Ein Schild mit der Aufschrift "Dorfschänke" an einer Hauswand
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In Hessen sterben die Dorf-Gasthäuser aus. Das geht aus Zahlen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes hervor. Warum schließen immer mehr Gasthäuser und mit welchen Problemen haben die Wirte auf dem Dorf zu kämpfen?

Männerstammtisch in der heimischen Gaststätte oder gemütliche Skatrunden in der verrauchten Kneipe – das sind Bilder, die man immer seltener sieht. Der Hotel- und Gastronomieverband Hessen spricht vom sogenannten "Gasthaussterben".  Auch Dirk Wolf, Inhaber vom Gasthof zur Sonne in Kirchhain, kennt das Problem. Das Ausgehverhalten habe sich in den letzten Jahren stark verändert, sagt er: "Es ist ein riesen Freizeitangebot da in allen Bereichen und es wird sich heute auch privat mehr getroffen, wenn Sie sehen, wo grade ein Grill überall läuft, grade bei dem guten Wetter. Das geht natürlich der Gastronomie ab. Die Jüngeren gehen kaum noch in die Gastronomie und die Älteren sterben und so langsam weg."

Auch wenn Dirk Wolf immer wieder versucht, sein Angebot anzupassen – wirklich attraktiv scheint die Gaststätte für die Kunden nicht mehr zu sein. Und da ist er nicht allein. Waren es im Jahr 2002 noch rund 3000 Gaststätten in Hessen, sind es momentan schätzungsweise nicht mal mehr 1800, sagt der hessische Hotel- und Gastronomieverband. Das Hauptproblem vieler Gaststättenbetreiber ist, gutes Personal zu bekommen. Arbeit am Wochenende und an Feiertagen sei in der heutigen Gesellschaft nicht mehr attraktiv. Die Gaststätten stehen daher auch vor der Herausforderung, einen Nachfolger zu finden.

Betriebe müssen schließen

Dieses Problem beobachtet auch Gastwirt Dirk Wolf. Gab es vor wenigen Jahren allein in Marburg noch 60 Azubis, die vor ihrem Abschluss standen, sind es momentan noch 20, die Gastwirt werden wollen. In ganz Hessen würden deshalb selbst gut laufende Betriebe schließen, so Dirk Wolf: "Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil sich kein Nachfolger findet und auch oft die Betreiber einfach nicht mehr können. Die sind ausgepowert, sodass wirklich gut laufende Betriebe schließen. Und damit bricht auch ein Stück Kulturgut auf dem Land weg."

Der Dehoga-Verband rechnet außerdem bis 2025 damit, dass es bis zu 13 Prozent weniger Touristen in die Dörfer zieht. Das heißt: weniger Kundschaft für die Gaststättenbetreiber. Deshalb appelliert der Verband an die Politik und hofft auf Projekte, die dem Gaststättensterben entgegen wirken. Denn nur, wenn die Dörfer für Touristen und junge Menschen attraktiv bleiben, hätten auch die Gaststätten eine Überlebenschance.

Sendung: hr-iNFO, 26.6.18, 16:10 Uhr

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