Autos fahren an einer Messstation in Darmstadt vorbei
Bild © picture-alliance/dpa

Die Luft in deutschen Innenstädten ist nach neuen Zahlen des Umweltbundesamtes sauberer geworden. Dennoch sind die Stickoxid-Werte in vielen Städten noch zu hoch. Wie wird die Luftqualität eigentlich gemessen und wie zuverlässig ist das? Und wieso sind die NO2-Grenzwerte beispielsweise in den USA so viel höher? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie wird die Qualität der Luft gemessen?

Zum größten Teil durch Schätzungen. Es gibt Hochrechnungen, die als Grundlage für die sogenannte Luftreinhaltepläne dienen. Verlässliche Werte gibt es aber  eben nur für die Straßen, in denen Messstationen stehen. Der Rest der Stadt wird geschätzt.

Die Fahrverbote beruhen also auf wenigen tatsächlichen Daten?

Im Prinzip: ja. Das Umweltbundesamt hat dafür das "Handbuch für Emissionsfaktoren" herausgegeben. Damit lässt sich aus dem Verkehrsaufkommen auf die Schadstoffkonzentration bestimmter Gebiete schließen - aber eben nur sehr grob. Das Problem: Egal welche Werte hochgerechnet werden- entscheidend sind immer die offiziellen Messstellen der Umweltbehörden der Länder.

Und: Bei den Messstellen entscheidet auch nicht der Durchschnitt, sondern die Messstelle mit den schlechtesten Werten. In Wiesbaden etwa ist das die Station an der Ringkirche.  2017 sind da 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) gemessen worden, ein Jahr später nur noch 48. Das ist besser, aber auch noch zu viel.   

Wie zuverlässig sind die Werte?

Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Fakt ist: In Deutschland gibt es insgesamt 564 Messstellen. Wo sie aufgestellt werden ist geregelt in der Bundesimmissionsschutzverordnung. Demnach soll die Messstation nicht weiter als zehn Meter vom Fahrbahnrand stehen, aber auch nicht näher als 25 Meter an einer viel befahrenen Kreuzung. Einflüsse auf die Messung müssen berücksichtigt werden, also Bäume oder Balkone oder auch die Höhe. Ob das in Deutschland stimmt, hat die EU-Kommission vergangenes Jahr geprüft. Der Test wurde bestanden. Im Februar soll es allerdings nochmal einen neuen externen Check geben.

Nach welchen Kriterien werden die Grenzwerte festgelegt?

40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter ist der Wert, der seit 1999 gilt und seit 2010 eingehalten werden muss. Ein Wert, den die EU Staaten beschlossen haben auf Grundlage einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Warum sind die Grenzwerte in den USA so viel höher?

In den USA gilt teilweise der Wert von 100 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter statt 40 wie in Deutschland. Allerdings gibt es auch 16 Staaten, die ihren Wert bei 57 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt haben. US-Behörden legen zudem mehr Wert auf die Regulierung von Feinstaub: Der Grenzwert für Feinstaub liegt dort zum Beispiel bei 12 Mikrogramm pro Kubikmeter, in der EU sind 25 Mikrogramm pro Kubikmeter erlaubt.

Sendung: hr-iNFO, 31.01.2019, 16:10 Uhr

Jetzt im Programm