Biene im Anflug auf Kirschblüten

Die Biene ist heute ein beliebter Werbeträger geworden – quasi ein Symbol für den Umwelt- und Artenschutz. Und auch die Politik setzt auf die Biene. Wie glaubwürdig ist das alles?

Schon seit Menschengedenken dient das kleinste aller Nutztiere als Symbol für alles Gute in der Welt: für Fruchtbarkeit und Heilkraft, Gemeinschaftssinn und Fleiß, für Überfluss und die Freuden der Liebe. Die Biene Maja ist sicher die populärste Vertreterin des Bienenvolkes, erfunden vor über 100 Jahren von Waldemar Bonsels.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Die Biene als Marketing-Objekt

Momentaufnahme Biene Blume
Ende des Audiobeitrags

Für die alten Ägypter waren die Bienen aus den Tränen des Sonnengottes Re entstanden. Die Biene wurde als ein Wesen verehrt, das die für die Mumifizierung nötigen Stoffe Wachs und Honig erzeugte. Die Antike sah in der Biene ein Symbol der Fruchtbarkeit und Erotik, und den Honig als Lock und Süßstoff der Liebe. Allerdings wurde nur die Honigbiene verehrt, nicht ihre zigtausend Artgenossen wie die Mauerbienen oder die Hummeln. "Nur diese staatenbildende, honigproduzierende, wachsproduzierende Honigbiene hat den Menschen fasziniert", sagt der schweizer Bienenkundler Ralph Dutli. "Dieses Schauspiel eines Staatswesens, an dessen Spitze eine Königin steht, die übrigens jahrtausendelang für einen König gehalten wurde." Erst im 17. Jahrhundert stellte ein holländischer Forscher fest, dass der Bienenkönig Eierstöcke hat.

Es bewegt sich etwas auf Landesebene

Heute ist die Honigbiene für viele das Symbol für den Schutz der Umwelt geworden – und das nicht nur von den Grünen. Als der bayrische Landtag im Juli ein Gesetzespaket für mehr Artenschutz verabschiedete, trat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betont umweltbewusst auf: "Jede Maßnahme dient dem Effekt, den Artenschutz voranzubringen, alle mitzunehmen, um am Ende mit diesen Herausforderungen der Zeit und der Zukunft zu bestehen".

Monate zuvor hatte die CSU das Volksbegehren 'Rettet die Bienen' noch bekämpft – mehr als 1,7 Millionen Bürger in Bayern hatten es unterschrieben und den Landtag damit gezwungen, sich mit dem Artenschutz zu beschäftigen. Mit Erfolg: In den kommenden Jahren sollen in Bayern etwa Gewässer besser vor Pestiziden geschützt werden. Andere Bundesländer ziehen nach. In Hessen hat die Ökologisch-Demokratische-Partei (ÖPD) eine Initiative zum Artenschutz zumindest ins Gespräch gebracht. In Baden-Württemberg sind die Naturschützer schon weiter. Sie wollen etwa den mit Pestiziden belasteten Flächenanteil bis 2025 halbieren.

Biene als Flaggschiffart ungeeignet

Der Schutz der Biene als Lebensgefühl ist inzwischen weit verbreitet in der Gesellschaft. Doch ist das geringelte Insekt überhaupt geeignet als Botschafter für die Vielfalt der bedrohten heimischen Insekten, wie es oft zu hören ist? War das vor einiger Zeit noch der Pandabär, scheint die Honigbiene ihn als Flaggschiffart für den Tierschutz abgelöst zu haben. "Flaggschiffarten sind Arten, die im Allgemeinen für den Naturschutz positive Signale auslösen - so was wie der Tiger, das Nashorn, der Elefant oder der Panda", sagt Jürgen Gross vom Julius-Kühn-Institut Dossenheim.

Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Angewandte Entomologie, einem der renommierten Fachverbände für Insektenforschung. Gross sagt allerdings, die Honigbiene sei als Flaggschiff eigentlich ungeeignet, weil sie ein Nutztier sei, während alle anderen Insekten wild vorkämen. "Die Honigbiene muss man aber nicht retten, sie ist in trockenen Tüchern - da kümmert sich eben der Bauer drum, und der Bauer ist beim Fall der Biene der Imker." Die Honigbiene als Flaggschiff für den Insektenschutz - für den Insektenforscher sei das so, als werbe man mit Perserkatzen für den Tigerschutz.

Besser die Biene im Fokus als gar kein Insekt

Gross empfiehlt daher, anstelle von Honigbienen andere Insekten in den Blick zu nehmen, denen es schlechter gehe: "Schmetterlinge sind als erstes zu nennen. Die Tagfalter, da sind viele Arten, die gehen stark zurück". Es gebe auch Fliege oder Käfer, die bestäuben. "Wenn die Honigbiene verschwindet, wird keine einzige Wildpflanze aussterben, solange die anderen Bestäuber noch da sind", so Gross. Nichts desto trotz könnten Maßnahmen zum Wohle der Bienen auch anderen Insekten zugute kommen. Getreu dem Motto: Besser die Biene im Fokus als gar kein Insekt.  

Auch die Politik hat längst erkannt: Die Biene ist nicht nur nützlich für Umwelt und Natur, sondern auch für gute Wahlergebnisse. Zwischen den Parteien herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, was für die Tiere konkret getan werden soll – und wie groß mögliche Einschränkungen für die Landwirtschaft ausfallen. Im Fokus steht der Einsatz von Pestiziden – viele Mittel gelten als bienenschädlich.

Einfach verbieten können die Länder den Gebrauch aber nicht – denn das ist Sache des Bundes und der Europäischen Union. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) versprach in ihrer Antrittsrede im Bundestag vor knapp anderthalb Jahren: "Ich werde gemeinsam mit der Landwirtschaft und mit den europäischen Partnern eine Lösung finden. Was für die Biene schädlich ist, muss weg vom Markt, sonst sind irgendwann alle anderen weg vom Markt". Noch ist Klöckner allerdings weit davon entfernt, dieses Versprechen auch einzulösen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 06.08.19, 6-9 Uhr

Jetzt im Programm