Wanderer vor Alpenhütte
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Wanderer, Kletterer, Mountainbiker und Skifahrer haben meist zwei Dinge gemeinsam: die Liebe zum Berg und einen Mitgliedsausweis vom Deutschen Alpenverein. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Bergsport zu fördern. Und gleichzeitig, die Natur in den Alpen schützen. Eine Gratwanderung. Wie geht er dieses Ziel an?

Die Berge - romantisch und idealtypisch verklärte Alpenliebe im Kinderbuch 'Heidi' der Schweizer Autorin Johanna Spyri von 1880. Aus ebensolcher Liebe zum Berg hatte sich damals ein paar Jahre zuvor der Deutsche Alpenverein gegründet - im Gasthaus 'Zur Blauen Traube' in München am 9. Mai 1869. "36 braungebrannte zünftige Naturburschen hatten sich zum Ziel gesetzt, alle Verehrer der erhabenen Bergwelt zu vereinen. Zweck der Neugründung sei es, die Kenntnis von den deutschen Alpen zu erweitern und ihre Bereistung zu erleichtern", hieß es zur Gründung.

Mittlerweile reichen die Wege und Steige des DAV nach eigenen Angaben in den deutschen Alpen und Mittelgebirgen über 30.000 Kilometer weit. In den mehr als 320 Berg- und Schutzhütten schlafen im Jahr rund 800.000 Menschen und aus den 36 Gründungsmitgliedern sind mittlerweile knapp 1,3 Millionen Mitglieder geworden.

"Es lohnt sich, für die Alpen zu kämpfen"

Das macht den DAV zum größten Bergsportverband der Welt. Und zum Ziel von Kritik: Jahrelang hieß es, der DAV locke immer mehr Menschen in die Berge – auf Kosten der Natur. Seit 2005 aber ist der Alpenverein bundesweit offiziell anerkannter Naturschutzverband – und besinnt sich seitdem wieder verstärkt auf den Naturschutz. Zum 150. Bestehen mit einer großen Kampagne zur Rettung der Alpen – das Motto: "Die Alpen sind schön. Noch. Es lohnt sich, dafür zu kämpfen".

Doch für den DAV bleibt es eine Gratwanderung zwischen Bergsport und Naturschutz: Die 356 Sektionen bundesweit organisieren jedes Jahr hunderte Bergtouren und zehntausende Wander- und Kletterevents. Da wird allein die An- und Abreise der Bergbegeisterten zur ernstzunehmenden CO2-Belastung. Der Vorwurf der Doppelmoral ist so schnell zur Hand, wenn sich die durch ihre Größe und die guten Kontakte politisch einflussreiche Lobbyorganisation bei Tourismusvorhaben quer stellt. Oft erfolgreich wie etwa beim  Neu- oder Ausbau von Skigebieten wie am Riedberger Horn im Allgäu.

Zwischen Zielsetzung und Kritik

Seine politische Macht will der DAV zielgenau einsetzen – so heißt es auf der Internetseite: "Der DAV vertritt als 'Anwalt der Alpen' den Lebensraum vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Erklärtes Ziel ist, die Bergwelt als Erholungsraum zu bewahren, naturverträgliches Bergsteigen zu fördern und die natürlichen Ressourcen der Alpen zu schonen".

Weiteres Ziel des DAV ist es, Klettern als Sport zu fördern. Genau wie der Betrieb und Erhalt der DAV-Wege und -Hütten läuft das viel über die knapp 27.000 Ehrenamtlichen im Verein. Aber auch mit Festangestellten: Der Alpenverein betreibt in ganz Deutschland mehr als 200 Kletterhallen. Die sind immer wieder mal in der Diskussion: Kommerzielle Mitbewerber fühlen sich benachteiligt und stellen in Frage, ob diese Vereinsangebote mit Steuergeldern gefördert werden dürfen. Vor Gericht kommen sie mit dem Vorwurf des Vermischens von Kommerz mit Vereinssport bislang aber nicht durch.

"Mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit"

Und dieser Bereich des Vereinssports wird 2020 erstmals olympisch: Der DAV trainiert offiziell die deutschen Sportkletterer – auch die, die in Tokio für Deutschland antreten werden. Matthias Keller, zuständig für den Leistungssport beim Alpenverein, freut sich in einem DAV-Werbefilm zu 'Tokio 2020', dass sich das Sportklettern verbreitet: "Der Boom im Breitensport bringt mehr Kletterer, das heißt für uns, auch mehr potenzielle Talente, die wir in den Leistungssport bringen können und mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Von daher ist das für uns als Verband natürlich ein super Szenario".

Was den größten Bergsportverband der Welt vermutlich künftig noch größer machen wird. Bereits seit den vergangenen Jahren wächst der DAV entgegen des allgemeinen Trends in der deutschen Vereinslandschaft: allein 2018 mit gut 50.000 neuen Mitgliedern.

Sendung: hr-iNFO, 09.05.2019, 06:10 Uhr

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