Frankfurter Bahnhofsviertel

In Wiesbaden gibt es schon seit Jahren eine Waffenverbotszone, in Köln und Düsseldorf sind sie jetzt eingeführt worden. Und in Frankfurt, Hessens größter Stadt mit dem Kriminalitäts-Hotspot Bahnhofsviertel? Wird immer wieder diskutiert. Eine Notwendigkeit sahen die Verantwortlichen bislang aber nicht.

Der Frankfurter Hauptbahnhof. Reisende hetzen mit ihren Rollkoffern zum Bahnsteig, um ihren Zug zu bekommen. Auch wenn durch die Corona-Pandemie insgesamt weniger los ist, steigt die Zahl der Reisenden in der Advents- und Weihnachtszeit doch sprunghaft an. Mehr Menschen bedeutet auch mehr Tatmöglichkeiten.

Zweitägige Waffenverbotszone an drei Bahnhöfen

Um die Reisenden vor Gewaltdelikten mit Messern und anderen Waffen zu schützen und ein Sicherheitsgefühl zu erzeugen, hat die Bundespolizei am ersten Dezemberwochenende eine zweitägige Waffenverbotszone eingerichtet.

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Auf Messers Schneide? Diskussionen um Waffenverbotszonen

Schild einer Waffenverbotszone
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Im Hauptbahnhof, der Konstabler- und der Hauptwache, sagt Polizeidirektor Rocco Stein, Leiter der Frankfurter Bundespolizeiinspektion. "Insgesamt wurden über 700 Personen kontrolliert. Und in der Tat, wir haben zehn Messer, ein Cutter-Messer und Schreckschusswaffen gefunden. Wir haben aber auch jede Menge Begleitdelikte feststellen können." Unter anderem Drogenhandel. Zwei gesuchte Straftäter konnten auch festgenommen werden.

Polizei diskutiert das Thema regelmäßig

Zwei U-Bahnstationen vom Hauptbahnhof entfernt findet zur Zeit der Frankfurter Weihnachtsmarkt statt. Polizeipräsident Gerhard Bereswill macht sich ein Bild vor Ort. Auch hier gilt: weniger Besucher bedeutet weniger Straftaten. Anfang Dezember wurden jedoch ganz in der Nähe, in einem Club in der Frankfurter Innenstadt, zwei Männer mit einem Messer niedergestochen und verletzt.

Wegen solcher Delikte diskutiere die Polizei regelmäßig über das Thema Waffenverbotszone, sagt Gerhard Bereswill. "Wir haben in den letzten Jahren immer wieder diese Zahlen überprüft, inwiefern es Auffälligkeiten gibt und vielleicht Gründe für Waffenverbotszonen oder ähnliches. Und haben bisher in der Gesamtsumme gemeinsam mit der Stadt bewertet, dass das in Frankfurt nicht erforderlich ist."

"Zahlen sprechen nicht dafür"

Ein Blick in die Frankfurter Kriminalstatistik zeigt: Im letzten Jahr wurde die Waffe Messer bei Straftaten gegen das Leben 29 Mal und 168 Mal bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung eingesetzt. Das entspricht dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Deshalb denkt auch Ordnungsdezernentin Anette Rinn (FDP) nicht über die Einführung einer Waffenverbotszone nach. Auch nicht im Frankfurter Bahnhofsviertel. "Sowas ist sinnvoll einzuführen, wenn die Zahlen dafür sprechen. Tun sie derzeit in Frankfurt nicht. Abgesehen davon erleben wir gerade im Bahnhofsviertel, dass solche Taten häufig mit abgebrochenen Flaschen passieren. Und die kann man nicht verbieten."

Neue Diskussion im nächsten Jahr

Gewalt eskaliere häufig in Gruppen junger Männer, wenn Alkohol oder Drogen im Spiel sind. Aus diesem Grund wird die Bundespolizei auch an Silvester Waffenverbotszonen in Frankfurter Bahnhöfen einrichten, sagt Polizeidirektor Rocco Stein. "Gerade zu diesen Zeiten ist es sinnvoll, solche Gegenstände zu vermeiden. Hinzu kommt, da wird es aber wohl ein generelles Verbot geben, dass wir dann auch Pyrotechnik in den Zügen über Silvester nicht haben wollen."

Wie die Silvester-Regelungen für ganz Frankfurt aussehen werden, wird in den kommenden Tagen bekannt gegeben. Über Waffenverbotszonen wird wieder Anfang des Jahres diskutiert. Dann, wenn die Zahlen für die Kriminalitätsstatistik 2021 vorliegen.

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