Mädchen wird von einer Gruppe Jugendlicher gemobbt

Cybermobbing unter Schülern wird zu einem immer größeren Problem: Ein Viertel der Jugendlichen ist laut einer aktuellen Studie schon Opfer von Mobbing im Internet geworden. Was löst das bei den Betroffenen aus? Und was können Schulen dagegen tun? Unsere Reporterin hat sich das an einer Schule in Frankfurt angeschaut.

Chatten, posten, im Internet surfen, das gehört auch an Schulen zum Alltag. Schon in der fünften Klasse gibt es WhatsApp-Gruppen für die ganze Klasse. Das kann praktisch sein, aber auch zu Problemen führen. Janna und Alexander, beide 15, erzählen, welche Probleme es an ihrer Schule, der Otto-Hahn-Schule im Frankfurter Norden, gibt: dass Bilder rumgeschickt wurden von Personen, die das nicht wollten, etwa. Dass es teilweise auch beleidigende Aufschriften gegeben habe. Oder dass Bilder umgestaltet worden seien und sich die ganze Klasse darüber lustig gemacht habe.

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Studie zu Cybermobbing

Insgesamt ist die Zahl der von Cybermobbing betroffenen Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 21 Jahren seit 2017 von 12,7 Prozent auf 17,3 Prozent in 2020 gestiegen (36 Prozent). Das zeigt eine Studie unter 6.000 Schülern, Eltern und Lehrkräften, die die Techniker Krankenkasse (TK) und das Bündnis gegen Cybermobbing am Mittwoch in Hamburg präsentierten. Am häufigsten tritt Cybermobbing an Haupt- und Realschulen auf. Aber auch unter den jüngeren Kindern stiegen die Zahlen an, sagte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. "Jedes zehnte Grundschulkind hat eigene Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht." Diese Zahlen seien alarmierend, denn schließlich könne sich Cybermobbing auf die Gesundheit auswirken. "Es kann zu psychischen Erkrankungen bei den Kindern und Jugendlichen führen."

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Die beiden sind "digitale Helden" an ihrer Schule - ein Mentoringprogramm aus Frankfurt, bei dem mittlerweile über 100 Schulen – auch bundesweit - mitmachen. Das Prinzip ist einfach: Ältere Schülerinnen und Schüler gehen in die fünften und sechsten Klassen und helfen den Jüngeren bei Fragen rund um die digitalen Medien. Auch bei Mobbing. Für den Einzelnen ist die Situation oft unerträglich, wenn er beleidigt, gemobbt und gedemütigt wird und das über soziale Medien auch noch immer weiterverbreitet wird.

Die stumme Mehrheit aktivieren

Die digitalen Helden wollen gegensteuern: "Wir versuchen, deren Klassengemeinschaft zu stärken. Man muss einfach betonen, dass sie als Klasse alles meistern können", so Janna und Alexander. Begleitet werden sie von zwei Lehrern. Sportlehrer Thomas Alvarez erzählt, was bei Mobbing passiert: "Wenn einzelne Schüler, und das sind meistens einzelne Schüler, sich einen Spaß daraus machen, jemanden zu mobben, denkt die Person schnell, dass die ganze Gruppe, die ganze Klasse gegen sie ist." Die Schüler fühlten sich dann ausgeschlossen, obwohl das Mobbing nur von einzelnen Schülern ausginge. Da sei es wichtig, den Rest der Klasse zu mobilisieren und darin zu stärken, sich dagegen zu stellen, so Alvarez.

Die stumme Mehrheit, die oft nur zusieht, wird aktiviert, sich hinter die gemobbte Person zu stellen. Dann falle sehr schnell auf, dass es nur Einzelne sind, nicht die ganze Klasse. Für die Opfer eine große Erleichterung. Aber manchmal ist gar nicht klar, wer eigentlich mobbt. Lehrerin Georgiana Bacaianu erzählt von drei Mädchen in der sechsten Klasse, die auf Tellonym anonym beleidigt und verleumdet wurden. Auf der Plattform kann jeder posten, was er will und niemand weiß, wer dahinter steckt. "Das hat die Mädel total fertig gemacht", sagt Bacaianu. "Die hatten das Gefühl, es könnte jeder in der Klasse sein. Die haben tagelang geweint, die haben jeden angesprochen und auch beschuldigt."

Das Internet vergisst nicht

Doch letztlich ließ sich nicht herausfinden, wer es war. Die Lehrerin hat den Mädchen dann dazu geraten, die Angriffe zu ignorieren. Erfolgreich: "Die haben irgendwas geschrieben, keiner hat reagiert. Und da war die Sache gegessen. Und das ist auch so ein Tipp, denn wir mitgeben: Reagiert einfach nicht." Die 16-jährige Lisa ist auch eine digitale Heldin an der Frankfurter Otto-Hahn-Schule. Sie sagt, die Probleme bei den Kleinen seien noch harmlos gegen das, was sie bei älteren Freunden von ihr erlebt, die zum Beispiel sehr aktiv sind in sozialen Medien: "Je mehr Abonnenten man hat, desto mehr wird man angegriffen."

Eine Freundin von ihr, die auf Instagram sehr erfolgreich ist, wurde mit anzüglichen Bemerkungen und Fotos heftigst beleidigt. "Viele meiner Freunde, die Beleidigungen an den Kopf geworfen bekommen, die leiden. Und fühlen sich nicht mehr sicher im Netz und nehmen auch eine Auszeit und gehen wirklich offline", sagt Lisa. Viele könnten damit umgehen, vor allem, wenn sie sensibel seien. Das Schwierige an den digitalen Medien ist aus ihrer Sicht, dass es so einfach und schnell geht, etwas Negatives über jemanden zu posten: "In weniger als drei Sekunden kannst du eine Nachricht schreiben. Und sie direkt verschicken. Die Inhalte aber bleiben." Denn das Internet vergisst nicht.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 2.12.2020, 15 bis 18 Uhr

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