Dom in Limburg
Dom Limburg Bild © picture-alliance/dpa

Das Bistum Limburg will weiter gegen einen Priester durchgreifen, dem wiederholt sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. Nachdem er zunächst mit einigen Einschränkungen in einem anderen Bundesland weiterarbeiten konnte, wandten sich Opfer erneut ans Bistum Limburg. Eines davon hat hr-iNFO seine Geschichte erzählt.

Der 16-jährige Junge wohnt auf dem Land. Die Wege sind weit und das Angebot des Kaplans, er könne im Pfarrhaus übernachten, klingt gut. Dann muss er nicht noch spät nach dem Dorffest nach Hause fahren. Aber der Kaplan hat noch mehr im Kopf, als er das scheinbar freundliche Angebot macht. Am Abend onaniert der Kaplan zusammen mit dem Jugendlichen. Der Geistliche ist zu diesem Zeitpunkt gut doppelt so alt wie der ihm anvertraute Junge.

Es sind die 1990er Jahre, in denen sich der Priester in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert. Er ist unkonventionell und erfrischend modern, beliebt bei den jungen Leuten auf dem Land. Die Jugendlichen empfinden es als Privileg, mit dem jungen Geistlichen zusammen zu sein, zu feiern. Sie suchen seine Nähe und er nutzt das aus.

"Partys" unter der Dusche

Bei Gruppenleiter-Schulungen im Pfarrhaus übernachten die Jugendlichen im Dachgeschoss. Ein weiterer Junge, Matthias (Name geändert), erinnert sich an gemeinsames Duschen: "Da habe ich mir überhaupt nichts bei gedacht. Es war halt nur eine Dusche da – na Gott. Wie die Kerle nackig aussehen, weiß ich. Dann ist das halt so. Und plötzlich stand der Pfarrer da."

Aus dem gemeinsamen Duschen werden kleine Partys, der Geistliche ist dabei. Er wählt sich Favoriten aus. Diese Jungs sollen dann auch keine Freundin haben. Er sorgt dafür, dass Beziehungen scheitern, dann tröstet er die Jungs. Matthias erzählt, wie der Priester ihn bei einer Freizeit nachts von einem Mädchen trennt. "Geschlafen haben wir in einem Kloster in einem großen Saal: Isomatte, Schlafsack", sagt Matthias.

"Und dann hat er völlig korrekt gehandelt, indem er gesagt hat: 'Finger weg von dem Mädel!' Aber es geht ja nicht, dass er sagt: 'Kannst ja auch bei mir kuscheln kommen'." Matthias findet sich im Schlafsack des Pfarrers wieder und erinnert sich wie der Geistliche sagt, ihre Männerfreudschaft habe doch alles, was es braucht. Er spürt, wie der Mann sein erigiertes Glied an ihn presst. 

"Der macht einfach weiter"

Bis heute fällt es ihm schwer, über solche Nächte zu reden. Er hat Jahre gebraucht, um die Taten beim Bistum anzuzeigen. Für die Staatsanwaltschaft, waren die Fälle verjährt, sie wurden nicht juristisch aufgearbeitet. Kirchenrechtlich wurde der Priester freigesprochen, er ist bis heute ein unbescholtener Mann.

Aber die Geschichte lässt Matthias, inzwischen Vater und Ehemann, nicht los. Auch weil der Priester nicht loslässt. Viele Jahre nach den Taten, bei der Geburt seines Sohnes, steht der Geistliche plötzlich vor der Tür. "Er wusste, dass mein Sohn zur Welt gekommen ist, und am gleichen Abend klingelt es an der Tür und da steht er da und sagt: 'Cool, Du bist Vater geworden, ich melde mich zur Taufe an'."   

Dazu ist es nicht gekommen. Aber es ist eine der Gelegenheiten, bei der für das Opfer alles wieder hochkommt. Genauso geht es den Jungs von damals, wenn sie heute als gestandene Männer die Internet- und Social-Media-Einträge des Priesters sehen. Die Bilder, die er von sich und seinen Aktivitäten postet, die Reisen und Wanderungen mit jungen Erwachsenen. Für sie entsteht der Eindruck: Der macht einfach weiter und das Bistum lässt ihn gewähren.

Bischof Bätzing nimmt "weitere Einschränkungen" vor

Bis jetzt. Denn Bischof Bätzing wird "weitere Einschränkungen für den Dienst des Priesters vornehmen." Nach Informationen von hr-iNFO würde das bedeuten, dass er nicht mehr als Dozent oder Seelsorger tätig sein und keine Gottesdienste mehr halten kann.     

Sendung: hr-iNFO, 12.4.2019, 6:10 Uhr

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