EZB Frankfurt bei Nacht
Seit 2014 befindet sich die EZB im Frankfurter Ostend. Vorher waren die Eurohüter am Willy-Brandt-Platz untergebracht. Bild © picture-alliance/dpa

Vor 20 Jahren wurde die EZB gegründet. Seitdem residieren die Hüter des Euro in Frankfurt. Hat die EZB die Stadt verändert? Ja, sagen Anwohner und Kommunalpolitiker - und nicht alle meinen das als Lob.

Nein, wirklich schick geworden ist sie nicht, die Ostendstraße, Lebensader des Viertels vor den Türen der EZB. Um zu sehen, was sich in dem Quartier tut, muss man in die Seitenstraßen schauen. Wo noch ein paar Quadratmeter frei waren, wird gebaut. Das einstige Kleine-Leute-Viertel ändert sich rasant. Haribert Conradi, seit 40 Jahren dort zu Hause, beobachtet den Wandel mit Unbehagen: "Wir haben einen Super-Vermieter. Aber meistens ist die Miete gestiegen in den Nachbarhäusern. Die Leute sind praktisch rausgeekelt worden. Und dann sind die Wohnungen umgebaut worden zu Eigentumswohnungen."

Auswirkungen auf den Mietmarkt

Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Capital sind die Preise im Ostend bei Neuvermietungen innerhalb der vergangenen drei, vier Jahre um bis zu 30 Prozent gestiegen. Mitarbeiter der EZB verdienten viel Geld und könnten leicht hohe Mietpreise zahlen, sagt Rolf Janßen vom Mieterschutzverein Frankfurt. "Was selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Mietenmarkt hat. Hohe Abschlüsse von Mietverträgen, die jetzt erfolgen, werden sich in Zukunft in einem Mietspiegel niederschlagen."

Wer in der EZB arbeitet, kommt eher in den Frankfurter Bestlagen unter – in Sachsenhausen, im Nordend oder im Westend. Aber die Preise steigen eben auch vor der Haustür der EZB.  Kein Problem, findet Frankfurts Wirtschaftdezernent Markus Frank (CDU). Man sei ja dabei, an anderen Stellen der Stadt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die EZB sei ein Gewinn für Frankfurt. So sei die Stadt ständig im Gespräch, "und wenn man aus dem Finanzsektor kommt und sowieso viel mit der EZB zu tun hat, siedelt man sich natürlich in der Nähe an. Das ist ein großer Punkt."

"Multikulturell im besten Sinn"

Auch in der unmittelbaren Nachbarschaft wirkt die Zentralbank als Motor der Veränderung. Das Ostend rund um die EZB ist aufgewertet worden. Direkt neben dem gläsernen Doppelturm ist der Hafenpark mit vielen Sportangeboten entstanden – ein Anziehungspunkt für junge Leute. Das Mainufer rund um die Weseler Werft ist ein beliebtes Ausflugsziel. Die EZB wirkt. Das findet auch Lothar Vach, der im Ostend ganz in der Nähe der Zentralbank arbeitet: "Insgesamt scheint es positiv zu sein. Der Plan geht auf, dass sich das Gebiet hier anhebt vom Niveau her." Dass durch den Immobilien-Boom alte Bewohner verdrängt und gewachsene Strukturen zerstört werden, glaubt er nicht. Jedenfalls nicht so schnell. "Es ist und bleibt ein sehr gemischtes Viertel, was ganz angenehm und lustig ist, weil es multikulturell im besten Sinn des Wortes ist. Hier finden sie alle Nationen. Es ist kunterbunt."

Eine internationale Stadt war Frankfurt schon, bevor die europäische Währung ersonnen wurde und ihre Hüter an den Main beordert worden sind. Aber dadurch habe Frankfurt sein internationales Profil noch einmal schärfen können, glaubt Wirtschaftsdezernent Frank. "Auch die zahlreichen Kongresse und Tagungen bringen Geld in die Frankfurter Stadtkasse. Und die Tagungsteilnehmer könnten außerdem sehen, wie toll sich Frankfurt entwickelt hat."

Nützlich für die Stadt

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist ebenfalls überzeugt davon, dass die EZB Frankfurts Wirkung nach außen einen Schub gegeben hat. "Wann immer irgendwo auf der Welt was mit Wirtschaft oder Finanzen berichtet wird, sieht man das Euro-Zeichen am Willy-Brandt-Platz, am alten Standort – oder natürlich auch, beim Blick über die Skyline, den neuen Standort. Das heißt, die optische Wahrnehmung der Stadt ist sehr stark."

Es geht Feldmann nicht nur um gutes Stadtmarketing. Die EZB, sagt er, sorge direkt und indirekt für neue Unternehmen und gut bezahlte Arbeitsplätze in Frankfurt. "So nimmt die Stadt mehr Steuern ein. Einnahmen, mit denen andere Projekte finanziert werden können." Die Zentralbank ist aus städtischer Sicht also nicht zuletzt eines: nützlich. Als Grund dafür, dass sich die Frankfurter nach 20 Jahren eingerichtet haben mit ihrer EZB, ist das allemal gut genug.

Sendung: hr-iNFO, 1. Juni 2018, 16:10 Uhr

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