Braunkohlekraftwerk
Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in Südostbrandenburg. Bild © picture-alliance/dpa

Die sogenannte Kohlekommission der Bundesregierung soll bis Jahresende planen, wie Deutschland aus dem Kohlestrom aussteigen kann. Keine leichte Aufgabe, denn noch wird in Deutschland ein beträchtlicher Teil des Stroms mit Kohle erzeugt und viele Arbeitsplätze hängen an der Kohle.

In Deutschland wird Strom aus unterschiedlichen Energieträgern gewonnen. Aktuell wird bereits ein Drittel des Stroms mit erneuerbaren Energien hergestellt. Doch die Hälfte des Stroms wird nach wie vor dadurch erzeugt, dass man fossile Energieträger verbrennt. Und zwar bisher vor allem Braun- und Steinkohle: Rund 37 Prozent war 2017 der Anteil am Energiemix in Deutschland. Stefan Kapferer ist der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie und Wasserwirtschaft - er begründet das so: "Ein Grund, wieso die Kohleverstromung in der BRD noch vergleichsweise stark ist, ist dass Deutschland sich entschieden hat, zuerst aus der Kernenergie auszusteigen. Insofern haben in den letzten Jahren die wachsenden Anteile der erneuerbaren Energien zuerst mal dazu gedient, auch wegfallende Kernenergie-Stromerzeugung zu ersetzen.  Im zweiten Schritt werden sie nach und nach dazu beitragen, dass die Kohleverstromung zurückgeht."

Kohleanteil hat sich in Deutschland nur langsam reduziert

Schaut man sich die Zahlen an, dann stellt man fest, dass sich der Kohleanteil über die Jahre in Deutschland nur langsam reduziert hat: Vor acht Jahren lag er bei rund 42 Prozent. Und 2017 waren es immer noch rund 37 Prozent. Energieexpertin Tina Löffelsend vom BUND (Bund für Natur- und Umweltschutz) kritisiert diese Entwicklung: "Das bedeutet ganz einfach, dass wir immer noch rund ein Drittel unserer Treibhausgase allein deshalb haben, weil wir unseren Strom aus Kohle machen. Und das ist eindeutig viel zu viel."

Der Stromanteil aus erneuerbaren Energien ist zwar stark gewachsen – aber der Anteil des Kohlestroms ist nur langsam gesunken. Zwischen 2010 und 2017 haben sich die erneuerbaren Energien in etwa verdoppelt – auf 33 Prozent. Die Stromwirtschaft will daran anknüpfen und das bedeutet eben auch die Abgase, die beim Stromerzeugen durch Verbrennung entstehen, drastisch zu verringern, so Stefan Kapferer: "Für uns gilt, nach dem Klimaschutzplan der Bundesregierung für 2030 ein Minderungsziel von über 61 Prozent. Das wollen wir schaffen. Das können wir auch schaffen. Und dazu wird der Kohlereduktions-Pfad, den man in der Kommission verabschiedet, einen wesentlichen Beitrag leisten."

Wind- und Sonnenenergie

Vor allem Wind- und Sonnenenergie scheinen die "Haupt-Hoffnungsträger" bei der Energiewende zu sein. Doch dafür ist auch eine bessere Infrastruktur nötig, erklärt Stefan Kapferer: "Wir müssen dann auch beim Netzausbau schneller werden. Viel Strom der erneuerbaren Energien wird in Norddeutschland erzeugt. Wir brauchen aber auch im Süden entsprechende Mengen Strom. Und wir müssen natürlich auch sicherstellen, dass wir Strom haben in Phasen, in denen eben der Wind schwach weht und die Sonne vielleicht nicht scheint. Und deswegen glauben wir, dass wir an der ein oder anderen Stelle noch Gaskraftwerke errichten, die dann einspringen."

Standort Hessen

Auf Wind und Sonne setzt man auch in Hessen. Der Kohleanteil am Strommix lag 2016 bei rund 24 Prozent. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien hinkte Hessen aber lange hinterher. Das habe sich über die vergangenen Jahre allerdings verbessert, erklärt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne): "Wir haben ja den Windkraftausbau gefördert und die Fotovoltaik spielt eine große Rolle. Wir haben es jetzt geschafft, dass 20 Prozent des in Hessen verbrauchten Stroms auch in Hessen erneuerbar erzeugt wird. Jetzt muss man dazu wissen, Hessen ist traditionell ein Strom-Importland. Deutschland insgesamt ist aber ein Strom-Exportland. Man könnte da durchaus noch Kohlekraftwerke ausschalten, ohne dass die Versorgungssicherheit in Gefahr gerät. Und das ist ja auch dringend nötig, weil unsere Klimabilanz nicht gut genug ist."

Auch der BUND sagt, dass man am Stromüberschuss einsparen könne. Doch was passiert letztendlich mit den tausenden Arbeitsplätzen, die auch am Bergbau hängen? BUND-Energieexpertin Tina Löffelsend kritisiert hier die Politik, nicht rechtzeitig gehandelt zu haben: "Die Arbeitsplätze in der Kohle sind schon seit 1990 drastisch zurückgegangen. Und das wurde bisher immer ignoriert. Wir sind klar dafür, dass niemand im Regen steht. Es gibt einen zeitlichen Spielraum den man nutzen muss für langfristige Perspektiven für die Regionen, für die Beschäftigten und auch die Leute, die betroffen sind, weil sie im Tagebau arbeiten."

Sendung: hr-iNFO, 26.6.2018, 6.45 Uhr

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