Rezo Die Zerstörung der CDU
Bild © Screenshot/Rezo ja lol ey

Die CDU-Kritik des YouTubers Rezo wurde zum Sinnbild für die Schere zwischen jung und alt. Die Reaktion der Partei auf das Video zeigt, wie wenig sie verstanden hat, wie die Jugend tickt.

Der Beziehungsstatus: Es ist kompliziert zwischen den Parteien und denjenigen, die im Moment als "die Jugendlichen" bezeichnet werden. Die fühlen sich nicht ernst genommen, finden sich in der Politik nicht wieder. Naturgemäß bekommen die Regierungsparteien CDU und SPD das als erste zu spüren.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel "Jugendquote für die Parteien"

Ende des Audiobeitrags

Das Video von YouTuber Rezo hat auf den Punkt gebracht, was viele denken. Und die Reaktionen der CDU auf das Video haben gezeigt, wie wenig die Partei eigentlich davon verstanden hatte, sagt Kommunikationswissenschaftler Martin Emmer: "Man hat so getan als sei es eine Oppositionspartei, die dort angreifen würde, was aber ja nicht der Fall war. Und man hat sofort vermutet, da würde jemand dahinterstecken und so, aber das ist in dem Fall ja nicht das Problem gewesen."

Große Verunsicherung innerhalb der Union

Die Parteien sind den Dialog mit informierten Bürgern wie Rezo nicht mehr gewohnt. Auch das haben die CDU-Reaktionen gezeigt. Reflexartig wurde der YouTuber selbst angegriffen - und nicht seine Inhalte. Die letzte Entgleisung dieser Art kam am Wochenende vom CDU-Obmann im Auswärtigen Amt, Roderich Kiesewetter. Der postete ungeprüft ein Verschwörungsvideo, in dem Rezo zum Auftragsarbeiter eines Großkonzerns wurde.

Die Verunsicherung ist groß in der Union. Der Umgang mit dem Rezo-Video: Überheblichkeit und Panik. So spricht Paul Ziemiak von einer "Vermischung von ganz vielen Pseudo-Fakten" und Markus Söder fordert: "Wir müssen jünger, moderner, cooler werden."

Lieber nicht, sagt Kommunikationswissenschaftler Emmer: "Es ist glaube ich eine Illusion zu glauben, das sei nur eine Frage von cooler Oberfläche. Wenn man sich mal dieses Rezo-Video anschaut, dann werden da ja sehr deutlich klare sachliche Fragen gestellt, da werden ja Fakten genannt und ich glaube jetzt einfach nur zu sagen: 'Ach, wir müssen die Krawatten ablegen, das löst ja alle Probleme, die es in der Kommunikation gibt zwischen den Parteien und den Wählern, nicht wirklich."

#diesejungenleute

Was im Internet selbstironisch unter dem Hashtag #diesejungenleute diskutiert wird, ist wesentlich mehr als ein Kritik-Video. Diese jungen Leute fühlen sich unverstanden, vor allem von den Volksparteien. Nicht, obwohl sie es allen recht machen wollen, sondern gerade deswegen, erklärt Politikberater Martin Fuchs: "Es ist natürlich ein strukturelles Problem einer Volkspartei, die den Anspruch hat, möglichst 82 Millionen Menschen zu vertreten und möglichst 20 Millionen Wählerinnen zu haben. Dies wird natürlich immer schwerer, weil die Gesellschaft immer heterogener wird - heterogener nicht nur in ihren Werten, sondern auch wie sich informiert."

Politische Meinungsbildung aus dem Netz

Zitat
„Es gibt keine Partei, die wirklich zu 100 Prozent unsere Interessen vertritt, und die meisten Parteien hatten jahrelang die Chance, wirklich etwas gegen den Klimawandel zu tun. Und jetzt wollen wir uns nicht instrumentalisieren lassen.“ Zitat von Lilith Rein, Aktivistin
Zitat Ende

Vor allem bei der jungen Generation stammen die Informationen überwiegend aus dem Netz. Dort findet politische Meinungsbildung heute statt, und nicht auf Parteiveranstaltungen. In den letzten Jahren hat das vor allem die AfD verstanden. Die politischen Meinungen bleiben allerdings nicht nur bei YouTube, sondern zeigen sich auch vermehrt auf der Straße, wie bei den Klimaprotesten Fridays for Future.

Aber trotz inhaltlicher Nähe zu den Grünen sagt die Aktivistin Lilith Rein: "Es gibt keine Partei die wirklich zu 100 Prozent unsere Interessen vertritt und die meisten Parteien hatten jahrelang die Chance, wirklich etwas gegen den Klimawandel zu tun und jetzt wollen wir uns nicht instrumentalisieren lassen."

Es scheint, als müssten die Parteien in erster Linie lernen, zuzuhören. Dann hätten sie vielleicht irgendwann auch eine Chance darauf, mit ihren Botschaften wieder anzukommen. Sei es bei YouTube oder einfach auf der Straße.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Das Kommando der Kinder: Wie die Jugend die Politik bedrängt

Ende des Audiobeitrags
Jetzt im Programm