Tausende Migranten aus Mittelamerika marschieren auf einer Straße in Huixtla im Bundesstaat Chiapas
Tausende Migranten aus Mittelamerika in Huixtla im Bundesstaat Chiapas Bild © picture-alliance/dpa

Ein Marsch aus 7000 mittelamerikanischen Flüchtlingen ist auf dem Weg in die USA. Und es sollen mehr werden. Was treibt sie an?

Einwohner von Mapastepec verteilen heiße Hühnersuppe an die Flüchtlinge aus Honduras. In jedem mexikanischen Ort, in dem sie Halt machen, ist die Hilfsbereitschaft groß. Einwohner verschenken Kleidung und Schuhe, behandeln Ärzte wunde Füße. Freddy Zuñega läuft in Flip Flops, seit er sich vor 13 Tagen in seiner honduranischen Heimatstadt San Pedro Sula den Flüchtlingen angeschlossen hat. Für feste Schuhe habe er so schnell kein Geld auftreiben können. Er wollte die Karawane nicht verpassen. In der Gruppe seien sie geschützt, erzählt Zuñega. "Außerdem hilft man uns. Die Menschen geben uns Essen und Wasser", sagt er. So sei es sicherer, weil die mexikanische Migrationspolizei sie nicht festnehme und die Kriminellen sie in Ruhe lassen würden, so Zuñega.

Der 21-Jährige will es unbedingt bis in die USA schaffen. Jede Arbeit würde er dort annehmen.  Wer es am Wochenende über die mexikanisch-guatemaltekische Grenze geschafft und die etwa 140 Kilometer Fußmarsch bis hierher durchgehalten hat, will weiter in die USA. Etwa 1700 Flüchtlinge haben nach Behördenangaben in den Tagen seit dem Grenzübertritt dieser Gruppe Asyl in Mexiko beantragt. Für Lidia Mendoza kommt das nicht in Frage: Sie geht mit ihrer Nichte und deren Baby die restlichen 2000 Kilometer zu Fuß weiter, wenn es sein muss.

Flucht vor der Armut

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„Es heißt, der US-Präsident sei ein schlechter Mensch. Aber Gott berührt Herzen und vielleicht auch seines.“ Zitat von Lidia Mendoza, Geflüchtete aus Honduras
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Auch wenn US-Präsident Trump sie und ihre Mitstreiter als Kriminelle diffamiert, gibt sie die Hoffnung nicht auf. Sie hoffe darauf, dass die Regierung der USA ihr irgendeine Arbeit gebe. "Damit wir etwas Geld zu unseren Familien schicken können, die in Honduras geblieben sind. Es heißt, der US-Präsident sei ein schlechter Mensch. Aber Gott berührt Herzen und vielleicht auch seines, damit er uns allen eine Arbeit gibt", sagt Mendoza. Es müsse Trumps Herz berühren, all die Kinder zu sehen, die die Hitze aushalten und tapfer weiterlaufen. "Wir machen weiter, mit dem Glauben an Gott", sagt sie.

Die 40-Jährige hat in Honduras in einem Billiglohnbetrieb geschuftet, bis der geschlossen wurde, um in ein Land zu ziehen, in dem die Löhne noch niedriger sind. Danach fand sie keine Arbeit mehr. So wie Mendoza fliehen die Menschen vor der Armut, aber auch vor der Unsicherheit, die in den Vierteln der Armen herrscht. Die werden von kriminellen Banden regiert.

Mit dem Megafon gibt einer der Anführer der Gruppe Informationen zur Übernachtung auf dem zentralen Platz von Mapastepec, zugleich ist er Fundbüro und Suchdienst. Modernen Nachrichtenaustausch gibt es unter den Flüchtlingen nicht. Niemand hat ein Smartphone. So wissen sie auch nichts von US-Vizepräsident Mike Pence, der gerade Venezuelas Regierung bezichtigt hat, die Karawane zu finanzieren. Sie sind froh über die Hilfe der Mexikaner und der Nichtregierungsorganisationen, die sie begleiten. Schon bald könnten sie deutlich mehr werden: Aus Guatemala wird eine neue Gruppe von Honduranern gemeldet, die die Landsleute in Mexiko einholen wolle.

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Sendung: hr-iNFO, 25.10.2018, 16.40 Uhr

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