Dashcam
Dashcam im Einsatz Bild © picture-alliance/dpa

Der Bundesgerichtshof hat geurteilt: Dashcam-Aufnahmen sind als Beweismittel begrenzt zulässig. In Russland werden sie von vielen Autofahrern schon genutzt - um sich bei Unfällen und gegen Polizeiwillkür zu schützen.

In Russland sind Dashcams so etwas wie eine freiwillige Notwendigkeit, zu sehen in den meisten Autos. Hinter der Windschutzscheibe mit einem Saugnapf angebracht, die einfache Ausführung für umgerechnet 100 Euro, die besseren doppelt so teuer, dafür umso kleiner. Genau wie das Anschnallen gehört bei Fahrtantritt das Starten der Kamera zur Pflicht. Da das Wort Dashcam nicht so recht in die russische Sprache passt, hat man die Bezeichnung Registrator erfunden.

"Ich denke man braucht das für seine eigene Sicherheit", sagt Pjoter Schkumtow. Er setzt sich für die Rechte von Autofahrern ein. "Wenn jemand einen Unfall provoziert, dann wird das festgehalten. Dann werden keine weiteren Beweise benötigt. Der Registrator gilt als Beweis. Früher ging das nicht, aber jetzt ist es so."

"Autofahren in Russland ist immer ein Risiko. Nirgendwo in Europa ist die Zahl der schweren Verkehrsunfälle so hoch wie in Russland, nirgendwo wird so brutal und rücksichtslos gefahren wie zwischen Wladiwostok und Petersburg", so Schkumtow. "Im letzten Jahr gab es in Russland eine Millionen Dashcams, in diesem Jahr sind es zwei Millionen. Alle Exzesse, die auf unseren Straßen passieren, werden so festgehalten. Der Staat würde das ganze am liebsten verbieten. Aber das gelingt nicht. Diese Versuche gehören in den Mülleimer."

Denn diese Dashcams sind auch ein Mittel gegen Polizeiwillkür. Auf manchen wurde festgehalten, wie irgendwo auf dem Lande Polizisten Autofahrer nur so willkürlich anhalten, um dann Geld zu kassieren. Oder Staatskarossen sind in schwere Unfälle verwickelt, die Schuld dabei wird sofort den anderen Verkehrsteilnehmern gegeben.

Mittel gegen Polizeiwillkür

Im kremlkritischen Fernsehen Doschd lief dazu ein Bericht: "Gestern wurde bekannt, dass eine Fahrerin mit dem Namen Olga Kuklina von einem Auto aus der Kolonne des Ministerpräsidenten gerammt wurde. Seine Sicherheitsleute sind rausgesprungen und haben sofort erklärt, Olga sei schuld." Die Sicherheitsleute, Angestellte des FSB, übten Druck auf die Fahrerin aus, dennoch konnte sie sich zur Wehr setzen, wie ihr Anwalt erklärte: "Die Dashcam war ihre einzige Chance. Ansonsten hätte sie nicht nur ihr eigenes Auto auf eigene Kosten reparieren müssen, sondern wäre für den gesamten Unfall, also auch für die Schäden an den anderen Autos, verantwortlich gemacht worden."

Olga Kuklina konnte sich vor Gericht durchsetzen. Die Videoaufnahme der Dashcam reichte den Richtern als Beweis aus. Man muss nur auf YouTube nachschauen, wie viele schlimme Verkehrsunfälle auf russischen Straßen so festgehalten wurden. Aber auch andere Ereignisse: Zum Beispiel als im Dezember 2016 über Teile Sibiriens ein wahrer Meteroitenregen niederging. Wundervolle Bilder, festgehalten von hunderten Dashcams, rein zufällig.

Sendung: hr-iNFO, 15.05.2018, 14.10 Uhr

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