Windkraftanlage in einem Wald bei Raibach (Darmstadt-Dieburg)

Die Windkraft soll entscheidend zur Energiewende beitragen. Aktuell werden jedoch immer weniger Anlangen in Betrieb genommen, denn die Genehmigungsverfahren ziehen sich in die Länge, Bürgerproteste und Klagen nehmen zu - auch in Hessen. Zum Beispiel am Diemelsee

Am Diemelsee werden zurzeit neue Windräder aufgestellt, zuvor wurden alte Anlagen abgebaut. Es ist eines der wenigen Projekte, die es dieses Jahr überhaupt in Hessen gibt. Doch viele Bürger sind dagegen. "Zum einen ist es das Übermaß, die Rücksichtslosigkeit der Planung, auf Einsprüche der Menschen so gut wie gar nicht zu reagieren", sagt Heinrich Hain, Sprecher einer Initiative gegen Windkraftanlagen im Bereich Diemelsee. "Die Naturschutzregeln sollen weiter geschleift werden, so dass man noch mehr Windräder bauen kann - wir haben aber momentan schon 30.000 Anlagen in Deutschland, und man muss dann irgendwann auch erkennen, dass es Grenzen in diesem Bereich gibt."

Auf den Höhenzügen stehen rund 70 Windkraftanlagen.  Nach Jahren des "Ja" zur Windkraft reiche es jetzt, erklärt auch Bürgermeister Volker Becker: "Über Jahrzehnte gab es da keinen Widerstand, im Gegenteil: Man hat sich da sehr positiv ausgesprochen, aber wir wollen eben einen Bereich frei haben von Windkraft und dafür werden wir uns auch einsetzen."

Widerstand gegen weitere Bebauung

In Waldeck-Frankenberg haben sich verschiedene Bürgerinitiativen zur "Wind-Veto" zusammengeschlossen, gegen den Bau weiterer Anlagen. "Speziell für den Bereich Nord-Waldeck: Sechs Prozent der Fläche sind hier schon beplant", konstatiert Heinrich Hain. "Für uns ist jedes zusätzliche Windrad nicht akzeptabel. Für uns ist an dieser Stelle Schluss und wir werden entsprechenden Widerstand organisieren, dass es zu keiner weiteren Bebauung von Windrädern in unserer Region kommt."

Die Argumente: Die Schädigung der eh schon leidenden Wälder, denn immer mehr Anlagen sollen auf bewaldete Höhen. Dazu Stress, Belastung für Tier und Mensch. Zudem: Die Energiewende allein mit regenerativer Energie sei nicht möglich.

Hohe Auflagen, kaum Genehmigungen

Doch bei Adorf baut ABO-Wind aus Wiesbaden zwei neue Anlagen. Mit Rotorblättern 200 Meter hoch, 6,6 Megawatt die Leistung insgesamt - im Austausch für fünf Ältere. Die Genehmigung für Repowering liege schon länger vor, so das Mitglied der Geschäftsleitung Alexander Koffka: "Man muss trotzdem das komplette Genehmigungsverfahren absolvieren, man muss die gleichen Studien machen, die gleichen Umweltverträglichkeitsprüfungen. Man muss schauen, ob dort der Rotmilan brütet oder der Schwarzstorch entlang fliegt und das auch an Standorten, die schon über viele Jahre für Windkraft genutzt werden."

In Hessen wurde in diesem Jahr bisher nur Anlage genehmigt, beklagt auch Stefan Kieweg von der Gesellschaft für erneuerbare Energien VEW in Waldeck-Frankenberg: "Das Problem, das wir wie auch die gesamte Branche sehen, ist, dass sich die Genehmigungsbehörden zusehends schwerer tun."

Hoffen auf Landesregierung

Die VEW würde nur zu gern auch in Diemelsee eine neue Anlage bauen, dafür im Gegenzug bis zu sieben alte abbauen. Doch die maximal 200 Meter für die Anlagenhöhe würden deutlich überschritten. Darum ein "Nein" von Seiten der Gemeinde. Die beklagt wie auch der Ferienort Willingen die Planung weiterer Anlagen.

Anders als einige Anlagen-Hersteller ist der hessische Projektentwickler ABO-Wind noch nicht in wirtschaftliche Schräglage geraten. Doch der Gegenwind nerve schon, so die Geschäftsführung, und zeigt auch auf die Hessische Landesregierung. "Eigentlich müssten wir jedes Jahr 5.000 Megawatt Windkraft ans Netz bringen, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen - das entspricht mehr als 1.000 Windkraftanlagen, die jedes Jahr hinzukommen müssten", so ein Abo-Wind-Bereichsleiter Koffka. "Das heißt, hier muss die Landesregierung dringend aktiv werden."

 Sendung: hr-iNFO Aktuell, 05.09.2019, 6 bis 9 Uhr

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