Arbeitsmarkt "Wir stellen ein"

Trotz erster Anzeichen einer schwächelnden Konjunktur ist die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt vergleichsweise gut - auch in Hessen. Doch in einigen Bereichen fehlt der Nachwuchs. Und auch der Wandel der Arbeitswelt bringt Herausforderungen mit sich.

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Es sieht gut aus auf dem Arbeitsmarkt. Richtig gut, sagt Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Bei knapp unter fünf Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Deutschland, Hessen steht sogar noch ein bisschen besser da: 4,3 Prozent, weniger als 150.000 Arbeitslose - "das sind letztlich Rekordquoten, wenn man sich die letzten 20 Jahre anguckt", so Martin. "Und wir haben immer noch über 50.000 freie Stellen. Von daher kann man sagen, die aktuelle Lage ist sehr gut."

Nachwuchssorgen im Handwerk

Nach neuen Arbeitskräften gesucht werde vor allem in der Pflege und im Erziehungsbereich. Und: "Wir haben natürlich auch unverändert Besetzungsprobleme in naturwissenschaftlich-technischen Berufen, sehr starke Nachwuchssorgen haben wir auch im Handwerk - nicht in allen Berufen, aber in sehr vielen handwerklichen Berufen", sagt Martin. Exemplarisch nennt er den Bereich Elektro- oder auch Holzverarbeitung.

Es gebe also reichlich offene Stellen, doch die lassen sich nicht automatisch mit Arbeitssuchenden besetzen, denn die meisten der knapp über zwei Millionen Arbeitslosen in Deutschland hätten keine Ausbildung und teilweise nicht mal einen Schulabschluss, so Martin.Viele Arbeitslosengeld II-Bezieher müssten also erstmal eine Ausbildung nachholen. Aber das ist nicht immer einfach – etwa wenn Mütter ihre Kinder alleine erziehen müssen.

Weiterbildung wichtiger denn je

Aus- und Weiterbildung ist ein Dauerthema auf dem Arbeitsmarkt. Denn langfristige Entwicklungen wie die Globalisierung, der demographische Wandel und die Digitalisierung stellen den Arbeitsmarkt vor Herausforderungen. Doch kein Grund zur Panik, stellt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einer Analyse fest. Denn verändert habe sich die Arbeitswelt schon immer. Schon in den vergangenen Jahrzehnten seien für Hochqualifizierte mehr Arbeitsplätze entstanden als verschwunden. Umgekehrt war es für Geringqualifizierte: Sie werden immer weniger gebraucht.

Unterm Strich fallen also keine Arbeitsplätze weg, sagt auch Eric Thode, Arbeitsmarktexperte bei der Bertelsmann-Stiftung. Die große Herausforderung ist aber, "dass das, was Menschen auf wegfallenden Arbeitsplätzen machen, sich substanziell unterscheidet von dem, was an neuen Arbeitsplätzen erforderlich sein wird. Und da ist es wichtig, dass das Thema Weiterbildung wirklich einen ganz großen Stellenwert in Deutschland bekommt", so Thode.

Bedrohung durch internationale Konflikte?

Zwar stehe der deutsche Arbeitsmarkt im Moment blendend da, sagt er. Ob sich Bedrohungen wie der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Konflikt mit dem Iran oder der Brexit auf den deutschen Arbeitsmarkt auswirkten, das hänge auch davon ab, wie die deutschen Unternehmen die Lage einschätzen. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 seien die Unternehmen zuversichtlich gewesen, dass die Krise schnell überwunden werden könne.

Wenn die konjunkturelle Schwächephase jetzt auch wieder als eher kurz wahrgenommen werde, sehe er auch keine besondere Bedrohung für den deutschen Arbeitsmarkt", sagt Thode. "Wenn sich aber diese Herausforderungen wie Brexit, Handelskonflikt und Irankonflikt als dauerhaft erweisen, wird es auch deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.7.2019, 6-9 Uhr

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