Ein Hausbau in Hessen wird immer teurer

Die Bauzinsen sind seit Anfang des Jahres rasant gestiegen. Dazu kommt, dass Bauen an sich immer teurer wird. Trotzdem wollen viele Menschen noch schnell ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen, bevor die Zinsen noch stärker steigen.

Die Verbraucherpreise klettern immer weiter nach oben. Zuletzt stieg die Inflation im Euroraum auf über acht Prozent – ein neuer Rekord. Damit steigt der Druck auf die Europäische Zentralbank, diese soll gegensteuern und die Zinsen anheben. Zumindest die Bauzinsen sind im Vorfeld bereits rasant gestiegen. Ein Problem für diejenigen, die eine Immobilie kaufen oder selbst bauen wollen, wie Anna und David aus Frankfurt.

Seit drei Jahren auf der Suche nach einem Haus

Ihnen ist es in ihrer 3-Zimmer-Wohnung in Frankfurt zu eng geworden. Spätestens seit der Geburt ihrer Tochter Lea steht für die beiden fest, dass sie in ein Eigenheim ziehen möchten. Fündig geworden ist das junge Paar bisher noch nicht und der Frust werde immer größer, so David: „Wir suchen seit drei Jahren nach einem Haus und haben uns auch schon einige Häuser angesehen, natürlich war die Zinslage vor drei Jahren etwas anders. Jetzt im Januar kam ein Zinsschock und das hat auch für uns die Auswirkung, dass wir nicht mehr die Preise angehen können, die wir noch vor der Zinswende hätten tragen können. Das erschwert die Lage aktuell.“

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Zwischen Inflation und Billiggeld: Kommt die Zinswende in Europa?

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Um sich ein Haus in Frankfurt leisten zu können, planen die beiden mit einem Kredit von 400.000 Euro. Diesen möchten sie innerhalb von 30 Jahren zurückzahlen. Aktuell würden hierfür jeden Monat fast 1600 Euro fällig werden, etwa 600 Euro mehr als Ende letzten Jahres. Denn die Kreditzinsen sind seitdem massiv gestiegen. Blickt man auf Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung, war es im Schnitt weniger als ein Prozent. Mittlerweile sind es fast drei Prozent.

Doppeltes Problem bei Neubauten

Damit nimmt der Markt vorweg, was viele Menschen angesichts der steigenden Verbraucherpreise auch von der Europäischen Zentralbank erwarten, erklärt der Oberurseler Baufinanzierungsberater Uwe Steffen: „Hintergrund ist natürlich die Inflation, die nach dem Ukraine-Krieg noch einmal deutlich angestiegen ist. Von daher geht man davon aus, dass im Laufe des Jahres die EZB die Zinswende umsetzen wird.“

Viele private Käufer hoffen: Werden Baukredite teurer, könnten die Immobilien billiger werden. Bisher ist das allerdings nicht der Fall, meinen Experten wie der Immobilienmakler Martin Jalink aus der Nidderau. Er berät seine Kunden auch zu Neubauprojekten und bei diesen gibt es sogar ein doppeltes Problem: Denn neben den Zinsen steigen auch die Baukosten wie Stahl, Holz, Aluminium und vieles mehr würde rar und deshalb teurer. Obwohl dies die Kunden verunsichere, hat er aber auch das Gefühl, „dass der Anfragedrang noch größer geworden ist, um sich einfach die Zinsen zu sichern, bevor sie noch weiter hochsteigen", sagt Jalink.

Eine andere Welt noch vor zwei Jahren

Ein anderer Fall dagegen ist die Familie Gaida, die sich ihre Traumimmobilie noch zum Traumzins finanzieren konnte. Sie baut in Frankfurt gerade eine Doppelhaushälfte. Den Kredit dafür habe man vor zwei Jahren noch sehr günstig bekommen, so Familienvater Jens Gaida: „Wir haben ein Darlehen über 15 Jahre zum Zins von 0,85 Prozent abschließen können, und zusätzlich noch KfW-Förderkredite in Anspruch nehmen können, das hat uns schon sehr gefreut.“

Zu den aktuellen Konditionen hätte die Familie ihr Bauprojekt dagegen nicht umsetzen können - zumindest nicht im Rhein-Main-Gebiet. In diesem Fall hätte sie deutlich weiter hinausziehen müssen.

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