Symbolbild Windkraft - Das Thema

Über Jahre tobte in Eberbach ein heftiger Streit um die Frage, ob auf dem Stadtgebiet Windkraftanlagen gebaut werden sollen. In dem Ort in Baden-Württemberg, am Odenwald gelegen, ging es zeitweise hoch her. Am Ende gab es dann doch eine Lösung, die alle akzeptierten.

Fünf Windkraftanlagen, jede 250 Meter hoch, auf einem bewaldeten Berg, dem Hebert – das reicht für einen Konflikt. Als die 15.000-Einwohner-Gemeinde Eberbach, am Odenwald gelegen, 2015 anfing, über Windkraft nachzudenken, war sofort die intensive Debatte da. Zwei Lager bildeten sich: Eine Initiative für, eine gegen die Windräder. Das hat auch Bürgermeister Peter Reichert beobachtet: "Ja klar, diese Spaltung war immer präsent. Wir haben immer gespürt, dass es etwa hälftig in der Bürgerschaft ist – die Tendenz war knapp pro Windkraft."

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Hört.Uns.Zu! – Wie in zwei Land-Gemeinden das Misstrauen gegen den Ballungsraum wächst

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In Eberbach wurde zunächst eine Bürgerbefragung durchgeführt. Ergebnis: Eine Mehrheit für die Windräder. Aber das Ergebnis war für die Gemeindevertreter nicht bindend. Also ging die Debatte weiter, teilweise heftig. Jens Thomson, von der Bürgerinitiative "Windräder für Eberbach", erinnert sich, wie das Debatten-Klima im Ort zu dieser Zeit schlechter wurde: "Es war teilweise unangenehm. Es kamen hauptsächlich Leute von außerhalb, die unmögliche Behauptungen aufgestellt haben. Das ging sogar so weit, dass einige Bürger sie verklagt haben."

Eine Lösung musste her

Rainer Kunze, Sprecher der Initiative "Rettet den Hebert", also gegen die Windkraft auf dem Berg, beschreibt die Lage ähnlich. Es habe viele Unentschlossene gegeben. Und dann die Befürworter, die die Gegner nicht mit ihren Argumenten überzeugen konnten, umgekehrt aber auch nicht. "Es waren halt total verhärtete Fronten." Bürgermeister Reichert und die Gemeindevertretung sahen: Es muss etwas passieren. Sie hörten sich um, recherchierten.

Heraus kamen zwei konkrete Schritte. Schritt eins: Die Stadt macht ein Interessenbekundungsverfahren. Hierbei wurden potentielle Windrad-Betreiber aufgerufen, konkrete Vorschläge zu machen. Alles musste transparent sein: für die Interessenten, die Befürworter, die Gegner und - vor allem – für die Bürger. Bei einer großen Versammlung in der Stadthalle wurden Pro- und Kontra-Argumente minutiös aufgelistet und diskutiert. Daraus entstand eine Broschüre, sagt Bürgermeister Reichert: "Das haben wir dann in Einigkeit geschaffen, haben die Bürgerinformationsbroschüre dann verteilt, an alle Haushalte, dass wirklich jeder dann Zugang hat. Das hat wirklich dann ganz gut funktioniert."   

"Der Druck ist raus"

Dann kam Schritt zwei: ein Bürgerentscheid, diesmal bindend für alle. Alle Wahlberechtigten durften abstimmen: Soll Eberbach die Flächen auf dem Hebert an Windkraftbetreiber verpachten – Ja oder Nein? Jens Thomson von den Windkraft-Befürwortern lobt diesen Schritt: "Das war auf jeden Fall eine sehr gute Idee, den Bürgerentscheid zu machen. Denn daraufhin war die Stadt Eberbach automatisch verpflichtet, zu informieren über das Thema, um das es im Bürgerentscheid geht. Und das hat die Stadt Eberbach ganz hervorragend gemacht."   

Rainer Kunze von den Windkraftgegnern findet heute, die Broschüre sei für seinen Geschmack nicht ganz so unparteiisch gewesen. Aber den Bürgerentscheid – den hält er immer noch für richtig: "Ja, jetzt ist zumindest der Druck raus. Es ist was entschieden – so ist es jetzt mal, wir müssen uns damit abfinden. Jetzt kommt es drauf an, wie der Projektierer weitergeht und was dann an Gutachten auf den Tisch kommt und dann wird man sehen."  

Die Bürger von Eberbach entschieden sich für die Windkraft. Auf einer Informationsbasis, an der alle mitgearbeitet haben. Jetzt kommen die Planungs- und Genehmigungsverfahren - und vielleicht irgendwann dann auch die Windräder.  

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