japanische Flagge
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Bundeskanzlerin Merkel ist am Montag nach Japan gereist - mit einer großen Wirtschafts-Delegation im Schlepptau. Wie wichtig ist Japan als Handelspartner für Deutschland?

Nintendo, Hitachi, Toyota: So in etwa könnte man zusammenfassen, was Deutsche am liebsten von Japanern kaufen. Also Elektronik, Maschinen und Autos. Umgekehrt kauft Japan aus Deutschland vor allem Autos und Autoteile, außerdem viele Chemie- und Pharmaprodukte.

Japan ist nach China der zweitwichtigste Handelspartner für Deutschland in Asien, sagt Sonja Müller von der IHK Frankfurt: "Wenn man alle Länder betrachtet, dann ist Japan, was die Einfuhren angeht, auf Rang 15.  Und bei den Ausfuhren auf Rang 17."

2017 haben Deutschland und Japan Waren für 42 Milliarden Euro ausgetauscht; für das vergangene Jahr liegen noch keine offiziellen Zahlen vor. Aber der Handel legt weiter zu, so viel ist sicher. Insgesamt hat Deutschland ein wenig mehr aus Japan eingekauft als deutsche Unternehmen nach Japan verkauft haben.

Volkswirtschaften sind sich ähnlich

Beide Volkswirtschaften sind relativ ähnlich, sagt Sonja Müller. Beide haben viele Dienstleistungsbetriebe und stellen hochwertige Produkte her. Insofern sind japanische und deutsche Unternehmen Konkurrenten. Auf der anderen Seite ergänzten sich die beiden Länder auch bei vielen Themen: "Es gibt viele Produkte in Deutschland, gerade auch in der Kfz-Industrie, wo wir hochwertige Produkte aus Japan beziehen, die dann in die Autos hier eingebaut werden."

Japan als Wettbewerber – das sieht auch Ralph Wiechers vom Verband der Maschinen- und Anlagenbauer VDMA so. Aber nicht nur: "Sie sind natürlich auch ein wichtiger Partner – gerade auch bei der Entwicklung von neuen Dingen. Auch Wettbewerb belebt das Geschäft und macht einen natürlich auch stärker."

JEFTA: ein Abkommen mit Signalwirkung

Aktuell kann sich die europäische Wirtschaft auf noch mehr Wettbewerb einstellen. Und auf einen größeren Absatzmarkt. Denn am 1. Februar ist JEFTA, das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, in Kraft getreten – mit einem gemeinsamen Markt von 600 Millionen Verbrauchern.

Ein wichtiges Zeichen in Zeiten des Handelskrieges zwischen den USA und China, findet Ralph Wiechers vom VDMA: "Es hat natürlich einen symbolischen Charakter, weil es ein weiteres Freihandelsabkommen ist. Wir brauchen – weil wir keine multilateralen Abkommen mehr abschließen können - bilaterale Abkommen. Je mehr wir bilateral abschließen können, desto mehr Signalwirkung hat das auch auf andere Märkte, mit uns diese Abkommen abschließen zu können."

Vorteile für Rheingau und Rheinhessen

Aber nicht nur das: Für europäische und japanische Unternehmen fallen mit dem Abkommen bürokratische Hürden. Es wird für sie einfacher, ihre Produkte im jeweils anderen Land zu verkaufen. Europäische Unternehmen können sich jetzt auch auf staatliche Ausschreibungen in Japan bewerben.

Gleichzeitig sind mit JEFTA auch fast alle gegenseitigen Zölle gefallen. Insbesondere die Lebensmittelindustrie kann davon profitieren, sagt Sonja Müller: "Weil jetzt die hohen Zölle abgeschafft worden sind, die es gab. Es gab zum Beispiel für Wein 15 Prozent, für Käse 30 Prozent. Ich denke, im Käse sind wir nicht so stark. Aber Wein ist natürlich ein Punkt – auch für Rheinhessen, Rheingau. Und ich denke, da gibt es schon einige Produkte, für die es einen besseren Absatzmarkt geben wird."

Wirtschaftsforscher erwarten, dass mit dem Freihandelsabkommen das Geschäft zwischen Deutschland und Japan jetzt nochmal einen kräftigen Schub bekommt.

hr-iNFO, 4.2.2019, 6:10 Uhr

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