Die Geschwister Nika und Tiko
Die Geschwister Nika (links) und Tiko (rechts) stellen uns Georgien vor. Bild © hr

Georgien ist der Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Das kleine Land zwischen Russland und der Türkei ist vielen Deutschen unbekannt. Unsere Autorin hat es sich vorstellen lassen – von zwei Kindern.

Nika und Tiko sind Geschwister aus Tiflis, die gerade am Esstisch sitzen und erzählen, was bei ihnen so in der Schule los ist. Nika ist die Kurzform von Nikolos. Er ist zehn Jahre alt, hat schwarze Haare und einen langen Pony bis zum Kinn. Seine Schwester Tinatin ist zwölf Jahre alt, hat noch längere Haare und wird Tiko gerufen.  Zur Schule können sie laufen. Manchmal nimmt sie ihr Vater auf dem Weg zur Arbeit im Auto mit. Und als ich den zehnjährigen Nika frage, wie viele Kinder denn in seiner Klasse sind, antwortet er: "einsdreißig."

Tiko und Nika lernen seit der dritten Klasse Deutsch. Und schon seit der ersten Klasse Englisch. Mit mir sprechen die beiden Russisch. Das ist eine in Georgien sehr wichtige Sprache. So ähnlich wie Englisch in Europa. Denn nach Georgien kommen viele Menschen aus Ländern, in denen Russisch gesprochen wird. Sie kommen hierher, um Urlaub zu machen – oder Geschäfte. Russisch haben Tiko und Nika aber nicht in der Schule gelernt, sondern aus Zeichentrickfilmen – und weil ihre Eltern es sprechen.

Harry Potter und Rustaweli

Natürlich sprechen die beiden auch Georgisch. Das ist eine ganz besondere Sprache mit vielen kh-Lauten und einer Schrift aus lauter kleinen Kringeln. Ganz anders als unser Alphabet. Tiko liest ein georgisches Gedicht aus ihrem Schulbuch vor. Die Zwölfjährige erklärt, dass es vom berühmten georgischen Schriftsteller Mukhran Machavariani stammt, und dass es um die Geschichte und Natur des Landes geht. Und dass die Menschen ihr kleines Land sehr lieben. Überhaupt lesen die beiden viel: "Harry Potter lesen wir auch hier, Sherlock Homes. Aber auch georgische Bücher zum Beispiel von Rustaweli oder Zeretelli und so weiter", erzählen sie. Rustaweli ist DER Dichter in Georgien, der die Sagen über Helden und Ritter geschrieben hat.

Wenn die beiden Geschwister gegen 15 Uhr aus der Schule kommen, gibt’s erstmal was zu essen. Nika isst am liebsten Schaschlik – also Fleisch am Spieß – gegrillt. Tiko isst gerne Chatschapuri und Lobiani. Das sind Teigfladen, entweder mit leckerem Käse oder rotem Bohnenpüree gefüllt. Aber am liebsten mögen beide Schokolade. Deutsche, georgische … egal.

Der Papa heißt Mama

Dann warten noch ein bis zwei Stunden Hausaufgaben auf die beiden. Die sollte man nicht vergessen, erklärt Tiko. Denn die Lehrer rufen am nächsten Tag auf. Und wenn die Schülerinnen oder Schüler etwas nicht wissen, gibt es gleich eine schlechte Note. Das sind übrigens andere Noten als bei uns. "Wir haben die zehn als beste Note, alles unter der sieben ist schon schlecht", so die Geschwister aus Tiflis. Die Eins ist dann also die schlechteste Note in Georgien. Nika und Tiko haben sie aber noch nie bekommen. Ihnen macht die Schule richtig Spaß. Aber auch ihr Hobby: Nach den Hausaufgaben gehen sie oft tanzen. In einer Tanzgruppe, mit georgischen Volkstänzen.

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Oft zu Hause sind Nika und Tiko also nicht. Da ist auch nicht ganz so viel Platz wie in vielen deutschen Wohnungen. Zwei Zimmer und ein schöner grüner Balkon. Ach – übrigens: Ihre Mutter rufen die beiden Deda. Und ihren Vater: Mama. So ist das eben in Georgien. Einfach andersrum.

Sendung: hr-iNFO, 09.10.2018, 06:10 Uhr

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