Kriegsschiffe nehmen an einer griechisch-amerikanischen Militärübung südlich der Insel Kreta teil

In der Ägäis droht ein bewaffneter Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei: Die beiden Länder streiten über Erdgas-Vorkommen im östlichen Mittelmeer. Mal wieder. Seit Jahrzehnten gibt es immer wieder ähnliche Konflikte. Wir erklären, wie dieser Dauerstreit entstanden ist.

Vor fast 25 Jahren, 1996, kommt es im Mittelmeer fast zum Krieg zwischen Griechenland und der Türkei. Die beiden Staaten streiten nach der Havarie eines Frachtschiffes um zwei unbewohnte Felseninseln in der östlichen Ägäis. Ein alter Streit um die Seegrenzen entbrennt aufs Neue. Auf Videoaufnahmen von damals ist zu sehen, wie einige Menschen stolz auf einer der umstrittenen Inseln stehen. Sie schwenken die griechische Flagge und singen die Nationalhymne ihres Landes.

Bodenschätze und nationale Identitäten

Im Streit zwischen der Türkei und Griechenland geht es nicht nur um Bodenschätze wie Gas oder Öl, sondern auch um nationale Identitäten. Nirgendwo wird dieser Konflikt so deutlich wie auf der Mittelmeer-Insel Zypern. Sie ist seit 46 Jahren geteilt. Die Türkische Republik Nordzypern ist international zwar nicht anerkannt, doch de facto von Zypern getrennt – durch eine Grenze, Stacheldraht  und Wachtürme. Immer wieder hat es erfolglose Versuche gegeben, die Insel zu vereinen - zuletzt vor drei Jahren in der Schweiz.

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Ein kleines Kapitel in einem Jahrzehnte-alten Konflikt. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs sind die Grenzen im östlichen Mittelmeer immer wieder umstritten. Verträge wie etwa das Abkommen von Lausanne (1923) sollen die Verhältnisse regeln, doch sie werden immer wieder angezweifelt - aktuell vom türkischen Präsidenten Erdogan. Seit bekannt ist, dass im östlichen Mittelmeer wertvolle Rohstoffe liegen, hat der Streit um Territorien an Schärfe zugelegt – es geht um Macht, aber vor allem auch ums Geld.

Viele Länder wollen mitreden

Die linke EU-Abgeordnete Özlem Demirle weist im Interview mit dem Deutschlandfunk darauf hin, das betreffe nicht nur Griechenland und die Türkei: "Auch viele andere Länder sind hier beteiligt, weil in dieser Region im östlichen Mittelmeer einfach große Gasvorkommnisse vermutet werden. Und wie Sie wissen, gibt es immer wieder militärische Konflikte, die eben leider nicht immer orientiert sind an Menschenrechten oder den Interessen der Bevölkerung, sondern daran, welche Länder, welche Öl-Konzerne Zugriff auf Öl oder Gas haben." Auch Libyen, Ägypten oder Israel wollen mitreden, wenn es um die Verteilung der Rohstoffe geht.

Über die Jahrzehnte drohte der Streit zwischen Griechenland und der Türkei immer wieder zu eskalieren. Er hat immer neue politische Dimensionen erlangt. Hier stehen sich schließlich zwei NATO-Partner gegenüber. Griechenland ist Mitglied der Europäischen Union, die Türkei nicht. Doch ist die EU auf die Zusammenarbeit mit Präsident Erdogan angewiesen, vor allem, wenn es um die Flüchtlingspolitik geht. Für die internationale Gemeinschaft bedeutet das Säbelrasseln im Mittelmeer einen diplomatischen Drahtseilakt.

 Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.8.2020, 15 bis 18 Uhr

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