Kita-Kinder haben sich für einen Aufenthalt im Freien angezogen. Man sieht nur ihre Füße.
Wie teuer ist die Kita-Betreuung denn nun wirklich? Bild © picture-alliance/dpa

Viele Hessen haben sich auf den 1. August gefreut. Der Tag, an dem die schwarz-grüne Landesregierung Eltern von Kindern ab drei Jahren die Kita-Gebühren abnehmen wird – für sechs Stunden am Tag. Ein Grund zur Freude, sollte man denken.

Martin Eiben ärgert sich. Der Familienvater und Stadtelternbeirat aus Oberursel hat einen empörten Brief geschrieben. "Landesmittel, die den Eltern zustehen, werden in die Kasse der Stadt umgeleitet", hat Eiben ihn genannt. Der Grund: Ab dem 1. August tritt nicht nur die landesweite Kita-Gebührenfreiheit für sechs Stunden pro Tag für über Dreijährige in Kraft – auch seine Stadt Oberursel nutzte den Termin, um die Kinderbetreuung neu zu regeln.

Pauschale reicht nicht aus

Das Ergebnis: Einige Eltern in Oberursel werden jetzt stärker zur Kasse gebeten. "136 Euro pro Monat und Kitaplatz. Dies entspricht ungefähr auch dem Elternbeitrag, der vorher geleistet wurde für die ersten sechs Stunden im Kindergarten – wir hatten, glaube ich, knapp über 140 Euro. Dieser Betrag wird zwar eliminiert, aber die anderen Bereiche, Krippe, Hort und Randstunden nach der sechsten Stunde, werden erhöht und damit ist über alles die Kinderbetreuung nicht verbilligt", schreibt Eiben in seinem Brief.

Auch in anderen hessischen Kommunen meldeten sich verärgerte Eltern zu Wort. Mit ähnlichen Anklagen: Eltern, die ihre Kinder mehr als sechs Stunden am Tag betreuen ließen, zahlten durch neue Regelungen teilweise höhere Gebühren an ihre Kommune als vorher. Dieses Phänomen ist Karl-Christian Schelzke vom Hessischen Städte- und Gemeindebund nicht neu. Vor allem finanzschwache Kommunen versuchten jetzt, über andere Wege Geld in die Stadtkassen zu holen. Die Pauschale von rund 136 Euro pro Kitaplatz, die die Landesregierung an die Kommunen pro potentiellem Kitakind verteilt, reiche nicht aus.

Kommunen in die Pflicht nehmen

Der Grünen-Abgeordnete Jürgen Frömmrich kann die Diskussion nur schwer nachvollziehen. Für drei Jahre Kindergarten sparen hessische Eltern in Zukunft 5.000 Euro, rechnet er vor. Zur Finanzierung stünden im Doppelhaushalt 2018/2019 Mittel in Höhe von 440 Millionen Euro bereit – alleine für die Beitragsfreistellung. Das Land habe damit viele Eltern entlastet. Die Kommunen müssten mit dieser Entlastung aber auch richtig umgehen.

"Das ist aus unserer Sicht natürlich nicht schön, dass man hier verschiedene Sachen miteinander vermischt. Das sind aber Entscheidungen der jeweiligen Kommunen, die auch dort zu treffen sind", so Frömmrich. Viele Kommunen hätten sich positiv zurückgemeldet oder profitierten von der Landespauschale. Zum Beispiel die Stadt Frankfurt: Hier lag der bisherige Preis für einen Kitaplatz unter der Landespauschale von 136 Euro. Das habe die Stadt zum Anlass genommen, um auch die Ganztagsplätze gebührenfrei anzubieten.

Sendung: hr-INFO, 01.08.2018, 6.40 Uhr

Jetzt im Programm