Ein Börsianer in Frankfurt mit sorgenvoller Miene.
Die Auswirkungen der Lehman-Pleite waren auch an der Frankfurter Börse zu spüren. Bild © picture-alliance/dpa

Ja, es wurden viele Fehler gemacht, die 2008 zur Finanzkrise führten. Danach wurde in Deutschland aber auch vieles richtig angepackt. Aber eben nicht alles, meint unser Kommentator.

Nach Lehman stürzten die Börsen-Kurse ab. Sofort. Schwindelerregend. Banker und Börsianer waren hypernervös, viele wirkten ratlos. Beklemmend war es damals auf dem Börsenparkett. Für mich begann die Finanzkrise aber so richtig erst drei Wochen nach der Lehman-Pleite.

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Das kostbarste Gut geschützt

Ich weiß noch genau, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück den Deutschen an einem Sonntag versprachen, dass ihre Spareinlagen sicher seien. Natürlich waren sie nicht sicher, die Spareinlagen. Sonst wären Merkel und Steinbrück nicht vorgeprescht.

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Vieles war nicht mehr zu verhindern. Es gab damals viele Gründe, warum die Finanzwelt zusammenbrach: Lockeres Geld, falsche politische Vorgaben, zum Beispiel für Häuslebauer in den USA, lasche Finanzaufsicht, gierige Banker. Vieles wurde nach Ausbruch der Krise dann richtig angepackt. Die deutsche Industrie, insbesondere der Mittelstand, hat nicht mit Massenentlassungen reagiert, sondern – unterstützt vom Staat – mit Kurzarbeitergeld ihr kostbarstes Gut geschützt. Die qualifizierten Mitarbeiter blieben an Bord.

Niemand wurde zur Verantwortung gezogen

Hier bei uns griff man Pleitebanken wie der Commerzbank und der Hypo Real Estate unter die Arme, schützte aber nicht konsequent alle großen Finanzinstitute durch Verstaatlichung. Ein Fehler, wie ich meine. Ebenso wie der saft- und kraftlose Umgang mit den Bankern. Niemand wurde vor Gericht wirklich zur Verantwortung gezogen. Und viele Investmentbanker streichen schon längst wieder hohe Boni ein.

Noch wichtiger: Die Gefahr, die von den Zentralbanken ausgeht. Ja, sie haben damals die Schleusen aufgemacht. Das war gut. Aber sie haben vergessen, sie wieder zu schließen. Heute gibt es viel zu viel Geld im System. Das ist vielleicht der Keim der nächsten Krise. Ob dann noch einmal ein Kanzlerversprechen hilft?

Sendung: hr-iNFO. 14.09.2018, 17 Uhr

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