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Bild © Linda Schöpe

An manchen Stellen kommt der deutsche Wald noch ziemlich urtümlich daher. Doch so alt, wie man denkt, ist er gar nicht immer. Denn viele Bäume wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt. Doch auch schon in den Jahrhunderten davor unterlag der Wald einem stetigen Wandel.

Deutschland in der mittleren Steinzeit: Das Klima hatte mehrere Millionen Jahre lang natürlicherweise stark geschwankt. Nun waren die Eiszeiten überwunden. Es wurde wärmer und feuchter, es wuchs wieder mehr Wald. Urwald, in dem Eichen, Linden und Ulmen dominierten. Nachdem es nochmals abkühlte, kamen auch Tannen und Buchen. Der Mensch wurde sesshaft und in der Eisenzeit begannen die Kelten als erste, die Wälder intensiv zu nutzen.

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Auch die Römer griffen in den deutschen Wald ein, etwa um den über 500 Kilometer langen Limes zu bauen. Zum regelrechten Verhängnis wurden dem Wald aber erst das Mittelalter: Im frühen Mittelalter rodeten die Menschen vor allem Wälder nahe ihrer Siedlungen, um die Landwirtschaft voranzutreiben. Im Hochmittelalter wurde der Landausbau erweitert, neue Siedlungen wurden errichtet und der Urwald endgültig erschlossen.  Das Schicksal des deutschen Waldes war besiegelt. Er wurde zur Kulturlandschaft.

Holz als Brennstoff und für den Wiederaufbau

Eine Verschnaufpause verschaffte ihm das 17. Jahrhundert. Infolge des 30-jährigen Krieges hatte sich die Bevölkerung selbst so stark geschwächt, dass sie dem Wald weniger Schaden zufügen konnte. Der Niedergang des naturbelassenen Waldes nahm aber bald schon wieder an Fahrt auf. Es wurde abgeholzt, was der Wald hergab.

1713 dachte Hans von Carlowitz erstmals an Nachhaltigkeit. Er forderte unter anderem: Für jeden gefällten Baum müsse ein neuer gepflanzt werden. Den Kahlschlag stoppen konnte er trotzdem nicht. Zu wichtig war Holz als Brennstoff. Um 1800 waren in Deutschland kaum noch geschlossene Wälder vorhanden. Um Holznot abzuwenden, wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts wiederaufgeforstet, meist mit robusten Arten wie der Fichte. Sie wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg wichtig, um den Holzbedarf für den Wiederaufbau zu decken.

Klimawandel setzt dem Wald zu

1984 alarmierte der Waldschadensbericht Deutschland, die Luftverschmutzung verursachte ein Waldsterben. Schuld waren vor allem Schwefelverunreinigungen aus Abgasen – sie reagieren in der Atmosphäre zu Säuren. Was folgte, war saurer Regen. Vor allem Wälder höherer Lagen litten. Umweltschutzmaßnahmen verhinderten Schlimmeres. Trotzdem wird bis heute diskutiert, wie verheerend der saure Regen wirklich war. Teils wurde und wird es als reines Medienphänomen etikettiert.  

Heute sind in Deutschland über elf Millionen Hektar bewaldet, Tendenz steigend. Der Großteil der Bäume steht in Reih und Glied in einem der vielen bewirtschafteten Landstücke. Der deutsche Durchschnittswaldbaum ist 77 Jahre alt. Am häufigsten sind Fichten. Sie stehen auf einem guten Viertel der Waldfläche. Geschätzt werden sie als ideale Holzlieferanten.

Doch Fichten leiden besonders unter dem Klimawandel. Und da es der vom Menschen verursachte Klimawandel ist, der unsere Vegetation zurzeit unter Anpassungsdruck setzt, wollen Menschen heute der Natur unter die Arme greifen und die Anpassungsprozesse beschleunigen. Es geht um einen Waldumbau, bevorzugt werden klimastabile, naturnahe Mischwälder. Dabei spielen Baumarten wie Douglasie, Küstentanne und Roteiche eine Rolle. Sie sind klimatoleranter – dank ihnen soll auch der Wald von morgen noch grüne Lunge und Lebensraum vieler Arten sein.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 08.08.19, 6-9 Uhr

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