Autos auf der Rheinstraße in Darmstadt
Darmstadt ist eine von fünf hessischen Städten, deren hohe Luftbelastung Grund für eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen das Land Hessen ist. Bild © picture-alliance/dpa

Seit Donnerstag gilt in Hamburg auf zwei Straßenabschnitten ein Diesel-Fahrverbot. Auch in fast allen hessischen Städten ist die Stickoxidbelastung höher als der erlaubte Grenzwert. Warum machen sie's nicht einfach wie die Hansestadt?

In Limburg herrscht schon lange dicke Luft: An der Schiede, wo zwei Bundesstraßen zusammenkommen, wälzt sich dichter Autoverkehr durch die Stadt an der Lahn. Die Stickstoffdioxid-Werte, die dort gemessen werden, zählen zu den höchsten in ganz Hessen. Es ist nicht so, dass die Verantwortlichen in Limburg tatenlos zusehen. Ein Verkehrsleitrechner ist angeschafft worden, um den Verkehrfluss zu verbessern. Seit Anfang des Jahres gibt es eine Umweltzone. Die Stadt fördert Radverkehr und Elektromobilität.

Bürgermeister Marius Hahn sieht Fortschritte, auch wenn es noch nicht reicht, um die Grenzwerte einzuhalten: "Limburg ist natürlich durch die Topografie, die drei Bundesstraßen, die A3, eine Stadt, die besonders betroffen ist. Die Dinge, die wir hier initiieren, sind schon erfolgreich. Es braucht manchmal noch ein bisschen Zeit. Ich glaube aber schon, wir sind auf dem richtigen Weg."

"Wir sind ganz am Ende der Nahrungskette"

Bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist man da weniger gelassen. Wegen der schlechten Luft in Limburg und vielen anderen hessischen Städten hat sie das Land Hessen verklagt und fordert Maßnahmen, die sofort wirken - Fahrverbote etwa. Wegen der hohen Werte in Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt hat die DUH schon vor Jahren geklagt. Offenbach kam jüngst dazu. Die Entscheidung liegt beim Verwaltungsgericht Wiesbaden – und ist immer wieder aufgeschoben worden. Auch, um das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu den Diesel-Fahrverboten abzuwarten.

Darin steht, dass man einzelne Straßenabschnitte, nicht aber ganze Innenstadtbereiche einfach so für ältere Diesel sperren kann. Das geht nur phasenweise und mit Ausnahmeregeln. Für die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden ist das ein wichtiger Punkt. Dort betreffe das Problem die ganze Innenstadt, sagt Verkehrsdezernent Andreas Kowol. Er setzt unter anderem auf neue Elektrobusse, die 2019 kommen sollen, und auf mehr Park & Ride-Plätze: "Diese Einzelmaßnahmen werden vom Ministerium bewertet, und wir hoffen, in dem Gerichtsverfahren vor dem Verwaltungsgericht in Wiesbaden mit einem ganzen Strauß von Maßnahmen die Einhaltung des Grenzwerts darlegen zu können", sagt Kowol.

Der Schadstoffausstoß soll bis 2020 auf das geforderte Maß sinken. Das streben alle Städte an, in denen die Belastung besonders hoch ist. Großstädte wie Berlin, Stuttgart und München schließen Fahrverbote wie in Hamburg nicht aus. Sie wollen aber erst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen. Wo Kreis, Land und Bund mitzureden haben, könne eine Kommune allein wenig tun, sagt der Limburger Bürgermeister Hahn. Und die Lösung aller Probleme wäre ein Diesel-Fahrverbot zumindest in seiner Stadt auch nicht. "Wir sind ja ganz am Ende der Nahrungskette", sagt Hahn. Natürlich sei es sehr ärgerlich, dass die Autos bei jedem Stau auf der A3 "mit großer Zielgenauigkeit durch die Bedarfsumleitung an der Luftmessstation vorbeigeleitet werden. Und jeder Limburger weiß: Wenn die Autobahn hustet, hat Limburg eine Lungenentzündung."

Sendung: hr-iNFO, 6:10 Uhr

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