Ein halbvolles Wasserglas steht auf einer Theke

Gefühlt wird die Welt immer schlechter: Kriege, Flüchtlinge, Klimawandel, die EU könnte auseinanderbrechen und in der Politik hat sich der Ton massiv verschärft. Tatsächlich wird die Welt aber in vielerlei Hinsicht besser und nicht schlechter.

Schon im Jahr 2015 meldet die globale Impfallianz Gavi einen Erfolg bei der Impfrate von Kindern – diese sei mit weltweit rund 86 Prozent so hoch wie noch nie. Und auch in Sachen Armut ist der Trend positiv, wie aus dem jährlichen Armutsbericht der Vereinten Nationen hervorgeht. Darin ist zu lesen: Absolut arm ist, wer am Tag unter 1,90 Dollar verdient. Die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Damit ist der Anteil der extremen Armut zwischen 1999 und 2013 von weltweit 28 auf elf Prozent gefallen – und liegt heute bei acht Prozent.

Auf diese Fakten berufen sich derzeit viele Autoren, wie der kürzlich verstorbene schwedische Gesundheitsforscher Hans Rosling, der Psychologieprofessor Steven Pinker aus den USA oder der deutsche Politikwissenschaftler und Journalist Walter Wüllenweber. Sie alle gehen davon aus: Die wenigsten Menschen wissen von diesen positiven Zahlen. Laut ihrer Analyse sind die meisten viel zu pessimistisch, lieben dramatische Nachrichten und übersehen deshalb systematisch hoffnungsvolle Fakten.

Loblied auf den menschlichen Fortschritt und die Aufklärung

Auf die Frage, auf welche Grundlagen er denn seine Aussagen stütze, sagte Wüllenweber im Interview mit dem rbb: "Eine ganz wichtige Quelle ist Max Roser, das ist ein junger deutscher Statistiker, der aber schon seit vielen Jahren in Oxford an solchen Statistiken arbeitet. Und dann gibt es die Weltbank, die UN, also diverse Quellen gibt es da". Das sind in erster Linie Statistiken der UNESCO, die für die gesamte Welt jährlich erfasst werden.

Aufgrund dieser Faktenlage singt auch er ein Loblied auf den menschlichen Fortschritt und die Aufklärung. Dazu zählen auch diese positiven Entwicklungen: Zahlreiche tödliche Krankheiten wurden eingedämmt, die durchschnittliche Lebenserwartung stieg von 30 Jahren im 18. Jahrhundert auf heute 71 Jahre, die Zahl der Demokratien ist gestiegen, die Bildung enorm gewachsen.

Aber: Ungerechtigkeit hat sich verstärkt

Das alles täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass es bei allem Optimismus sehr wohl auch Anlass zur Sorge gibt, so Walter Wüllenweber: "Bei allen Fortschritten, die es bisher gegeben hat, ist es so, dass die Ungerechtigkeit nicht nur nicht beseitigt wurde, sondern sie hat sich sogar verstärkt". Sei es international, dass die reiche Welt die arme Welt benachteilige, oder auch in Deutschland: "Da hat die Mittelschicht von den wirtschaftlichen Erfolgen in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig profitiert".

Und auch das zeigen die Statistiken: Das Thema Klima und Umwelt hat sich nicht verbessert, und die Klimaerwärmung mit all ihren negativen Auswirkungen wird in den nächsten 100 Jahren zunehmen.

Sendung: hr-iNFO, 28.12.2018, 16:10 Uhr

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