Walter Lübcke starb im Alter von 65 Jahren.

Anfang Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke erschossen. Die Spur des Täters führt ins rechtsextreme Milieu. Am Mittwoch geht es im Bundestag und im Hessischen Landtag um die parlamentarische Aufarbeitung des Falls. Was ist bislang bekannt? Eine Zusammenfassung.

Ein Schock für die Region: Es ist Kirmeswochenende in Istha, mehr als 2.000 Besucher haben nur unweit des Hauses von Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke ausgelassen gefeiert. Sehr schnell wird klar, dass hier ein Verbrechen geschehen sein könnte.

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Erste Verhaftung und Entlassung

Tagelang sind Spurensucher des Landeskriminalamtes im Einsatz, Ermittelt wird im privaten Umfeld des Opfers. Noch schließt die Polizei eine politisch motivierte Straftat konsequent aus. Die Anwohner sind verunsichert.

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In Wiesbaden und Berlin kommt am Mittwoch der jeweilige Innenausschuss zusammen, um mehr über die Hintergründe des Mordes und über die Ermittlungen zu erfahren. In Wiesbaden ist der hessische Innenminister Peter Beuth für die Auskünfte an die Opposition zuständig.

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Dann die Meldung aus Niedersachsen: Ein Dorfbewohner ist bei einem spektakulären Einsatz auf einer Nordseefähre im Hafen Harlesiel verhaftet worden. Die Emotionen und Spekulationen schlagen hohe Wellen.

Doch dann genau so schnell die Entwarnung durch den Sprecher der zu diesem Zeitpunkt noch leitenden Ermittlungsbehörde, der Staatsanwaltschaft Kassel: "Die Person wurde nach Kassel gebracht, um vernommen zu werden, um Informationen zu erlangen", sagt Andreas Thöne.

Spur führt in die rechte Szene

Irgendwie macht sich der Eindruck breit, die ermittelnden Behörden treten auf der Stelle. Thöne hält dagegen: "Mit der Entlassung der Person ist es nicht so, dass die Ermittlungen wieder auf den Stand Null zurückgesetzt werden, sondern wie auch schon von Beginn an kommuniziert, ermitteln wir in alle Richtungen."

Mit einer bewegenden Trauerfeier verabschieden sich ein paar Tage später in der Kasseler Martinskirche Freunde und Weggefährten von Walther Lübcke. Eine konkrete Spur scheint es immer noch nicht zu geben. 15 Tage nach dem Anschlag dann eine neue Spur und die führt in die rechte Szene Kassels: Stephan E. wird festgenommen. DNA-Spuren haben auf die Spur des in der rechten Szene bekannten 45-Jährigen geführt.

"Eine Nachahmertat des NSU"

Der Generalbundesanwalt übernimmt die Federführung im Fall, teilt der Sprecher der Behörde mit. Für Herbert Schaus, ehemaliges Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses, keine Überraschung: "Wir wissen, dass er extrem gewalttätig ist; dass er in der Szene vernetzt ist; dass er in der NDP, in Anti-Antifa, in den Kameradschaften tätig war. Also für mich ist diese Tat – Kopfschuss – eine Nachahmertat des NSU."

Es wird weiter ermittelt. Nun vor allem in der rechten Szene. Weitere Zeugen tauchen auf. Wohnungen werden durchsucht, Fahrzeuge gesichert. Gut eine Woche nach seiner Festnahme gestreht Stephan E. die Tat. Nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) habe er angegeben, als Einzeltäter gehandelt zu haben. Damit sei die Aufklärung des "politischen Mordes" aber noch nicht abgeschlossen, fügte der Innenminister hinzu.

In Kassel und Wolfhagen machen nun die Gegner der rechten Szene mobil. Die Hassreden und Mails im Netz, mit denen sich Lübcke schon seit Jahren auseinander setzen musste, gehen auch nach seinem Tod weiter. Nun reagieren neben der Staatsanwaltschaft auch Politik und Gesellschaft. Auf Gedenkfeiern machen Tausende aller Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten klar, "dass dieser Rechtsruck, der ja in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, ein NoGo ist."

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