Eine Eingabemaske für Passwort und Benutzername

Ein 20-Jähriger hat gestanden, persönliche Daten von Politikern, Prominenten und Journalisten ins Internet gestellt zu haben. Keine gefährliche Hackergruppe steckte hinter der Veröffentlichung, keine ausländische Macht, kein Geheimdienst. Können wir uns wieder entspannt zurücklehnen? Besser nicht, findet unser Kommentator.

Hacker geschnappt, Fall geklärt. Alles wieder gut? Nein, gar nichts ist gut. Denn der Fall offenbart, wie sehr es hapert in Sachen Datensicherheit. Und das betrifft uns alle. Klar, Politiker waren das Ziel - und Prominente. Aber es hätte fast jeden von uns treffen können – und da nehme ich mich selbst gar nicht aus.

Vielleicht muss man dem 20-Jährigen, von dem bisher nicht klar ist, ob ihm bewusst war, was er mit seinem Adventskalender lostreten würde, fast dankbar sein. Denn er hat uns allen vorgeführt, dass der beliebte Spruch "Ich hab ja nichts zu verbergen" Blödsinn ist - und schon immer Blödsinn war.

Bequemlichkeit als Feind

Wir alle haben etwas zu verbergen: Nachrichten, die wir an unsere Liebsten schreiben, Daten über unsere Gesundheit oder unsere finanzielle Situation, private Bilder unserer Kinder - und vieles mehr. Diese Daten aber vertrauen wir sorglos Diensten an, die uns nichts kosten: E-Mail-Providern, Cloud-Anbietern, Sozialen Netzwerken. Diensten, von denen wir wissen, dass unsere Daten ihr Geschäftsmodell sind, dass sie nichts vergessen, was wir ihnen einmal anvertraut haben, und dass sie schon in der Vergangenheit unsere Daten und unsere Passwörter nicht vollständig gegen Hackerattacken schützen konnten.

Und dann ist da noch unser größter Feind: nein, kein Hacker, sondern unsere eigene Bequemlichkeit. Wie oft haben wir es schon gehört: Nehmt keine einfachen Passwörter! Wechselt die Passwörter regelmäßig! Und verwendet nie dasselbe Passwort für mehrere Dienste! Und? Hand aufs Herz - wie machen Sie es?

Wir müssen unser Verhalten ändern

Die Top-Ten der beliebtesten deutschen Passwörter führt nach einer Studie des Hasso-Plattner-Instituts der Uni Potsdam immer noch eine reine Ziffernfolge an: 123456. Auch "hallo“ und "passwort" als Passwort stehen immer noch ganz hoch im Kurs. Das ist nicht fahrlässig. Das ist schlicht dumm.

Jetzt rufen wieder einige nach dem starken Staat, nach schärferen Gesetzen und höheren Strafen. Doch würde das Hacker wie den 20-Jährigen aus Mittelhessen wirklich abschrecken? Ich glaube kaum. Ändern müssen vor allem wir uns - und unser Verhalten. Denn im Moment sind das größte Sicherheitsrisiko wir selbst.

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Sendung: hr-iNFO, 8.1.19, 16:10 Uhr

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