Corona-Testzentrum

Ab sofort müssen Schnelltests, die Ungeimpfte oft beim Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen brauchen, in der Regel selbst bezahlt werden. Ist das Aus der Gratis-Tests ein gutes Mittel, um vielleicht noch mehr Leute zum Impfen zu bewegen? In der Politik ist man darüber uneins.

Ab diesem Montag muss man für einen Corona-Test selbst bezahlen - mit Ausnahmen: Kostenlos bleiben die Tests für alle, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können oder für die eine Impfung noch nicht empfohlen wird. Etwa Kinder oder Menschen mit bestimmten Erkrankungen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kennt weitere Ausnahmen: "Die Tests an Orten, wo man sein muss. Schule, Arbeit oder besonders sensible Bereiche, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser. Die bleiben kostenlos."

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Zum Artikel Das dritte G kann teuer werden: Ende der kostenlosen Bürgertests

Eine Person geht im Stadtteil Münchener Schwabing an einer Covid-19 Teststation vorbei, die auch kostenlose Bürgertest inklusiv Zertifikat und ohne Termin anbietet (Archivbild). (dpa)
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Bislang waren die Tests in den zahlreichen Testzentren, Apotheken oder Drogeriemärkten kostenlos, bezahlt hat sie der Bund. Mit Steuergeldern, betont der Gesundheitsminister: "Geht ja nicht um wenig Geld, sondern jeden Monat um viele hundert Millionen Euro"

Motivation zur Impfung?

Insgesamt haben die Bürgertests mehr als fünf Milliarden Euro gekostet. Davon geht das Bundesamt für Soziale Sicherung aus. Geld, das der Bund in Zukunft sparen wird. Andrew Ullmann von der FDP würde es lieber weiter in Schnelltests investieren: "Ich persönlich halte es für sinnvoll, diese Steuergelder einzusetzen. Wir neigen dazu, diese Menschen zu erziehen, dass sie sich impfen lassen." Neue Erschwernisse für Ungeimpfte würden seiner Ansicht nach das Gegenteil bewirken: "Dann wird erst recht blockiert."

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holletschek hofft auf das Gegenteil. Er will die Blockade lösen: "Ich hoffe schon, dass sich der eine oder andere jetzt überlegt, ob er nicht zum Impfen gehen kann." Also den Druck erhöhen auf die, die noch nicht geimpft sind - dadurch, dass jeder Kino-, Restaurant- oder Konzertbesuch zusätzliche Testkosten verursacht? Laut Klaus Holletschek wolle man ja eigentlich keinen Druck ausüben. "Darum geht es gar nicht, sondern konsequent sagen: Es kann sich jetzt jeder impfen lassen und der, der’s nicht kann, kriegt weiter seine kostenfreien Tests."

"Das könnte im Herbst zum Problem werden"

Widerspruch kommt von FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann: "Diese ganzen Maßregeln sind ja letztendlich nichts anderes als eine indirekte Impfpflicht, indem man Druck aufbaut. Ich wünschte mir einfach, dass wir die Impfung zu den Menschen bringen."

Noch sei das nicht ausreichend geschehen. Das könnte steigende Infektionszahlen bedeuten, glaubt der grüne Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen: "Tests haben uns in der dritten Welle sehr geholfen, die Dynamik zu brechen. Und wir sind einfach mit der Impfquote noch nicht so weit, dass wir uns jetzt trauen können, auf das Testen zu verzichten." Im Herbst könne das zum Problem werden.

Realitätscheck folgt

Wie sehr die Bürgertests im Kampf gegen die Pandemie tatsächlich geholfen haben, lässt sich bislang mit Studien kaum belegen. Dahmen spricht sich trotzdem dafür aus, dass weiter kostenlos getestet wird. Er könnte sich vorstellen, die Tests mit einer Impfberatung zu verknüpfen, um mehr Menschen von einer Impfung zu überzeugen.

Bund und Länder haben aber einen anderen Wege gewählt, deswegen müssen die meisten ab diesem Montag ihre Tests selbst bezahlen. Um die 20 Euro könnten sie in Zukunft kosten. Ob das dazu führen wird, dass immer mehr Zentren schließen und die Preise weiter steigen, das wird der Markt regeln, sagt der bayerische Gesundheitsminister: "Angebot und Nachfrage wird das aussteuern und das müssen wir natürlich genau anschauen, wie sich diese Preisniveaus in der Realität darstellen werden."

Der Realitätscheck für das Ende der kostenlose Bürgertest wird folgen: Die Politik will Preise, Infektionszahlen und Impfquote genau im Blick behalten.

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