Ersthelfer bei einem Unfall

Erste Hilfe kann über Leben und Tod entscheiden. Und: Laut Gesetz ist jeder zu Erster Hilfe verpflichtet. Was muss man tun und wo sind die Grenzen?

Ein Mensch sitzt blutend hinterm Steuer, sein Auto liegt im Straßengraben: Eine klassische Situation für Erste Hilfe, doch was ist jetzt genau zu tun? Eine Sache ist in jedem Fall machbar und richtig: einen Notruf absetzen.

Werner Sirsch, Kursleiter eines Erste-Hilfe-Kurses in Frankfurt, sagt, alles sei richtig - außer nichts zu machen. "Ich kann, wenn ich eine Hilfemaßnahme mache, nichts verkehrt machen. Wenn ich zum Beispiel das Hemd aufschneiden muss, um zu schauen, wo er eine Verletzung hat, ist das durch den Paragraf 34 abgedeckt: rechtfertigender Notstand."

Bei Verweigerung drohen Geldstrafe oder Haft

Auch wenn die Erste Hilfe nur unzureichend oder sogar ohne Ergebnis verläuft, wird der Helfer nicht dafür zur Rechenschaft gezogen. Verletzt er sich dabei selbst, ist er versichert. Allerdings müsse der Schaden dokumentiert sein, sagt Sirsch.

Wer nachweislich zumutbare Hilfeleistung verweigert, also ohne sich selbst zu gefährden, muss mit Geldstrafe oder sogar mit bis zu einem Jahr Haft rechnen, je nach Schwere der Verletzung des Opfers. Das ist in Paragraf 323c Strafgesetzbuch geregelt. Aber auch Selbstschutz ist wichtig. Ist man beispielsweise nachts allein im Fahrzeug und sieht einen Unfall in einer menschenleeren Gegend, muss man zunächst prüfen, ob das eine Finte ist oder ein echter Unfall, um sich nicht selbst zu gefährden.

Man könne beispielsweise langsam mit dem Handy am Ohr vorbeifahren - dann sei klar, dass ein Notruf abgesetzt wurde und innerhalb kürzester Zeit Rettungsdienst oder Polizei vor Ort seien. Wenn es sich um eine Finte handle, werde man sehen: „Da wird dann schnell Bewegung in die Sache kommen.“

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§34 Strafgesetzbuch: rechtfertigender Notstand

Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.

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§ 323c Strafgesetzbuch: Unterlassene Hilfeleistung; Behinderung von hilfeleistenden Personen

  • (1) Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
  • (2) Ebenso wird bestraft, wer in diesen Situationen eine Person behindert, die einem Dritten Hilfe leistet oder leisten will.
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Sendung: hr-iNFO, 4.4.2019, 16:10 Uhr

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