Der britische "Union Jack" und die Europa-Flagge wehen vor dem britischen Parlament gemeinsam im Wind.
Großbritannien will sich von der EU loslösen. Nur wie genau eigentlich? Bild © picture-alliance/dpa

Die Brexit-Chefverhandler haben eine ziemlich unmögliche Aufgabe: Sie müssen eine vernünftige Lösung für ein unvernünftiges Ziel finden. Das kann so nicht klappen, meint unser Kommentator.

Es gibt keinen vernünftigen Brexit, durch den die EU den Briten per Zauberformel neue Handelsfreiheiten beschert. Ein Brexit, der den Briten das Gefühl gibt, wieder ein glorreiches Empire zu sein – durch eine privilegierte EU-Partnerschaft. Es gibt keinen Brexit, der London grundsätzlich alle Handelsvorteile von Binnenmarkt und Zollunion gewährt, die Briten aber gleichzeitig zu nichts verpflichtet.

Großbritannien hat mit Summerhill einen der großen antiautoritären Wallfahrtsorte hervorgebracht. Und am liebsten hätten es Premierministerin Theresa May und ihre moderaten Brexit-Mitkämpfer, wenn die EU sich für sie in einen antiautoritären Club verwandelte, in der das Empire Great Britain tun und lassen kann, was es will, solange es nur seine Clubgebühr bezahlt. Doch da ist London bei dem französischen EU-Brexit-Unterhändler Michel Barnier an der falschen Adresse.

Die EU hat schon genug Feinde

Großbritanniens neuer Brexit-Minister Dominic Raab kann noch so oft zu Verhandlungen nach Brüssel kommen - solange die Briten und die EU kein Freihandelskonzept entwickeln, das ohne eine harte Grenze mitten durch die irische Insel auskommt, gibt es keinen Fortschritt. Und die Gefahr einer Scheidung ohne Trennungs- und ohne neuen Freundschaftsvertrag wächst von Tag zu Tag.

Es gibt keinen vernünftigen Brexit, aber durchaus unterschiedlich kluge Scheidungskonzepte. Die EU wäre gut beraten, diese Konzepte mit zu erarbeiten. Denn Feinde hat sie schon genug in der Ära Trump, Orbán und Erdoğan.

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Sendung: hr-iNFO, 20.07.2018, 16.20 Uhr

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