Anja Reschke

Als Moderatorin der ARD-Sendung Panorama und als Fernseh-Kommentatorin findet Anja Reschke deutliche Worte zur Lage Deutschlands. Dafür wurde sie schon mit einem Shitstorm überzogen. Und dennoch: Sie will weiterhin Haltung zeigen und ihre Meinung kundtun.

Als Anja Reschke im August 2015 in ein Fernsehstudio ging, um einen Kommentar für die Tagesthemen zu sprechen, dachte sie, sie würde über etwas Selbstverständliches reden: "Dass rassistischer Hass, dass Herabwürdigung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe nicht zu tolerieren ist". Sie wählte starke Worte, machte sich stark gegen Fremdenhass. Ihr Kommentar sorgte für Aufsehen und für sehr viele Reaktionen – sogar die Washington Post wollte ein Interview mit Anja Reschke. Inzwischen ist das Video des Kommentars im Netz fast 20 Millionen Mal abgerufen und tausendfach kommentiert worden.

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Es gab viel Zustimmung, aber die Moderatorin des ARD-Magazins Panorama wird seitdem auch beschimpft und bedroht. Dieses Abwerten einer Person sei "ja das, was wir eh gerade erfahren mit allen möglichen Minderheiten, die abgewertet werden – ob das nun Flüchtlinge sind oder bestimmte Gruppierungen, die nicht akzeptiert werden." Interessanterweise habe das eine Note gehabt von "'Entschuldigen Sie mal, Sie als Frau haben hier gar nichts zu sagen.'  Und deswegen ging das so sehr auf das 'Frau sein", so Reschke. Sie habe nicht gedacht, dass das im Jahr 2015 noch so ist.

Gedanken an Rückzug aus der Öffentlichkeit

Die Attacken - vor allem im Netz - gingen bis hin zu sexualisierten Gewaltphantasien. So heftig, dass Anja Reschke darüber nachdachte, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Sie hat es nicht getan: "Das ging ja nicht. Das ist ja mein Beruf. Auch zu moderieren und eben eine Haltung zu zeigen in der Öffentlichkeit. Und das ist auch in mir drin!" Wenn sie eingeknickt wäre, hätte sie ja jenen recht gegeben, die ihr Angst einjagen wollten, sagte sie. Reschke blieb stark und zeigt bis heute ihre Haltung. Nicht zuletzt deswegen wird sie in diesem Jahr mit dem renommierten Hans Joachim Friedrichs Preis ausgezeichnet: "Für Haltung ohne Arroganz, Toleranz ohne Beliebigkeit und Stehvermögen ohne Sturheit."

"Haltung zeigen!" ist auch der Titel eines kleinen Buches, das die 1972 in München geborene Journalistin veröffentlicht hat. Darin setzt sie sich mit innerer und äußerlicher Haltung auseinander, beschreibt ihre eigenen Erfahrungen und dass in der Geschichte für das Haltung-Zeigen nicht selten ein hoher Preis bezahlt werden musste – etwa bei den Geschwistern Scholl, die wegen ihres Widerstands gegen die Nazi-Diktatur hingerichtet wurden. 

"Wir leben sehr frei"

Am Ende aber bleibt die Überzeugung, dass es sich lohnt, Haltung zu zeigen. Das letzte Kapitel des Buchs heißt "Nur Mut". Ein Appell an die Gesellschaft? Sie habe versucht aufzuzeigen, was es bedeutet, Haltung zu zeigen - vor allem in aufgeregten Zeiten. Es gebe viele Menschen in Deutschland, die das machen - "auch Leute, die nicht so in der Öffentlichkeit stehen wie ich und das im Kleinen tun. Das ist im großen Maße sehr viel mutiger als das, was ich mache. Das finde ich bewundernswert", sagt Reschke. Man dürfe nicht vergessen, dass wir "sehr schön und sehr frei leben - in einem Land, in dem jeder seine Meinung sagen darf, man darf eine Versammlung machen, man darf demonstrieren und auch krasse Aussagen machen – das ist alles gedeckt von der Meinungsfreiheit." Deutschland sei ein Land, in dem die Menschen grundsätzlich sicher leben würden, auch wenn einige etwas anderes sagen: "Es ist ja hier nicht wie in Brasilien, wo ich zwei Blocks weiter nicht gehen kann, weil ich weiß, ich werde erschossen." In Deutschland könne man sich frei und sicher bewegen und das sei "ein großer Wert. Ich glaube, da muss man schon immer auch dran denken, dass das auch bewahrt werden sollte. Und da muss sich jeder überlegen: Was kann ich dafür tun?"

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 26.9.2018, 19:35 Uhr

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