Ein gerahmter "Meisterbrief" hängt in einem Friseursalon.
Hängen schon bald wieder mehr Meisterbriefe in Handwerksbetrieben. Bild © picture-alliance/dpa

Damit sich mehr Handwerker selbständig machen können, wurde der Markt 2004 liberalisiert. Für 53 Handwerksberufe wurde die Meisterpflicht abgeschafft. Nun prüft die Große Koalition, ob die Pflicht nicht doch wieder eingeführt werden sollte.

Sören Bartol von der SPD und Carsten Linnemann von der CDU haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen die Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen wieder einführen. Ab Herbst soll in ihren Fraktionen daran konkret gearbeitet werden. "Wir denken da zum Beispiel an die Fliesenleger. Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass sich zwar viele Menschen selbständig gemacht haben, dass aber oft die Frage der Ausbildungsplätze zurückgeht, dass wir viele Ein-Mann-Betriebe haben, die in Richtung Scheinselbständigkeit unterwegs sind", so der SPD-Fraktionsvize Bartol.

Linnemann, ebenfalls Fraktionsvize seiner Partei, ist der Meinung, dass ein Fehler gemacht wurde. "Wir haben in zu vielen Gewerken den Meisterbrief abgeschafft als Voraussetzung für die Selbständigkeit", sagte Linnemann und fordert, dass dieser Fehler wieder korrigiert werden müsse.

Mehr Handwerker, weniger Ausbildung?

Mit dem Jahr 2004 hatte es eine Reform im Handwerk gegeben. Die Zahl der Berufe mit Meisterpflicht wurde von 94 auf 41 reduziert. Laut Linnemann gibt es heute in einigen Bereichen zwar mehr Handwerker, aber die Reform sei auch auf Kosten der dualen Ausbildung gegangen. In Berufen ohne Meisterpflicht fehlten vielen Handwerkern die Voraussetzungen, um ausbilden zu dürfen, so der Vorwurf.

In Expertenkreisen ist diese Einschätzung aber höchst umstritten. Bartol räumt zumindest ein, dass nicht alles an der Reform schlecht gewesen sei. Aber Scheinselbständigkeit bis zur Selbstaufgabe sei eine weitere Folge. Deshalb müsse umgesteuert werden.

Unterstützung kommt vom ZDH

Bartol und Linnemann wollen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in die Pflicht nehmen mitzuarbeiten. Denn eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen ist kompliziert. "Wir müssen uns auf der einen Seite konform mit dem Grundgesetz verhalten – Stichwort: Berufsfreiheiten. Auf der anderen Seite haben wir in Europa die Dienstleistungsfreiheit. An der Stelle müssen wir eine gangbare Möglichkeit finden, es so zu gestalten, dass es am Ende vor Gerichten standhält", erklärt Bartol.

Im Wirtschaftsministerium gibt man sich zurückhaltend. Man prüfe, wie die Meisterpflicht für einzelne Berufsbilder innerhalb der verfassungs- und europarechtlichen Vorgaben wieder eingeführt werden könne. So sehe das auch der Koalitionsvertrag vor. Beim Zentralverband des Deutschen Handwerks rennen Bartol und Linnemann hingegen offene Türen ein. Mit Gutachten will der ZDH jetzt klären, wie man eine Wiedereinführung der Meisterpflicht rechtssicher auf den Weg führen kann.

Preise steigen, Qualität auch

Ein Problem haben Kunden offenbar immer wieder mit der Gewährleistungspflicht. "Viele Soloselbständige verschwinden schnell wieder vom Markt. Im Bereich Bau und Ausbau schon innerhalb der fünfjährigen Gewährleistungspflicht, was im Sinne des Verbraucherschutzes durchaus bedenklich ist", so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer in einer schriftlichen Mitteilung. Aber auch diese These ist unter Experten umstritten.

Für den Kunden könnte es wohl teurer werden, den Handwerker kommen zu lassen. Eine Meisterstunde dürfte mehr kosten als die Arbeit eines Handwerkers ohne Meisterbrief. "Aber am Ende geht es den Kunden darum, dass die Qualität stimmt. Ich glaube, am Ende ist der Kunde bereit das zu zahlen", sagt Bartol.

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