Hühner Hessen
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Die Politik der EU beeinflusst unser alltägliches Leben: zum Beispiel die Preise für Lebensmittel wie Schweine- und Hühnerfleisch. Und auch, wie die Tiere gehalten werden - mit Folgen für Landwirte und Verbraucher in Hessen.

Seit Jahren kämpft Andreas Grede gegen eine Tierfabrik in Gudensberg, in der täglich Zehntausende von Hühnchen verarbeitet werden. Der Bedarf an Hühnerfleisch sei riesig, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative Chattengau gegen Massentierhaltung: "37 Millionen Tiere verarbeitet Plukon in Gudensberg allein pro Jahr. Das ist schon erheblich, auch wenn es deutschlandweit 600 Millionen Masthähnchen gibt."

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Und weil der Bedarf so groß ist, entstehen immer mehr große Mastställe in der Region. Die Folgen für die Umwelt sind immens: Nitrat im Trinkwasser, erhöhte Stickstoffmengen im Boden. Dagegen protestiert die Bürgerinitiative vor Ort, wohl wissend, dass man eigentlich an anderer Stelle ansetzen müsste: "Es ist leider so, dass die Politik in Brüssel praktisch beherrschend ist und gegen die Tierhaltungsbedingungen wollen und müssen wir vor Ort auch demonstrieren. Aber wir wissen auch, dass tatsächlich die große Linie in Brüssel vorgegeben wird."

Starke Lobbyisten der Großkonzerne

Zumal dort die EU-Politiker von den Lobbyisten der Großkonzerne massiv beeinflusst werden, sagt Grede: "In Brüssel gibt es eine starke Lobbyorganisation, die heißt 'Food and Drink' und das sind wirklich global agierende Konzerne. Diese haben nur ein Interesse und das sind kurzfristige Gewinne. Da geht es nicht um die Zukunft, nicht um die Umwelt und auch nicht ums Tierwohl."

Martin Häusling
Biolandwirt Martin Häusling Bild © martin-haeusling.eu

Diese Beeinflussung kennt auch Martin Häusling, Abgeordneter für die Grünen im EU-Parlament und Biolandwirt in Nordhessen. Er weiß, wem in der EU der Schuh drückt: den kleinen Landwirtschaftsbetrieben. Es gebe eine Tendenz, "dass es immer mehr in Richtung einer industriellen Landwirtschaft geht. Das kann der Region nicht unbedingt guttun. Und mit Massentierhaltung in Verbindung gebracht werden, ist ein schlechtes Image. Das muss man einfach sehen, dass die kleinbäuerlichen Betriebe und die regional aufgestellten Vermarkter eher ins Hintertreffen geraten."

Und er hat ganz konkrete Vorstellungen, wie die EU-Politik die Bauern unterstützen könnte, die sich gegen die Massentierhaltung entscheiden: "Dass wir in Europa insgesamt die Haltungsvorschriften verbessern und die Normen anziehen. Dass Tierschutz auch nicht eine freiwillige Maßnahme ist, sondern vorgeschrieben ist."

Subventionen umverteilen für bessere Qualität

Auch Andreas Grede sieht die Politiker in Brüssel in der Pflicht. Die Subventionen, die nach Deutschland fließen, dürften nicht an Großbetriebe fließen, sondern müssten den kleinen Bauern zu Gute kommen: "Die Landwirte müssen tatsächlich entlohnt werden für ihre Arbeit - über Brüsseler Subventionen. Das bedeutet, die fünf Milliarden, die ausgegeben werden, müssen einfach umverteilt werden. Die dürfen nicht noch als Förderung für besonders viel Masse ausgeschüttet werden."

Denn nur so könne man die Bauern motivieren, weniger Fleisch und höhere Qualität zu produzieren: "Dann ist auch gar nichts gegen die Subventionen zu sagen. Aber die Landwirte müssen natürlich angehalten werden, ganz anders zu wirtschaften und dafür auch entsprechende Gegenleistungen zu bekommen."

Grede sieht auch die Verbraucher in der Pflicht. Gerade in Deutschland gehe beim Kunden billig immer noch vor Qualität. Ein Masthähnchen produziere so viele Umweltschäden, dass es im Grunde 20 Euro kosten müsste und nicht drei oder vier Euro. "Man kann bei Fleisch – anders als bei anderen Konsumgütern – sagen: Hoher Preis ist hohe Qualität, niedriger Preis ist schlechte Qualität."

Sendung: hr-iNFO, 29.4.2019, 6:05 Uhr

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