Ein Mähdrescher erntet ein Weizenfeld in Bayern.
Die Menschheit verbraucht zu viel Getreide. Bild © picture-alliance/dpa

Zum dritten Mal in zehn Jahren wird die weltweite Getreideernte nicht reichen, um den Bedarf zu decken. Das erwarten sowohl die UN-Welternährungsorganisation FAO als auch der Internationale Getreiderat. Noch ist die Lage zwar nicht bedrohlich, langfristig muss aber etwas getan werden.

2,65 Milliarden Tonnen Getreide können Landwirte rund um den Globus voraussichtlich im laufenden Agrarjahr ernten - davon geht die UN-Welternährungsorganisation FAO in Rom aus. Verbraucht werden allerdings voraussichtlich 2,68 Milliarden Tonnen Getreide – 30 Millionen Tonnen mehr. Das ist eine große Zahl, aber noch kein Grund zur Panik.

Weltweit lagern noch ungefähr 800 Millionen Tonnen Getreide. Das meiste davon in China. "Es ist nicht so, dass wir vor einem Zusammenbruch der Nahrungsmittelversorgung oder vor einer Teuerung stehen", sagt Klaus Gihr von der KfW-Entwicklungsbank. Allerdings fallen die Speicherbestände laut Internationalem Getreiderat auf ein Dreijahrestief.

Dürren in Australien

Unter den Begriff Getreide fallen zum Beispiel Weizen, Mais und Reis. Gerechnet wird dabei in Agrarjahren. Ein Agrarjahr ist eine Anbausaison und die beginnt auf der ganzen Erde zu unterschiedlichen Zeiten. Während etwa auf der Nordhalbkugel im Frühling gesät werden muss, ist auf der Südhalbkugel zur gleichen Zeit Herbst und die Ernte läuft an. Die Gründe dafür, dass der weltweite Verbrauch im laufenden Agrarjahr 2018/2019 den Ertrag voraussichtlich übersteigen wird, sind vielfältig, sagt Gihr: "Wir haben regelmäßig Naturkatastrophen. In manchen Ländern im Süden haben wir häufig mit Dürren zu tun. Australien ist ein großes getreideproduzierendes Land, hier gibt es wieder Dürren in diesem Jahr."

Neben Naturkatastrophen ist auch der gestiegene weltweite Verbrauch für das voraussichtliche Minus in der Getreideproduktion verantwortlich, sagt Gihr. Die Weltbevölkerung steigt stetig an – und immer mehr Menschen brauchen Nahrung. Ein Problem ist auch, dass immer mehr Menschen Fleisch essen wollen – und der größte Anteil des weltweiten Getreides an Tiere verfüttert wird. Und auch die Getreideproduktion für die industrielle Nutzung, etwa zur Herstellung von Biokraftstoffen, spielt eine Rolle.

Weniger wegschmeißen, klüger transportieren

Auch wenn die Lage nicht bedrohlich ist, langfristig muss trotzdem etwas getan werden, sagt Gihr. Den Industrieländern empfiehlt er, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken und weniger wegzuschmeißen, gleichzeitig müssten in Entwicklungsländern bessere Transport- und Kühlketten eingerichtet, um die Lebensmittel dahin zu transportieren, wo sie gebraucht werden.

Sendung: hr-iNFO, 18.04.2019, 7.20 Uhr

Jetzt im Programm