Gymnasium
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Auf welche Schule soll das Kind nach den Sommerferien gehen? Der Ansturm auf die Gymnasien ist nach wie vor ungebrochen. Schulen organisieren Tage der offenen Tür und Eltern und Schüler entscheiden, was die Schule ihrer Wahl wäre. Aber längst nicht jeder bekommt auch einen Zuschlag von der Wunschschule.

Nur fünf Minuten Fußweg von zu Hause entfernt in Frankfurt Eckenheim lag Jasmins Grundschule. Doch die Grundschulzeit ging im letzten Sommer zu Ende. Jasmin - eine gute Schülerin - sollte aufs Gymnasium. Zwei Schulen hatten ihre Eltern als Wunsch angegeben – beide sehr beliebt und mit Bus und Bahn gut zu erreichen. Doch dann die große Enttäuschung: Jasmin bekam einen Platz an einer ganz anderen Schule zugewiesen – am anderen Ende der Stadt.

An das neue Gymnasium am Römerhof in Frankfurt Bockenheim - von Eckenheim aus eine Odyssee für die damals noch 10-Jährige, erzählt Mutter Nahid Zare. "Sie haben gesagt, man kann den Bus nehmen und mit dem fährt man über Hauptbahnhof und Galluswarte und von der Galluswarte gibt es einen Shuttlebus, der die Kinder dann zur Schule bringt und zurück", sagt sie. "Mehr als eine Stunde hätte es gedauert, alleine der Weg dahin und dann wieder zurück."

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Im Sommer wechseln etwa 55.000 Schüler in Hessen von der Grundschule auf weiterführende Schulen. Dabei hat sich ein Trend fest etabliert: Etwa 50 Prozent wechselt aufs Gymnasium, knapp 20 Prozent auf eine integrierte Gesamtschule, 13 Prozent auf Realschulen, 13 Prozent auf Förderstufen und nur zwei Prozent auf Förder- oder Hauptschule.

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Das kam für Familie Zare nicht in Frage. Auch Jasmin selbst wollte nicht jeden Tag so lange pendeln. Ihre Mutter versuchte noch, eine andere Lösung zu finden - vergeblich. "Ich hab in Schulen in der Nähe nachgefragt, ob die denn noch Plätze frei haben", sagt Nahid Zare. Auch das Staatliche Schulamt sei keine Hilfe gewesen.

Viel Energie und Kraft

Schüler mit Schulranzen
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Die Familie fühlte sich allein gelassen, rechtliche Schritte gegen die Zuweisung wollen sie nicht einlegen - zu groß der Stress und die Verunsicherung. "Wir müssen auch gucken, dass wieder Frieden zu Hause ist", sagt Nahid Zare. "Alle Freunde wissen ganz genau, wohin. Die wollen in der Grundschule Abschied feiern und die wollen wissen: Und wo gehst du hin und so weiter, und wir wissen immer noch nicht wohin. Das war wirklich schwierig, unruhig. Das hat uns viel Energie und Kraft gekostet."

Jasmin und ihre Eltern sind nicht allein. Jedes Jahr bekommen zahlreiche Grundschüler in Frankfurt einen Platz an einer weiterführenden Schule zugewiesen, die sie sich nicht ausgesucht haben. Die Nachfrage vor allem nach bestimmten beliebten Gymnasien ist groß. Die neue Schule am Römerhof gehört nicht unbedingt dazu. Sie wurde erst im August 2018 eröffnet – übergangsweise in Containern. "Mehr als die Hälfte hatte die Schule gewählt, ein großer Teil ist zugewiesen worden", sagte Leiterin Judith Prager am Tag der offenen Tür am vergangenen Wochenende über die ersten Schüler. "Aber die fühlen sich inzwischen sehr wohl und haben sich auch mit dem Weg arrangiert."

Länge des Schulwegs als Hauptkriterium

Am Tag der offenen Tür informiert sich auch Eniser Hiseni für ihren Sohn. Sie wohnen in der Nähe, die Römerhof-Schule liegt für sie günstig. "Für uns von der Umgebung her eine der näheren", sagt sie, "und im Sommer gut zu erreichen mit dem Bus oder mit dem Fahrrad vor allem. Deswegen sind wir hier, um uns die anzuschauen."

Die Länge des Schulwegs ist für die meisten Eltern ein sehr entscheidendes Kriterium. So auch für Jasmins Familie. Sie hat inzwischen eine Lösung für sich gefunden, wenn auch eine sehr aufwendige. Jasmin geht jetzt in Bad Vilbel aufs Gymnasium. Zunächst sind Mutter und Tochter umgezogen. Das erste halbe Jahr haben sie noch bei Freunden im Haus eine Wohnung gemietet. Jetzt haben sie selbst ein Haus in der Nähe gekauft. In zwei Monaten zieht die ganze Familie um.

Sendung: hr-iNFO, 12.02.2019, 07:10 Uhr

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