Schlange in der sogenannten Todeszone am Mount Everest
Bergsteiger warten in der Todeszone darauf, den Gipfel des Mount Everest besteigen zu können. Bild © twitter.com/niemsdai

Wer zum Gipfel will, muss warten: Weil immer mehr Menschen den Mount Everst erklimmen wollen, bilden sich regelrechte Staus vor dem letzten Aufstieg, der sogenannten Todeszone. Das kann lebensgefährliche gefährliche Folgen haben.

Eingemummt in bunten Schneeanzügen reihen sich die Bergsteigerinnen und Bergsteiger hinter einander. Sie klammern sich an lange Leinen. Immer mehr solcher Videos und Fotos erscheinen gerade in den Sozialen Netzwerken, nur wenige Tage im Jahr ist es überhaupt möglich, auf den höchsten Punkt der Welt zu gelangen. Auf 8850 Meter. Vom letzten Camp aus sind es noch 800 Meter in die Höhe, um den Gipfel zu erreichen. Diese Strecke wird auch die Todeszone genannt. 

Audiobeitrag
Podcast aktuell

Podcast

Zum Artikel Mount Everest: "Es sind Leute unterwegs, die technisch limitiert sind"

Ende des Audiobeitrags

In diesem Jahr mussten genau hier viele Menschen lange warten. Rizza Alee aus Indien konnte die letzten Meter zum Gipfel nicht erreichen, er hatte zu wenig Sauerstoff dabei und musste zurückkehren. Es sei die härteste Entscheidung seines Lebens gewesen, ob er nicht doch den Weg bis ganz nach oben wagen sollte: "Es ist ein Todesrennen geworden da oben. Und dann stauen sich die Leute auf den letzten Metern und zwingen sich weiterzugehen, obwohl sie eigentlich gar nicht dazu fähig sind. Statt den Gipfel zu erreichen, bringen die sich quasi selber um. Dieser Gipfelansturm ist echt eine schlimme Sache geworden."

Nicht genug Sauerstoff für alle

Mediziner sehen einen Zusammenhang der Todesfälle mit dem Ansturm und den damit verbundenen Wartezeiten auf dem höchsten Berggipfel. Abgesehen von schweren Erfrierungen leiden einige an extremer Erschöpfung. Daran sind die meisten Opfer in diesem Jahr gestorben - weil das Wetter lange schlecht war und so viele Menschen in extremer Höhe warten mussten, bis sie auf den Gipfel steigen konnten.

"Ich finde, es sollte ein Limit geben, wie viele Menschen dort hinauf dürfen am Tag", sagt eine Bergsteigerin aus Südafrika, die gerade am Flughafen in Katmandu angekommen ist, der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt einfach nicht für alle genügend Sauerstoff und wenn du müde wirst, bist du müde. Dann schaffst du es vielleicht noch bis zum Gipfel, aber du musst ja auch wieder runterkommen, das ist auch ein Problem."

Anstieg sollte besser reguliert werden

Viele professionelle Bergsteiger fordern schon seit Jahren, dass die Behörden in Nepal den Anstieg besser regulieren müssten. Zu viele Gipfelstürmer hätten kein ausreichendes Training. Auch einige Agenturen im Land, die die Touren auf den Everest anbieten, seien nicht professionell genug. Darum würden sie sich nun kümmern, sagt Mira Acharya vom Tourismusministerium in Nepal: "Leider haben auch in diesem Jahr wieder Menschen ihr Leben verloren am Everest. Wir werden wohl einige Änderungen vornehmen müssen, was unsere Strategie angeht. Darüber denken wir bereits nach."

Das wird wohl dringend nötig sein, sagt der deutsche Bergsteiger David Gottler, der in diesem Jahr vergeblich versucht hat, auf den Gipfel zu kommen. Das schlechte Wetter und die langen Schlangen in der Todeszone hätten ihn davon abgehalten: "Aber es liegt in der Natur des Menschen, dass es reizt, da hochzugehen, gerade weil es so gefährlich ist. Ich befürchte, dass es im nächsten Jahr noch mehr Tote und Unfälle geben wird. Der Everest strahlt quasi eine tödliche Faszination auf viele aus." In diesem Jahr allerdings haben nicht mehr viele Menschen die Chance, auf den höchsten Gipfel der Welt zu klettern. Die Saison endet am Freitag.

Weitere Informationen

Mehr zum Thema

Müll und tote Bergsteiger: China will am Mount Everest aufräumen

Ende der weiteren Informationen
Jetzt im Programm