Bundesaußenminister Maas und sein türksicher Amtskollege Mehmet Cavusoglu.
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und sein türkischer Amtskollege Mehmet Cavusoglu (v.l.). Bild © picture-alliance/dpa

Bundesaußenminister Heiko Maas trifft sich am Mittwoch mit seinem türkischen Counterpart Mehmet Cavusoglu. Kein einfaches Treffen, denn in den deutsch-türkischen Beziehungen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Tiefschläge.

Deutschland und die Türkei: das war schon immer eine spezielle Beziehung zweier Staaten. Nicht zuletzt wegen der rund drei Millionen Menschen türkischer Herkunft, die in Deutschland leben. Die politischen Beziehungen sind deshalb wichtig.

Doch im Februar 2008 gibt es einen Knacks. Recep Tayip Erdogan, damals Premierminister, kommt nach Köln, spricht im Wahlkampf vor mehr als 16.000 Landsleuten und Deutschtürken – und schlägt nationalistische Töne an. „Niemand kann von ihnen verlangen, sich völlig anzupassen. Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, so Erdogan. Es sind Sätze, die eine Diskussion darüber auslösen, was Integration heißt und was Assimilation.

Kritik von Gauck, Kritik an Gauck

Das deutsch-türkische Verhältnis ist seitdem zerbrechlicher geworden. Die Idee, die Türkei könnte der Europäischen Union beitreten wird erst mal auf Eis gelegt, zumindest von deutscher Seite, macht Außenminister Guido Westerwelle zwei Jahre nach Erdogans Köln-Auftritt deutlich.

In den Jahren danach wird das deutsch-türkische Verhältnis immer angespannter. Auch weil Erdogan sich und die Türkei verändert. 2014 steht er kurz vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten. Sein Machtanspruch ist unübersehbar, sein autoritärer Führungsstil auch. Bundespräsident Gauck erfüllt das mit Sorge und er sagt das bei seinem Besuch in der Türkei auch öffentlich. Erdogans Replik ist harsch: "Er hält sich wohl immer noch für einen Pastor. Das ist sein Blickwinkel. Aber das geht so nicht."

Der Völkermord an den Armeniern

Schlimmer geht immer. Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann verliest zwei Jahre später sein Schmähgedicht. Die Teile, in denen es um die sexuellen Vorlieben des Präsidenten geht, sind bis heute verboten. Böhmermann nennt das Kunst. Für die bilateralen Beziehungen ist es die bis dahin schwierigste Probe. Bis zum Juni 2016.

Der Deutsche Bundestag bezeichnet die Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern 1915 als Völkermord. Erdogan – inzwischen Präsident - schäumt. Die Schlagzahl der Tiefschläge nimmt danach sogar noch zu. Die Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel sorgt für eine weitere dipomatische Krise. Und weil türkische Politiker 2017 in Deutschland nicht für das türkische Verfassungsreferendum werben dürfen, holt Erdogan den Holzhammer raus. "Hör zu, Deutschland: Ihr habt mit Demokratie rein gar nichts zu tun. Eure gegenwärtige Praxis unterscheidet sich nicht von den Praktiken der Nazi-Ära", wettert Erdogan.

Die jüngsten Lichtblicke

Das sorgt für Verletzungen. Auch bei Kanzlerin Merkel persönlich. Doch sie braucht Erdogan als Partner in der Flüchtlingspolitik. Nazi-Vergleiche sind in den Wochen danach immer wieder aus der Türkei zu hören. Deniz Yücel sitzt weiter in Haft. Die Bundesregierung verschärft die Reisehinweise.

Zuletzt aber gab es Lichtblicke: Anfang des Jahres spricht Erdogans Außenminister Mehmet Cavusoglu von einem möglichen Neustart der Beziehungen. Deniz Yücel kommt im Februar frei und vor wenigen Wochen darf auch die deutsche Journalistin Mesale Tolu die Türkei verlassen. Das "schlimmer geht immer" der vergangenen Jahre könnte durchbrochen sein.

Sendung: hr-info, 05.09.2018, 16 Uhr

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