Dieselauto auf der Straße
Hamburg und Stuttgart haben Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 5 oder schlechter aus dem Stadtbild verbannt. Bild © picture-alliance/dpa

Auch ein Jahr nach dem Dieselgipfel schrecken noch viele Deutsche vor dem Kauf eines Dieselautos zurück. Industrie und Politik sind große Lösungen schuldig geblieben. Die Unsicherheit macht Verbrauchern und Verkäufern zu schaffen.

Vor einem Jahr hat der sogenannte Dieselgipfel stattgefunden. Autobauer und Politik haben Lösungen versprochen. Was kam, waren die Dieselprämie und Software-Updates. Doch was auch kam, waren Fahrverbote für Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 5 oder schlechter. Und zwar bisher in Hamburg und ab 2019 in Stuttgart. Bei uns in Hessen drohen sie auch – etwa in Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt.

4,5 Milliarden Euro Wertverlust

Vor allem Verbraucher und Autohändler haben unter der Lage zu leiden. Harald Flackus ist Geschäftsführer eines Autohauses in Wiesbaden. Die Dieselautos, die bei ihm auf dem Hof stehen, machen ihm zu schaffen. "Wir haben eine deutliche Kauf-Zurückhaltung bei Euro-5-Fahrzeugen – selbst bei den  neuen Dieseln der Euro-Norm 6 B bis F.", erzählt er. Bundesweit gibt es im Moment 300.000 Euro-5-Dieselautos, die durch die Fahrverbote insgesamt einen Wertverlust von  rund 4,5 Milliarden Euro am Markt zu verzeichnen haben.

Aus Sicht der Autokäufer ist es durchaus nachvollziehbar, zunächst vorsichtig zu sein und diese Autos nicht zu kaufen. "Wir haben Angst vorm Fahrverbot. Ich möchte jeden Tag rund um die Uhr in die Innenstadt reinfahren können. Wenn die Klarheit nicht da ist, dann sind unsere Kunden zurückhaltend beim Kaufen. Bei Neuwagen und auch beim Gebrauchtwagen", sagt Autohaus-Betreiber Harald Flackus verständnisvoll. Der Geschäftsmann ist der Meinung, dass man die Euro-5-Fahrzeuge mit Bauteilen so umrüsten sollte, dass sie nicht mehr von Fahrverboten betroffen sind. Damit wäre den Händlern, den Verbrauchern und der Umwelt geholfen, sagt er. Doch bisher tut sich nicht viel.

Hardware muss nachgerüstet werden

Politik und die Autoindustrie hätten im vergangenen Jahr relativ wenig gemacht, sagt Roger Seidl, Sprecher vom  Landesverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes. Die Industrie habe immerhin eine Umweltprämie angeboten, die bei einigen Fabrikaten auch gut in Anspruch genommen worden sei. "Es sind auch Softwarenachrüstungen durchgeführt worden und die Politik hüllt sich in Schweigen. Und das ist für uns als Verband eine sehr unbefriedigende Lösung, weil wir dringend eine Hardwarenachrüstung benötigen für Dieselfahrzeuge", so Seidl.

Technisch sei diese Nachrüstung grundsätzlich auch möglich, sagt der Verband – doch wer soll sie bezahlen? Zwischen 1.500 und 3.000 Euro würde so eine Umrüstung zirka kosten. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) fordert Politik und Autobauer ebenfalls auf, die Umrüstung mit zusätzlichen Bauteilen, die die Stickoxide herausfiltern, voranzutreiben.

ADAC kann nicht viel Hoffnung machen

Ulrich Buckmann ist Technikexperte beim ADAC in Frankfurt und berät Mitglieder, wenn sie Fragen haben – die häufigsten sind: "Kann ich zukünftig noch mit meinen Auto fahren? Kann ich nachrüsten? Was habe ich für Wertverluste zu befürchten, wenn ich den Wagen jetzt  auf dem Markt anbiete? Was soll ich mir kaufen, wenn ich mich neu orientiere?"

Doch viel Hoffnung kann der ADAC-Technik-Experte den Autofahrern im Moment nicht machen. Denn für Hardwarenachrüstungen fehlt es auch noch an rechtlichen Vorgaben. "Der Gesetzgeber muss ja den Nachrüstanbietern den gesetzlichen Rahmen geben, damit die überhaupt arbeiten können. Die können jetzt nicht ins Blaue hinein entwickeln und machen, wenn sie nicht genau wissen, was konkret verlangt wird. Das scheint wohl derzeit nicht vorhanden zu sein", sagt Buckmann.

Die Zukunft des Diesels

Bleibt als einzige technische Lösung noch ein Software-Update. "Also die Masse der nachgerüsteten Euro-5-Diesel im Rahmen des VW-Rückrufs sind problemlos gelaufen, das muss man fairerweise sagen. Aber wir bekommen hier halt auch immer wieder Anrufe, die genau nach diesem Update Probleme haben", so Buckmann.

Die sogenannte Umweltprämie war auch als eine Lösung nach dem Dieselskandal angeboten worden: Die Hersteller haben den Kunden Rabatte angeboten, wenn sie ihre älteren Diesel verschrottet oder in Zahlung gegeben haben. Weit über 200.000 Autokäufer haben diese Prämie bisher genutzt. Doch wie es nun weiter geht mit dem Diesel, ist unklar. Viele sind jedenfalls der Meinung, dass der Diesel als Antrieb Zukunft haben muss – allein schon, um die Klimaziele bis 2020 zu erreichen. Denn ein Dieselmotor stößt nun mal deutlich weniger Co2 aus als ein Benziner.

Sendung: hr-iNFO, 2.8.2018, 6.20 Uhr

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