Eine Lehrerin und eine Schülerin stehen im Mathe-Unterricht mit Masken an der Tafel.

Die meisten Schülerinnen und Schüler in Hessen bleiben noch bis zum 14. Februar daheim. Und dann? Weil Kinder wohl doch Pandemietreiber sein können, muss die Rückkehr in den Schulalltag gut geplant sein.

Kinder, vor allem kleine Kinder werden meist kaum oder sogar gar nicht krank, wenn sie sich mit dem neuen Coronavirus infizieren. Diese sehr gute Nachricht hat aber auch eine Kehrseite: In der Statistik des Robert-Koch Instituts (RKI) tauchen Kinder weniger auf als es dem eigentlichen Infektionsgeschehen entspricht. Denn wer nicht krank wird, wird nicht gezielt getestet. Mehrere Studien versuchen, diese Dunkelziffer bei Kindern aufzuklären. Zum Beispiel die Studie des Mikrobiologen Michael Wagner, der an fast 250 Schulen in Österreich Kinder bis 14 Jahre getestet hat – egal ob sie Symptome zeigten oder nicht.

"Kinder stecken sich genauso leicht an wie Erwachsene, sind infektiös und können im Pandemiegeschehen nicht einfach nicht beachtet werden. Da würde man einen großen Fehler machen", so Wagner gegenüber dem MDR für das Magazin Fakt. Seine Studie, die bald veröffentlicht wird, zeigt, dass sich jüngere Kinder genauso häufig infizieren wie ältere. "In diese hochkomplexe Güterabwägung – Schulen öffnen, Schulen schließen – muss man das mit einbeziehen und nicht einfach in ein Wunschdenken verfallen, wo man dann sagt: Kinder spielen überhaupt keine Rolle", betont der Mikrobiologe.

Verbreitung adäquat zu Erwachsenen

Auch der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sagt, das Infektionsgeschehen unter Kindern sei nicht harmlos, schon gar nicht das unter Jugendlichen. "Ab 12 sagt man, dass die Kinder adäquat zu den Erwachsenen zu sehen sind, was Infektion und Verbreitung angeht", sagt er. Zudem seien Begegnungen an Schulen gar nicht so leicht zu kontrollieren. "Die Schule ist ein Ort, an dem sich viele junge Menschen über einen längeren Zeitraum treffen und sich auch gehörig durchmischen. Da muss man diskutieren, ob die bisherigen Maßnahmen in den Schulen geeignet sind, um die Übertragung dort komplett zu unterbinden."

Schulen zu schließen, ist der konsequenteste Weg, um Ansteckungen zu vermeiden und die Infektionszahlen generell zu senken. Doch die Auswirkungen für Kinder, Jugendliche und Familien sind groß. Wie können daher Schulen wieder aufgemacht werden, wenn die Infektionszahlen niedriger sind?

Maßnahmen-Pakete schnüren

Handlungsempfehlungen dafür erarbeitet grade ein interdisziplinäres Gremium unter Leitung der Uni Freiburg. Zunächst wurden mehr als 40 Studien zum Thema gesichtet und bewertet. Dabei habe sich gezeigt, dass die jeweils in den Studien getroffenen Maßnahmen gewirkt hätten, sagt die Public-Health-Forscherin Annette Rehfuess. Wichtig sei allerdings, mehrere Maßnahmen gebündelt zu ergreifen. "Ob das nun Pakete sind, zusammengeschnürt aus Abstand, Masken, Aufteilung von Klassen oder andere Kombinationen: Insgesamt trägt das zur Vermeidung von Infektionen in den Schulen bei. Das Ausmaß der Wirkung ist jedoch sehr variabel", so Rehfuess. Die Leitlinie des interdisziplinären Gremiums für Infektionsschutz an Schulen soll Anfang Februar veröffentlicht werden.

Sendung: hr-iNFO, 01.02.2021, 6-9 Uhr

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