Atombombe

Am 7. Juli 2017 wurde in den Vereinten Nationen das Abkommen zum Verbot von Atomwaffen angenommen. Von Befürwortern als Meilenstein gefeiert, bleiben die tatsächlichen Auswirkungen bisher noch fraglich.

Als der Atomwaffenverbotsvertrag vor drei Jahren in New York feierlich unterzeichnet wurde, erinnerte Peter Maurer vom Internationalen Komitee des Rotes Kreuzes an ein Telegramm, das seine Organisation am 30. August 1945 von Ärzten aus Hiroshima bekommen hatte: "Beängstigende Lage – Stadt ausgelöscht – 80 Prozent aller Krankenhäuser zerstört oder schwer beschädigt – Hohe Zahl an Todesopfern – Über 100.000 Verletzte in Notkrankenhäusern." Maurer mahnte: "Eine solche Nachricht wollen wir nie wieder bekommen. Wir wollen nie wieder die Erfahrung von Verwüstung und Leid durch einen Atomwaffen-Angriff machen."

Gefeiert als Meilenstein

Auch einige, die dieses Leid noch selbst erlebt haben, waren 2017 nach New York gekommen: Überlebende der US-amerikanischen Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Sie wollten dabei sein, als UN-Generalsekretär Guterres den sogenannten Atomwaffenverbotsvertrag zur Unterschrift freigab.

Guterres erklärte damals hoffnungsvoll: "Der erste multilaterale Abrüstungsvertrag seit mehr als zwei Jahrzehnten. Heute feiern wir diesen Meilensteilen. Aber jetzt müssen wir die schwere Arbeit fortsetzen, die nuklearen Arsenale zu beseitigen. Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Weltuntergangswaffen unsere Welt und die Zukunft unserer Kinder gefährden."

Ein Vertrag mit Schönheitsfehlern

Mehr als 80 Staaten haben den Vertrag inzwischen unterzeichnet, der den Einsatz von Atomwaffen genauso verbietet wie Herstellung, Besitz, Lagerung und Stationierung. Sogar mehr als 120 Nationen waren dabei, als der Vertrag vor drei Jahren angenommen und auf den Weg gebracht wurde. Der Schönheitsfehler: Die neun Atomstaaten kamen gar nicht erst. Die meisten Nato-Staaten – auch Deutschland – boykottierten die Konferenz – auf mehr oder weniger sanften Druck der USA.

Die damalige US-Botschafterin an den Vereinten Nationen, Nikki Haley, begründete das so: "Dieser Vertrag wird abgeschlossen im Glauben, etwas Gutes zu tun. Nordkorea wird darüber jubeln und alle anderen sind diejenigen, die dadurch gefährdet sind." Frankreich und Großbritannien äußerten sich ähnlich: Dieser Vertrag werde weder internationale Sicherheit noch Frieden schaffen. Im Gegenteil.

Atomwaffen stigmatisieren

Doch für Beatrice Fihn von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) ist das Abkommen auch ohne die Atommächte ein Erfolg: "Ich glaube, das kann einiges bewirken. Die Verbote von Landminen und Streumunition etwa werden von diesen Ländern auch nicht unterstützt. Russland nicht, China, die USA. Dennoch haben sie ihr Verhalten verändert. Es geht darum, diese Waffen zu stigmatisieren."

ICAN hatte die Verhandlungen in New York maßgeblich vorangetrieben. Auch deshalb wurde die Organisation 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Verheerende Auswirkungen

Fast 14.000 Atomwaffen gibt es weltweit, verteilt auf neun Länder. Wobei die USA und Russland rund 90 Prozent dieser Waffen besitzen - die heute noch dazu um ein Vielfaches stärker sind als die von Hiroshima und Nagasaki.

Deshalb warnt Peter Mauer vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes: "Wenn es heute zu einem nuklearen Konflikt kommen würde, es gäbe keine humanitäre Hilfe, die die Folgen einer solchen Katastrophe bewältigen könnte."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.7.2020, 6 bis 9 Uhr

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