Das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration in Berlin

Viele Menschen haben sich in den vergangenen Jahren mit Migration beschäftigt. hr-iNFO hat sich angeschaut, wie die Integration von Zugewanderten in Deutschland funktioniert – und an welcher Stelle es noch hapert.

Jobcheck – Wie gut kommen Flüchtlinge im Arbeitsmarkt an?

Von Birgitta Söling

Am Anfang unkten Fachleute, es werde 20-25 Jahre dauern, die vielen Geflüchteten in den Arbeitsmarkt in Deutschland zu integrieren. Inzwischen zeigt sich, dass es schneller geht als vorhergesagt. Im Herbst dürften ungefähr 40 Prozent der Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter einer Beschäftigung nachgehen, prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung.

In Hessen sind laut den jüngsten Zahlen der Bundesagentur der Arbeit inzwischen über 33.000 Menschen aus nicht-europäischen Asylherkunftsländern wie Afghanistan, Eritrea, Syrien oder Somalia sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ein Drittel mehr als im Vorjahr

Aus Geflüchteten Fachkräfte zu machen, die viele Unternehmen dringend suchen: Dabei ist Sprache die größte Herausforderung - und zwar nicht alleine das Sprachlevel, sondern die Fachsprache in den Betrieben. Fachleute schlagen deshalb vor, die Ausbildung von Geflüchteten von drei auf vier Jahre zu verlängern.

Kriminalitätscheck – Sind Zuwanderer wirklich krimineller als andere?

Tobias Lübben

Eine Botschaft war Landespolizeipräsident Udo Münch besonders wichtig, als er Anfang des Jahres die Kriminalitätsstatistik in Hessen vorstellte: "Der Zuwanderer ist genauso viel oder wenig kriminell wie der Deutsche." Schaut man auf die Zahlen, kann man die Aussage nicht gleich nachvollziehen.

Mit Zuwanderern ist eine Untergruppe der Ausländer gemeint, nämlich jene, die als anerkannte oder geduldete Asylsuchende hier leben. Das sind in Hessen etwa 150.000 Personen – also rund 2,5 Prozent der Bevölkerung. Auf sie entfallen aber rund fünf Prozent aller Straftaten, die im vergangenen Jahr registriert wurden. So gesehen sind Zuwanderer doppelt so kriminell wie Deutsche.

Diese Rechnung ist laut der Landespolizei aber zu simpel. Zum einen verzerrten einzelne Intensivtäter das Bild, zum anderen würden Delikte wie Sexualdelikte, Totschlag und Körperverletzung vor allem von jungen Männern begangen. Dass es unter Zuwanderern verhältnismäßig viele Männer gibt, erkläre ihren hohen Anteil in diesen Deliktfeldern.

Die Kriminologische Zentralstelle in Wiesbaden vermutet hingegen, dass auch kulturelle Normen eine Rolle spielen – etwa bei Messerangriffen. Rund 1.200 Angriffe mit Stichwaffen registrierte das hessische Landeskriminalamt im vergangenen Jahr. Und in mehr als der Hälfte der Fälle war der Tatverdächtige ein Ausländer. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil waren vor allem Afghanen überrepräsentiert – etwa um das 14-Fache.

Allerdings würden die hiesigen Normen schnell übernommen – eine erfolgreiche Integration der Zuwanderer vorausgesetzt. Die aktuellsten Zahlen weisen schon in diese Richtung: Laut Bundeskriminalamt haben Zuwanderer im ersten Quartal dieses Jahres sechs Prozent weniger Straftaten begangen als im Vorjahreszeitraum. Die Kriminalität durch Zuwanderer ist demnach ebenso rückläufig wie die Kriminalität gegen Zuwanderer. Das BKA hat zuletzt wieder weniger Übergriffe auf Asylunterkünfte registriert als noch 2014.

Kostencheck – Wie viel Geld gibt Deutschland für die Flüchtlingshilfe aus?

Von Selina Rust

23 Milliarden Euro hat der Bund im vergangenen Jahr für Flüchtlings- und Integrationshilfe ausgegeben. Das sind zwei Milliarden mehr als noch im Jahr 2017. Der größte Einzelposten dieser Rechnung ist die Bekämpfung der Fluchtursachen. Deutschland unterstützt afrikanische Staaten mit knapp acht Milliarden Euro, damit weniger Menschen die gefährliche Flucht über das Mittelmeer antreten.

Den Bundesländern und Kommunen hat der Bund zudem 7,5 Milliarden Euro für Kinderbetreuung, Unterkunftskosten oder Asylbewerberleistungen bereitgestellt. Obendrauf kommen Ausgaben für Integrationsleistungen und Unterstützung für Menschen ohne Arbeit.

Ob die 23 Milliarden Euro aber tatsächlich komplett in die Flüchtlingshilfe geflossen sind, bezweifelt zumindest das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Als Beispiel dient die Kinderbetreuung. Wird diese finanziell gefördert, kommt das nicht nur Flüchtlingskindern zugute. Auch vom sozialen Wohnungsbau profitieren nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Geringverdiener.

Auf der anderen Seite muss die Einnahmen-Seite in die Kostenrechnung eingerechnet werden. Wenn Zuwanderer eine Arbeitsstelle haben, dann zahlen sie Steuern und in die Rentenkasse und das Sozialsystem ein. Am Ende könnten diese Einnahmen die Ausgaben für die Flüchtlingshilfe auf Sicht gesehen wieder ausgleichen, so das DIW. Heute sei bereits mehr als ein Drittel der Flüchtlinge berufstätig.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.9.2019, 15-18 Uhr

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