "Den Ausbruch zu verlangsamen, damit die Fälle nicht alle auf einmal auftreten und das Gesundheitssystem überfordern."

Um das zu erreichen, müssten Kranke erkannt und isoliert werden und auch Kontaktpersonen zum Teil unter Quarantäne gestellt werden. Man müsse Großveranstaltungen absagen und sich im privaten Bereich mit gesellschaftlichen Aktivitäten einschränken.

Statt des Stadionbesuchs sollten also nicht die Sportsbar oder Kneipe als Ersatz herhalten: "Die große Überschrift über all das, was hier so empfohlen wird an Absagen von Veranstaltungen, ist die soziale Distanzierung. Es geht also darum, Abstand zwischen die Menschen zu bringen", sagt Schaade.

Was Risikogruppen beachten sollten

Besonderen Schutz brauchen laut Schaade die sogenannten Risikogruppen, also Menschen, bei denen die Krankheit besonders schwer verlaufen kann: "Dazu zählen ältere Menschen, besonders hochaltrige, und Menschen mit Grunderkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Lungenerkrankungen, Krebs und Patienten mit einem unterdrückten Immunsystem."

Diese Menschen sollten ganz besonders auf die Hygiene-Regeln achten, sich viel die Hände waschen, Abstand zu Kranken halten und ihre Kontakte so weit wie möglich reduzieren. "Diese Personen, um das ganz klar zu sagen, sollten keinen Kontakt zu Menschen haben, die an Atemwegsinfektionen leiden", so Schaade.

Gerade jetzt kann unsere Gesellschaft Unterstützung gut gebrauchen. Kinder könnten für Ältere und Schwächere Alltagsaufgaben abnehmen: "Wir alle sollten sie unterstützen und in der Familie klären, wer zum Beispiel einkaufen geht", rät Schaade.

"Deutschland muss seinen Vorsprung nutzen"

Der Leiter der Virologie der Berliner Charité, Professor Christian Drosten, verweist im NDR auf die gute deutsche Diagnostik. Dieser Vorsprung müsse nun genutzt werden: "Deutschland hat seinen Ausbruch früh erkannt und muss aus diesem Vorsprung jetzt aber auch etwas machen. Das ist ganz wichtig, dass sich das alle klarmachen, ganz besonders natürlich die Entscheidungsträger."  

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Drosten mahnt zu sofortigem Handeln in Deutschland: "Wollen wir in einem Monat wirklich sagen: 'Hätten wir doch damals einfach auf die Daten und auch auf Experten aus dem Ausland gehört'?" Er mache im Gespräch mit einigen Politikern immer noch die Erfahrung, dass sie sich eher zurücklehnen, wenn er etwa sage, dass wir in Deutschland sehr gut in der Diagnostik seien. Ausdrücklich loben möchte Professor Drosten allerdings den Bundesgesundheitsminister, der sich so oft es geht inhaltlich auf den neuesten Stand bringen lässt.

"Eine Naturkatastrophe, die in Zeitlupe abläuft"

Laut Drosten gelte es jetzt vor allem eins zu verhindern: "Wir haben hier eine Naturkatastrophe, die in Zeitlupe abläuft. Wir müssen jetzt einfach mit Nüchternheit und mit einer Wertschätzung für Daten und für Wissenschaft sagen: So wird das kommen. Die Wissenschaft irrt sich hier nicht."

Viele Gesundheitsämter trauten sich immer noch nicht, teure Veranstaltungen abzusagen. Das wird sich in nur einem Monat bereits rächen, sagt Drosten.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.3.2020, 15 bis 18 Uhr

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