Mars
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Das Unternehmen „Mars One“, das Menschen dauerhaft auf dem Mars ansiedeln wollte, scheint finanziell am Ende. Die Faszination Mars bleibt aber bestehen. Woher kommt das? Und wann könnten wirklich einmal Menschen auf dem Planeten landen?

Darüber haben wir mit unserem Moderator und Raumfahrtexperten Dirk Wagner gesprochen.

Was genau war das Ziel von "Mars One"?

Wagner: Es ging wirklich darum, privat finanziert eine Basis auf dem Mars aufzubauen, in der Menschen dauerhaft leben sollten. Und zwar so schnell wie möglich. Deshalb wollte man sich bei "Mars One" auch die Zeit  sparen, um die Technik für den Rückflug zu entwickeln. Das war von Anfang an als Reise ohne Wiederkehr gedacht.

Dafür sollte es auch schon Mitte des nächsten Jahrzehnts losgehen mit dem ersten Flug zum Mars. Der Termin wurde allerdings immer wieder nach hinten verschoben, am Ende war von 2032 die Rede für die Landung der ersten Besatzung. Das Geld für dieses Unternehmen sollte übrigens vor allem mit Hilfe der Fernseh-Übertragungsrechte für die Marsflüge zusammen kommen. Das wollte man exklusiv vermarkten - wie bei großen Sport-Ereignissen wie die Olympischen Spiele etwa.  

Klingt doch recht abenteuerlich. Haben sich da überhaupt Leute freiwillig gemeldet, um bei so einem Flug zum Mars dabei zu sein?

Wagner: Ja, und zwar offenbar mehr als genug, es war von mehreren 1000 die Rede. Aus denen wurden sogar 100 Finalisten ausgewählt, die dann in die nächste Runde kommen sollten. Über deren Motivation kann man streiten. Aber viele, die sich öffentlich geäußert haben, haben gesagt, dass sie ihren Teil dazu beitragen möchten, der Menschheit diesen ersten Schritt zu einem anderen Planeten zu ermöglichen. Daraus wird nun wahrscheinlich nichts.

"Idee ist ethisch fragwürdig"

Deine Einschätzung: Wie seriös ist dieses Projekt gewesen?

Wagner: Also ich halte die Idee an sich schon für ethisch sehr fragwürdig, Leute auf den Mars zu schicken und sie dann weitestgehend sich selbst zu überlassen – ohne Rückflugmöglichkeit. Wenn sich nach einer Weile herausstellt, dass die Lebenserhaltungs-Systeme nicht funktionieren oder den Marsbewohnern schlicht die Nahrung ausgeht, dann war es das, dann sterben sie auf dem Planeten. Und die halbe Welt hier auf der Erde schaut vielleicht noch zu. Ich finde, wenn man schon Menschen zum Mars schickt, sollte man auch dafür sorgen, dass sie möglichst heil zurückkommen – mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und auch mit Geschichten, die sie erzählen können.

Darüber hinaus war nie ganz klar, mit welcher Technik "Mars One" eigentlich gelingen soll. Da wurden schöne Grafiken erstellt – mit Raumschiffen, die so aussehen, wie von der amerikanischen Firma "SpaceX". Die arbeitet aber längst an ganz anderen Projekten für eine eigene Mars-Mission. Dann wurden für die Reise der ersten vier Menschen zum Mars Gesamtkosten von sechs Milliarden Dollar veranschlagt. Das war  – gelinde gesagt – sehr optimistisch. Zum Vergleich: Die Mission des NASA-Marsautos "Curiosity", das 2012 auf dem Mars gelandet ist, hat alleine 2,5 Milliarden US-Dollar verschlungen. Und da ging es nur um ein ferngesteuertes Auto auf dem Mars, nicht um ein Raumschiff mit Astronauten - das wäre viel komplizierter und teurer.

Mond als Sprungbrett zum Mars

An Reisen zum Mars arbeiten aber nach wie vor verschiedene Raumfahrtorganisationen und Unternehmen in der ganzen Welt. Was könnten Menschen auf dem Mars besser machen als Roboter?

Wagner: Bei den wissenschaftlichen Missionen zum Mars geht es um die alte Frage: Hat es dort einmal Leben gegeben? Denn früher, vor mehr als drei Milliarden Jahren, war der Mars einmal wärmer, es gab Wasser in flüssiger Form und nicht nur Eis wie heute. Wenn man heute trainierte Biologen und Geologen losschickt, können die viel besser und schneller nach Lebens-Spuren suchen als ein ferngesteuertes Mars-Auto. Wobei ich denke, dass Menschen und Roboter einmal Hand in Hand auf dem Mars arbeiten werden.

Wann es soweit ist – dafür gibt es kein Datum. Die USA haben mal von Mitte der 2030er Jahre gesprochen für eine erste Mars-Mission. Was wir aber viel früher erleben werden, ist eine Rückkehr von Astronauten zum Mond. Das plant zum Beispiel die europäische Raumfahrtbehörde ESA. Der Mond ist ideal, um dort die Technik für eine spätere Basis auf dem Mars auszuprobieren. Denn wenn man merkt: Oh, da funktioniert etwas nicht, ist man in wenigen Tagen zurück auf der Erde. Beim Mars reden wir von Flugzeiten von mindestens einem halben Jahr – nur für den Hinflug. Da kann man nicht eben mal einen Mechaniker rufen, wenn was schief geht. Der Mond ist deshalb eine Art Sprungbrett zum Mars. 

Sendung: hr-iNFO, 6.3.2019, 6:10 Uhr

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