Die eingestürzte Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im April 2013
Die eingestürzte Textilfabrik "Rana Plaza" in Bangladesch im April 2013 Bild © picture-alliance/dpa

Vor fünf Jahren stürzte in Bangladesch die Textilfabrik "Rana Plaza" ein - mehr als 1100 Menschen starben. Was hat sich seitdem im Land und in der Textilindustrie generell verändert?

Dort, wo einst das Rana Plaza stand, klafft jetzt eine Baulücke. Davor steht ein kleines Denkmal, zwei Fäuste halten die Arbeitersymbole Hammer und Sichel in der Hand. "Unsere Erinnerungen sind mit Milliarden von Tränen behaftet", steht auf einer Tafel geschrieben. Rafiqul Islam lässt dieser Ort nicht los. "Ich denke oft daran, jeden Tag stehe ich hier", sagt er. "Ich habe so viele Bekannte hier verloren, wie tausende andere Menschen auch. Ich denke hier oft an sie zurück. Diese zwei Tage waren ein Alptraum für mich und meine Kinder. Wir sind die ganze Zeit hier geblieben, waren nicht zu Hause. Wir haben nichts gegessen, nur geweint und wollten meine Frau wiederhaben.“ Rafiquls Frau konnte gerettet werden. Seitdem, sagt Rafiqul, sei sie depressiv. Sie leide unter furchtbaren Schmerzen.

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Die Textilindustrie erwirtschaftet zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bangladesch. Drei Viertel aller Exporte sind Textilien. Kalpona Akter hat schon als Kind in einer Textilfabrik gearbeitet. Jetzt ist sie Gewerkschafterin. Das bringt ihr seit 20 Jahren Ärger ein, sie verlor ihre Arbeit. Aber die Sicherheit in den Fabriken habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, sagt sie: "Vor dem großen Unfall in Rana Plaza hatten wir um die 200 tote Arbeiter im Jahr, die durch Feuer oder Gebäudeeinstürze ums Leben gekommen sind. Heute sind es weniger als fünf bis zehn Menschen, die durch Unfälle dort sterben. Das ist wirklich eine große Verbesserung.“

Subunternehmen bleiben unüberwacht

Aber es gibt noch viele Mängel, das räumen auch die großen Textilbündnisse ein, die tausende Fabriken in Bangladesch im Namen der westlichen Konzerne überwachen. Auch die Regierung ließ mehr als 750 Fabriken inspizieren. Nur etwa hundert haben laut jüngsten Zahlen die meisten Mängel behoben. Das Textilbündnis Accord, in dem sich vor allem europäische Firmen zusammen geschlossen haben, war ursprünglich für fünf Jahre ausgelegt. Jetzt wird Accord bis 2021 in Bangladesch bleiben – denn viele Fabriken sind immer noch nicht sicher genug.

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Forum Entwicklung: Hauptsache billig?

Das Unglück im Rana Plaza hat vor fünf Jahren weltweites Entsetzen ausgelöst. Und die vielfache Beteuerung, dass sich in der Textilproduktion dringend etwas ändern muss. Aber sind die geforderten Änderungen wirklich eingetreten? Darüber diskutiert das "Forum Entwicklung" am 9.4.18 um 18.30 Uhr. [Mehr Informationen]

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Das Textilbündnis kündigte bisher rund hundert Unternehmen, die gar keine Fortschritte gemacht haben. Aber selbst für diese Firmen gibt es Schlupflöcher, sagt Shabbir Mahmood. Seine Fabrik ist mangelhaft. Und doch produziert er für westliche Firmen - als Subunternehmer. "Subunternehmen heißt, wenn eine große Fabrik einen Auftrag angenommen hat und ihn nicht ganz erfüllen kann, dann lässt sie zum Beispiel 20 Prozent woanders produzieren", erklärt Shabbir Mahmood. "Diese kleinen Firmen werden nicht von Accord kontrolliert, weil sie ja offiziell gar nicht für den großen Auftraggeber arbeiten. Manchmal wissen die Auftraggeber nicht, dass ein Teil ihrer Produktion ausgelagert wurde.“

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Abgesehen von Sicherheitsmängeln gibt es aber noch ein anderes Problem in Bangladesch: Arbeiterinnen, die für mehr Lohn kämpfen, verlieren immer noch oft ihre Jobs oder landen sogar bisweilen im Gefängnis. Grundsätzlich sei es gut, dass die Fabriken im Land produzieren, sagt die Gewerkschafterin Kalpona Akter – die Textilindustrie gibt vor allem Frauen Arbeit und oft auch Selbstvertrauen. "Kauf die Kleidung bitte, aber sei ein verantwortlicher Käufer", sagt sie. "Frag, ob die Arbeitsbedingungen ok sind, werden die Arbeiter anständig bezahlt. Ihr könnt auf jeden Fall Sachen aus Bangladesch kaufen, aber kauft es mit Verantwortung." Kalpona geht es vor allem um Eines: um Würde.

Sendung: hr-iNFO, 09.04.18, 06:10 Uhr

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