Eine lange Schlange von Wohnmobilen vor der spanischen Exklave Ceuta.

Vergangene Woche hatte Außenminister Maas angekündigt, Reisende aus Deutschland, die im Ausland festhängen, zurückzufliegen. Doch noch immer sitzen viele Reisende fest - zum Beispiel in Marokko.

Das ARD-Studio Nordwestafrika erreichen seit Tagen viele Nachrichten. Hilferufe verzweifelter Touristen, die in Marokko festsitzen. Viele von ihnen sitzen im Nordosten des Landes fest, rund um die Stadt Nador. Für sie seien die Flüge der Rückholaktion der deutschen Bundesregierung über die mindestens 600 Kilometer entfernten Flughäfen Casablanca, Agadir und Marrakesch nicht rechtzeitig erreichbar gewesen. Der Grund: Viele seien Kranke, Alte oder Menschen mit Behinderung, die den Weg nicht schaffen würden. Sie hoffen auf Flugmöglichkeiten Richtung Heimat direkt aus Nador.

"Ich habe einen zehnjährigen Sohn in Deutschland, der mich braucht. Wir sind verzweifelt. Wir bitten einfach nur darum, nach Hause zu kommen", berichtet etwa Fatima Channouf aus Leverkusen, die mit ihren 70-jährigen Eltern wartet. Aber nicht nur in Nador sitzen Reisende aus Deutschland nach wie vor fest, sondern auch vor der spanischen Exklave Ceuta. So wie Hartmut aus München, der sich ebenfalls an das ARD-Studio Nordwestafrika gewendet hat.

  "Hier bahnen sich katastrophale Verhältnisse an"

"Ich bin hier in der Schlange von Ceuta. Ich bin ungefähr die Nummer 270 von mittlerweile 400 Wohnmobilen, die vor Ceuta warten." Hartmut schickt Fotos. Sie zeigen kilometerlange Kolonnen von Wohnmobilen und PKW vor der Grenze zur spanischen Exklave in Nordmarokko. Viele Reisende hatten sich erhofft, von hier aus per Fähre noch nach Europa übersetzen zu können. Doch Spanien hat die Grenzen komplett geschlossen. Nun warten sie - Camper, alte Menschen, Familien mit kleinen Kindern. Und die Lage spitzt sich zu.

"Es ist kalt, es regnet, es ist windig, es gibt kein Wasser, es gibt keine Toiletten, es gibt nur wenig einzukaufen. Hier bahnen sich in nur wenigen Tagen - oder man muss sagen: in wenigen Stunden - katastrophale Verhältnisse an", warnt Harmut. Die Menschen müssten tagelang in ihren Autos sitzen, teils ohne Verpflegung. "Wir können keinen Campingplatz suchen, wo wir die Lage abwarten. Wir dürfen nicht mehr reisen", erläutert er.

Marokko verschärft Maßnahmen gegen Corona 

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hat Marokko schon vor über einer Woche seinen Flug- und Schiffsverkehr so gut wie eingestellt. Cafés, Restaurants, Moscheen und Geschäfte sind geschlossen, der öffentliche Verkehr kommt nach und nach zum Erliegen. Seit einigen Tagen gilt der Ausnahmezustand, seit Freitag gibt es eine generelle Ausgangssperre. In marokkanischen Medien sieht man Panzer über Autobahnen rollen, die Polizei kontrolliert in den Stadtvierteln. Sich fortzubewegen ist schwieriger geworden.

Trotzdem hat auch Naemi aus Freiburg es bis nach Ceuta geschafft. Die Grafikdesignerin ist mit ihrem Vater im Pkw unterwegs und steht nun in der Autoschlange. Seit Sonntagmittag. "Prinzipiell probieren wir alle, entspannt zu bleiben. Aber man merkt schon, dass es immer angespannter wird von der Stimmung und schwieriger wird, mit der Situation umzugehen, weil man einfach nicht weiß, wie es weitergeht. Ein, zwei Tage geht vielleicht noch – aber dann wird es unhygienisch", so ihre Einschätzung.

Hoffen auf das Auswärtige Amt 

Naemi erzählt, sie und andere Reisende hätten ein Schreiben erhalten, dass die spanischen Behörden die Reisenden gruppenweise in Konvois direkt an den Fährhafen ins Land einreisen lassen wollen. Das ist ihre Hoffnung. Wegen der sich ausbreitenden Corona-Pandemie hatten die Behörden die Grenze zwischen Marokko und Ceuta schon vor zwei Wochen geschlossen. Spanier und andere Europäer durften diese aber noch überqueren.

Aus Berlin heißt es, das Auswärtige Amt bemühe sich weiterhin, Lösungen für alle Reisende aus Deutschland zu finden. Die Touristen, die in Nador und an der spanischen Grenze ausharren, hoffen, dass das nicht mehr allzu lange dauern wird. Für sie entwickelt sich der Aufenthalt ohne absehbares Ende zur Zerreißprobe.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 24.3.2020, 15 bis 18 Uhr

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