Emmanuel Macron am Grab des unbekannten Soldaten.
Jedes Jahr wird am 11. November in Paris an den Ersten Weltkrieg erinnert. Bild © picture-alliance/dpa

Vor exakt 100 Jahren wurde der Waffenstillstand von Compiègne unterzeichnet, der den Ersten Weltkrieg beendete. Das wird am Wochenende in Paris gefeiert. Die Erinnerung an den "Grande Guerre" spielt in Frankreich nach wie vor eine bedeutende Rolle.

Es ist ein allabendliches Ritual auf dem berühmten Pariser Place de l’Étoile (inzwischen umbenannt in Place Charles-de-Gaulle, Anm. d. Red.): Um Punkt 18.30 Uhr erschallt Militärmusik und dem gewaltigen Rund des Arc de Triomphe. Kriegsveteranen und ehemalige Soldaten in Uniform senken ihre Standarten rund um eine Gedenkplatte im Boden. Das Grab, um das sie sich versammeln, ist de Ruhestätte eines unbekannten Soldaten und ein Ehrenzeichen für alle seine Waffenbrüder, die für Frankreich gefallen sind. Es wurde errichtet für das Andenken an die gewaltigen Opfer der französischen Armee im Ersten Weltkrieg.

Erinnerung ist sehr präsent

Die Zeremonie findet inzwischen seit 95 Jahren ununterbrochen statt. Und noch immer reisen Tag für Tag Vereine, Schulen, Besucher aus ganz Frankreich an, um daran teilzunehmen. So wie Francine, die mit ihrem Enkel Mathis gekommen ist: "Ich wollte meinem Enkel die Zeremonie und das Grab des unbekannten Soldaten zeigen und erklären. Er ist noch jung, aber er hat immerhin auch einen Großvater, der für Frankreich gefallen ist. Er sollte also ein bisschen über unser Land wissen", sagt Francine.

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Tatsächlich ist die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Frankreich nach wie vor sehr präsent und für Franzosen überaus wichtig, erklärt Nicolas Offenstadt. "Das ist wirklich Teil eines Erbes. In den Familien ist die Erinnerung sehr lebendig, aber auch auf lokaler und nationaler Ebene spielt sie eine wichtige Rolle. Nicht nur in den offiziellen Zeremonien, sondern auch dort in den Familien und auf ganz unterschiedliche Art", so der Historiker und Spezialist für den Ersten Weltkrieg.

Kleine Gemeinden, gewaltige Monumente

Der Erste Weltkrieg wird bis heute in Frankreich grundsätzlich als "La Grande Guerre", der Große Krieg bezeichnet. In den aufreibenden Schlachten um Verdun, an der Marne und anderen Orten hatten Millionen Familien Väter, Söhne und Brüder verloren. Rückkehrer waren schwer traumatisiert.

Gleichzeitig war der 11. November, der Tag des Waffenstillstands, ein Tag des nationalen Sieges. Selbst kleinste Gemeinden errichteten mit finanzieller Hilfe des Staates gewaltige Monumente in Gedenken an das Leid und den Sieg. Monumente, die auch heute noch die Erinnerung wachhalten. Allerdings spielt der Siegesgedanke auch in Frankreich immer weniger eine Rolle. "Man sieht heute, dass die Jugendlichen etwa im Rahmen der Austauschprogramme die Erinnerungsarbeit gemeinsam leisten. Wir sind heute nicht mehr in der Situation, dass Deutschland wie damals als Feind betrachtet wird", so Offenstadt.

Es geht nicht um Sieger und Besiegte

Zu spüren ist das auch bei der Gedenkzeremonie am Pariser Arc de Triomphe. Es geht nicht mehr um Sieger und Besiegte, es hat einfach zu viele Tote gegeben. Und an die wollen die Franzosen denken. Egal, ob sie nun an der einen oder der anderen Seite der Front standen.

Sendung: hr-iNFO, 09.11.2018, 6.40 Uhr

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