Ein sogenannter "Praena-Test", mit dem vorgeburgtlich Blut abgenommen wird

Der Bundestag veranstaltet am Donnerstag eine zweistündige Orientierungsdebatte über ein ethisch umstrittenes Thema: darüber, ob der Bluttest auf Trisomie 21 künftig als Kassenleistung bezahlt werden soll. hr-iNFO beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

Werdende Eltern wünschen sich gesunde Kinder. Mit Feststellen der Schwangerschaft beginnt deshalb oft die Sorge, ob sich der Nachwuchs gut entwickelt. In den meisten Fällen ist dem auch so. Nur bei drei von hundert Kindern kommen mit vorgeburtlich entstandenen Abweichungen zur Welt. Etwa mit Trisomie 21.

Was ist Trisomie 21?

Trisomie 21 ist eine genetische Besonderheit: Üblicherweise enthält eine menschliche Zelle 23 Chromosomenpaare. Auf ihnen sind unsere Erbinformationen gespeichert. Menschen mit Trisomie 21 haben ein Chromosom mehr: Das sogenannte Chromosom 21 gibt es bei ihnen dreimal, komplett oder zumindest in Teilen. Bekannt ist Trisomie 21 auch als Down-Syndrom. Der Name geht zurück auf den britischen Arzt und Apotheker John Langdon-Down. Er beschrieb das Syndrom 1866.

Was zeichnet den Bluttest auf Trisomie aus?

Beim Bluttest auf Trisomie 21 werden DNA-Spuren des Embryos aus dem Venenblut der Mutter herausgefiltert und auf Trisomie hin untersucht. Den Test kann man ab der neunten vollendeten Schwangerschaftswoche durchführen. Er gilt als weitgehend risikolos – im Gegensatz zu Fruchtwasseruntersuchungen. Die müssen immer invasiv vorgenommen werden. Ihre Ergebnisse gelten zwar als zuverlässiger als die des Bluttests, es besteht aber immer die Gefahr von Komplikationen, bis hin zur Fehlgeburt.

Wie teuer ist ein solcher Bluttest?

200 bis 300 Euro. Diese Kosten zahlen Mütter bislang selbst. Nun wird vorgeschlagen: Die Krankenkassen zahlen den Test, wenn in der Schwangerschaft Risiken oder Auffälligkeiten bestehen. Die abschließende Entscheidung soll voraussichtlich im Sommer fallen. Bei der Debatte am Donnerstag wird noch nichts beschlossen. Ob und zu welchen Bedingungen der Test Kassenleistung wird, legen auch nicht die Abgeordneten fest. Das macht der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). In ihm sind Akteure des Gesundheitswesens vertreten, wie Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser.

Was spricht für die Trisomie-Tests?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verweist insbesondere auf das geringere Risiko dieser Methode. Zahlen die gesetzlichen Krankenkassen den Bluttest, könnten werdende Eltern darauf verzichten, die riskantere Fruchtwasseranalyse vornehmen zu lassen. Denn die wird bereits jetzt von den Kassen bezahlt. 

Welche Bedenken gibt es gegen den Bluttest?

Vor allem geht mit dem Bluttest konkret eine Befürchtung einher: dass es künftig immer stärker um die Frage geht, welche werdenden Kinder als lebenswert eingestuft werden und welche nicht. Denn mit bezahlten, risikoarmen Bluttests könnte die Hemmschwelle für eine Untersuchung sinken. Und viele Mütter entscheiden sich bei einem entsprechenden Testergebnis für eine Abtreibung. In Dänemark etwa hat sich nach dem Einführen von Trisomie-Tests als Regelleistung die Zahl der so geborenen Kinder halbiert.

Sendung: hr-iNFO, 11.04.2019, 6.40 Uhr

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