Erdölraffinerie
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Wer in diesen Tagen zum Tanken fährt, darf sich weiterhin über hohe Preise ärgern. Dabei müsste es langsam mal besser werden. Denn der Rohölpreis fällt seit einiger Zeit kontinuierlich. Schlecht für die Öl fördernden Länder. Deshalb trifft sich nun das Ölkartell OPEC und die kooperierenden Öl-Länder - wie Russland.

Eine Tankstelle in Frankfurt am Mittag. Viele der Autofahrer, die jetzt kommen, hoffen darauf, dass es um diese Zeit etwas billiger ist. Doch selbst dann, wenn es ein paar Cent weniger sind, sei der Sprit ja immer noch teuer, ärgern sich die Autofahrer: "Die Ölkonzerne – jetzt schieben sie das niedrige Wasser vor. Ich finde das übertrieben."

Unter den Autofahrern scheint der Schuldige schnell gefunden: Die Mineralölkonzerne - sie geben die gefallenen Rohölpreise nicht an die Verbraucher weiter. Und in der Tat sind die Rohölpreise seit Oktober um gut 30 Prozent gefallen. Das hat vor allem zwei Gründe: Am Markt gibt es ein Überangebot – die weltweite Nachfrage fällt jedoch nicht so stark aus. Aber wieso spiegelt sich diese Situation dann nicht an den Zapfsäulen wieder?

Gestiegene Transportkosten

Die Mineralölwirtschaft macht nach wie vor die niedrigen Wasserstände am Rhein und seinen Nebenflüssen für die Lage verantwortlich. Schiffe können nicht voll beladen werden – das lässt die Transportkosten steigen, so der Tenor. Johannes Boos vom ADAC ist sich sicher: "Die Mineralölkonzerne schieben dieses Argument vor. Und aus unserer Sicht versuchen die Konzerne da auch das eine oder andere Prozentpünktchen an Marge zusätzlich heraus zu kitzeln. Dass das Niedrigwasser einen Effekt auf die Transportkosten hat, die teurer macht und das sich auch an der Zapfsäule niederschlägt, das ist völlig klar. Aber das dürfte aus unserer Sicht nicht in dem Maße passieren, wie das aktuell passiert."

Alexander von Gersdorff, vom Mineralöl-Wirtschafts-Verband entgegnet dieser Kritik Folgendes: "Was die Automobilverbände jedoch sagen, ist nicht korrekt. Wir haben es mit einer Knappheitssituation zu tun, nach wie vor bei Benzin und Diesel. Trotz jetzt gestiegener Pegel, wir haben gestiegene Transportkosten. Und die machen sich eben leider nach wie vor im Markt bemerkbar."

Auch der Rohstoffanalyst Axel Herlinghaus von der DZ-Bank kennt das Argument gestiegener Transportkosten durch die niedrigen Pegelstände. Doch auch seiner Einschätzung nach "steht eigentlich zu vermuten, dass unter dem Deckmantel dieser Erklärung, dann durchaus noch Gewinnstreben der Rohölkonzerne dabei ist. Also aus dem Rohölpreis erklärt es sich logischerweise nicht."

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Der Mineralöl-Wirtschafts-Verband betont jedoch, dass es aktuell gar keinen Sinn machen würde, in dieser ohnehin angespannten preislichen Lage, zum Beispiel noch einen oder zwei Cent auf den Preis draufzuschlagen. Generell gebe es aber trotzdem Profiteure dieser Situation, erklärt Alexander von Gersdorff vom Verband: "Richtig ist, dass es sicherlich Transportunternehmen gibt, die jetzt auch mehr verlangen können, die aber auch mehr Arbeit haben. Und wenn es jemanden gibt der mehr verdient, dann können das durchaus Raffinerien sein – in ganz Deutschland, die gut funktionieren, die gut liefern können. Zum Marktpreis – der für alle vorgegeben ist. Die sind jetzt sozusagen nicht gerade in der Verlustzone. Das ist richtig."

Es bleibt also weiterhin undurchsichtig, wieso der Kraftstoff an den Tankstellen so teuer ist. Fakt ist, das sich die Pegelstände am Rhein wieder erholt haben. Fakt ist auch, dass die Preise auch wieder etwas gefallen sind und dass es regionale Unterschiede gibt: Im Süden und Westen Deutschlands ist es am teuersten. Und es wird wohl noch bis zum kommenden Frühjahr dauern, bis sich die Situation wieder normalisiert, so der Verband der Mineralölwirtschaft. 

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 06.12.2018, 06.50 Uhr

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